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„Ein Tropfen auf dem heißen Stein“

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung fehlen für eine kindgerechte Personalausstattung bei gleichzeitigem Kitaplatz-Ausbau bundesweit bis zum Jahr 2030 mehr als 230 000 Erzieherinnen und Erzieher. Es fehle an Fachkräften und an Ausbildungskapazitäten, heißt es.

veröffentlicht am 10.10.2021 um 10:00 Uhr
aktualisiert am 15.10.2021 um 21:40 Uhr

Stolte Christiane

Autor

Reporterin

Rufe nach besseren Rahmenbedingungen, mehr Wertschätzung und höherer Bezahlung haben bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Bei immer geringer werdendem Fachpersonal werde die Gruppenstärke immer größer, was sich auf die Qualität der Betreuung auswirken könnte, wird in der Studie argumentiert.


COPPENBRÜGGE. Um den Fachkraft-Kind-Schlüssel zu verbessern, wird von Erzieherinnen, Erziehern und Eltern dringend eine dritte Kraft für die Kindergartengruppen gefordert – und zwar so bald wie möglich und nicht erst schrittweise in den kommenden Jahren, wie vom niedersächsischen Landtag beschlossen wurde. Erfüllt die kürzlich in Kraft getretene Novellierung des fast 30 Jahre alten niedersächsischen Gesetzes über Kindertagesstätten und Kindertagespflege die Forderung? Ein klares „Nein“ war in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Schulen, Kindertagesstätten, Jugend und Sport von den drei Leiterinnen der Kindertagesstätten Coppenbrügge sowie Bisperode zu vernehmen.

„Bislang sind wir immer vertröstet worden und nun wurde im neuen Kita-Gesetz lediglich für eine Ganztagsgruppe eine dritte Kraft ab 2023 in Aussicht gestellt. Das ist für uns langjährige Mitarbeiterinnen lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein und zeigt einmal mehr, dass uns die Politik nicht versteht“, fasst Anke Schnüll, die Leiterin des evangelischen Kindergartens und Krippe Peter und Paul in Bisperode, auf Anfrage der Dewezet zusammen. Andrea Schreiber ergänzt: „Die wissenschaftlich bewiesene Notwendigkeit wurde ignoriert“, betont die Leiterin des St.-Nicolai-Kindergartens in Coppenbrügge an der Schlossstraße. Die Kitas leiden unter dem Fachkräftemangel. Leider werde dem nichts entgegengesetzt: Keine bessere Bezahlung, keine Ausbildungsvergütung. Darüber hinaus seien immer mehr Zeitarbeitsfirmen im Einsatz. Trotz stetig steigender Anforderung an das Personal, beispielsweise bedingt durch eine immer intensiver werdende Ausbildungsbegleitung, sei eine Erhöhung der Verfügungszeiten abgelehnt worden. Die von ihr genannten Gründe seien lediglich eine kleine Auswahl. „Die Liste könnte um vieles mehr weitergeführt werden“, betont Andrea Schreiber.

Andrea Burkert könne die Aussagen ihrer Kolleginnen nur unterstreichen. „Einer guten qualifizierten Betreuung müsse ein gutes Fundament an Fachpersonal und Stunden zur Verfügung stehen“, appelliert die Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Coppenbrügge an der Niederstraße. Zeitlich begrenzte Modelle oder Projekte – beispielsweise Sprachkita, Stunden für die Integration von Kindern anderer Herkunftsländer – seien kein Fundament, sondern schließen immer nur Lücken. „Familien brauchen heute auf vielen Ebenen Begleitung und Unterstützung, das wird bei dem engen Stundenkontingent einer Kita leider zu wenig bedacht“, bedauert Andrea Burkert. Fachpersonal könne nur durch eine Ausbildungsvergütung gewonnen werden.

Die Novellierung des Gesetzes sieht einen Stufenplan vor, um schrittweise mehr Kita-Personal einzustellen. Ab dem Kindergartenjahr 2023/24 sollen mindestens 2000 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Die Auszubildenden sollen pro Woche 15 Stunden in den Kindertagesstätten arbeiten. Ab dem Kindergartenjahr 2027/28 sollen Kita-Gruppen, in denen Kinder ganztags betreut werden, eine dritte Kraft mit 20 Wochenstunden finanziert bekommen, führte Gemeindemitarbeiter Jan Wiwiorra anhand einer Präsentation aus.



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