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Keine Nische für Kröte im Ithkopfpark?

Der Naturschutzbund Hameln-Pyrmont äußert nach öffentlicher Auslegung als einzige Institution weiterhin Bedenken hinsichtlich der Planungen für den Ithkopfpark, spricht sogar von Enttäuschung: Die zweite und endgültige Fassung zur Änderung des Flächennutzungsplans erfährt einstimmige Beschlussempfehlung für Verwaltungsausschuss und Rat seitens des Bauausschusses sowie der Ortsräte Coppenbrügge und Brünnighausen. Danach soll auch der nördliche Teil der ehemaligen „Kiesgrube Ratzke“ nach Auffüllung der Abbaufläche einer Freizeitnutzung, insbesondere für Mountainbiking und 3D-Bogenschießen im Gelände, zugeführt werden.

veröffentlicht am 09.10.2021 um 15:00 Uhr

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Reporterin

COPPENBRÜGGE. Die vorgelegte Fassung des Plans sei aus Sicht des Nabu eine Enttäuschung, erklärt Günter Blötz, 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Hameln-Pyrmont. Ein nach seiner ersten kritischen Stellungnahme im Frühling anberaumter Ortstermin mit Verwaltung, Planern und Naturschützern habe nur kurzfristig Hoffnung im Interesse des Naturschutzes machen können: Die Aussagen vom März zu Bodenmodellierung, konkreter Ausweisung von klassischen Naturschutzflächen mit Gehölzzonen, Feuchtflächen und Arealen zur Sicherung des Bestands der gefährdeten Kreuzkröte „sind im vorgelegten Dokument nur noch schwammig vorhanden“.

Blötz weist in diesem Zusammenhang noch einmal auf die Bedeutung des nachgewiesenen Vorkommens der Kreuzkröte am Ithkopf hin. „Die Kreuzkröte ist in der Rote-Liste-Kategorie als ‚stark gefährdet‘ eingeordnet. Das heißt, sie gehört derzeit zu den am stärksten gefährdeten Lurcharten Deutschlands.“

Gerade in einer Zeit, wo der Artenrückgang allgegenwertig beklagt, die Bedeutung der Biodiversität tagtäglich hervorgehoben werde, hätten Planer und beschließende Gemeinde eine Chance vertan. Nämlich ein Zeichen für Umweltbewusstsein und -verantwortung zu setzen. Die durchaus großzügige Fläche des Planungsbereiches von rund 6,5 Hektar werde nun ausschließlich der Zweckbestimmung Spiel, Sport, Freizeit zugeschlagen. Warum denn nicht einen kleinen Teilbereich als ausgewiesene Schutzzone zur denkbaren Reproduktion der gefährdeten Art ausweisen und abgrenzen, fragt er. „Das wäre nach Ansicht des Nabu ein Aushängeschild für Coppenbrügge gewesen, dem Artensterben gezielt entgegenzuarbeiten.“ Stattdessen verlege man Ersatzmaßnahmen zur Renaturierung an externe Standorte, hier an den Ithhang bei Harderode, was der Kreuzkröte im Ithkopfpark aber nicht wirklich weiterhelfe. Bliebe am Schluss noch eine Frage: Warum werde der beim Ortstermin im März vorgelegte Plan zur Ausweisung eines Schutzbereichs, der im März zu einem einvernehmlich begrüßten Agreement aller Beteiligten geführt hatte, nicht offengelegt? Der hatte die vom Nabu angemahnte Bodenmodellierung mit klassischen Naturschutzflächen, Gehölzzonen, Feuchtflächen und Arealen für die im Bestand gefährdete Kreuzkröte vorgesehen. Darauf gibt es an diesem Abend keine Antwort. Der aktuell vorliegende Plan werde allen gesetzlichen Auflagen zum Natur- und Umweltschutz gerecht, versichert Planer Andreas Bergmann. Man solle nicht Naturschutz und Freizeitangebot für den Bürger gegeneinander ausspielen, gibt der Bauausschussvorsitzende Thorsten Kellner (CDU) zu bedenken. Die Kröte werde ihre Nische in dem großen Areal schon finden, meint Karin Dröge (CDU).

Die Kreuzkröte gehört zu den am stärksten gefährdeten Lurcharten Deutschlands. Ob sie am Ithkopf überleben kann, ist ungewiss. Foto: Nabu/Ricky Stankewitz


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