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Durchs historische Zentrum

Stadtteil-Rundgänge: „Tag des offenen Denkmals“ am 12. September neu gedacht

BODENWERDER. Neues Konzept, ein großer Kreis Mitwirkender und auch thematisch ein anderer Schwerpunkt als in den Vorjahren: Der bundesweit ausgerufene „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 12. September, kommt in der Weserstadt komplett überarbeitet daher.

veröffentlicht am 05.09.2021 um 08:00 Uhr

Sabine Weiße (saw)

Autor

Reporterin

„Im Mittelpunkt steht diesmal das historische Bodenwerder“, stellt Stadtheimatpflegerin Dr. Claudia Erler voran. Insbesondere die Bürgerinnen und Bürger seien zu den kostenlosen Stadtteil-Rundgängen eingeladen. „Uns liegt am Herzen, ein Angebot zur Identitätsstärkung mit dem Heimatort zu machen.“

Die historische Stadt, das sei – selbstverständlich – der einstige Gutshof derer von Münchhausen mit dem heutigen Rathaus und dem Museum als zentralen Gebäuden. In den Fokus rücken diesmal weitere geschichtsträchtige Gebäude: die vielfältig genutzte Gertrudis-Kapelle im Corvinusgang, die Kirche St. Nicolai, das 1654 als Pastorenhaus erbaute Pigge-Haus mit seiner wechselhaften Ge-schichte und das älteste Wohnhaus Bodenwerders an der Königsstraße. „Wir werden uns fokussieren auf die Orte der kleinstädtischen Verwaltung, der Schulen und der kirchlichen Institutionen.“

„Wir“ – dahinter verbirgt sich eine für dieses Vorhaben geschlossene Initiative von Stadtheimatpflege, dem Freundeskreis Münchhausen, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Nicolai, der Fairtrade-Town, der IdeenwerkStadt und der Münchhausenstadt Bodenwerder. „Mit gemeinsamen Aktionen wie dieser möchten wir eine stärkere Vernetzung der aktiven Gruppen innerhalb unserer städtischen Gemeinschaft erreichen“, so Dr. Claudia Erler.

3 Bilder
Der Corvinusgang zwischen Bastion und Gertrudis-Kapelle ist eine geschichtsträchtige Straße. Fotos: saw

Um 13 Uhr, 13.30 Uhr und 16.30 Uhr starten die Rundgänge vor dem Rathaus. 16 Stationen liegen an der Route: unter anderem die Freitreppe vor Münchhausens Geburtshaus, der Grenzstein im Park, der Brunnen mit dem halben Pferd, die stillgelegte Einkurbel-Verbund-Dampfmaschine der Garnspinnerei der Gebrüder Reese und ein außergewöhnlicher Grabstein („35 Schiffer brachten Reichtum“). Auf die Frage „Vogt oder Rat – Wer hat das Sagen?“ gibt es an der Schulenburg eine Antwort. Weitere Punkte sind das neue Pfarrhaus, die Gertrudis-Kapelle („Die komplette Stadtgeschichte in nur einem Gebäude“), Kirche und Friedhof. Alle Stationen des Rund-gangs werden markiert sein, ein Flyer sorgt zusätzlich für Orientierung und kann jene leiten, die lieber allein den historischen Stadtteil erkunden möchten. Zusätzlich zu den Stadtteil-Rundgängen werden mehrere Aktionen oder Veranstaltungen besondere Akzente setzen.

Folgende Punkte in der Stadt können besichtigt werden:

Mit einer Kaffeetafel, einer Ansprache und der Übergabe eines bronzegegossenen Degens feiert der Freundeskreis Münchhausen in der Zeit von 14 bis 17 Uhr unter den alten Bäumen des Gutshofes sein 20-jähriges Bestehen. Als Vorsitzender des Münchhausen-Freundeskreises versteht es Helmut Kühn, höchst unterhaltsam zu parlieren. Als Münchhausen-Darsteller gibt sich Joachim Merker die Ehre, die Lennetaler Blasmusik wird musizieren.


Der untere, älteste Teil der Gertrudis-Kapelle wird von 13 bis 17 Uhr zugänglich sein. Die 1410 geweihte Kapelle war nicht als Gotteshaus für die Stadt, sondern für das Heilig-Geist-Hospital erbaut worden. Die „Fairtrade-Gruppe“ schenkt Wein und Säfte aus fairem Handel aus.


An den letzten Bewohner des geschichtsträchtigen Gebäudes, das sogar eine Zeitlang als Gefängnis diente, erinnert die IdeenwerkStadt. Bis 2016 wohnte und wirkte hier unter einfachsten Bedingun-gen Freddy Göbbels. Das Pflastermaler-Festival hatte ihn vor Jahrzehnten in die Münchhausenstadt gelockt, an zahlreichen Fassaden halten seine farbenfrohen Gemälde die Erinnerung an ihn wach. Im oberen Bereich der Gertrudis-Kapelle hatte er die „Galerie Corvinus“ eingerichtet. Als Hommage an Freddy Göbbels und Hinweis auf eine später geplante Ausstellung seines Werkes werden einige seiner Bilder im Corvinusgang zu sehen sein.


Aus Anlass des 550-jährigen Jubiläums der ältesten Glocke im Turm von St. Nicolai lädt Maike Alida Weiß zur Glockenführung ein. Um 13, 14, 15 und 16 Uhr geht es los, maximal fünf Personen pro Führung dürfen hinauf. Anmeldung unter 05533/409-147.


Charakteristisches Merkmal des ältesten Wohnhauses in Bodenwerder ist der Spitzbogen über dem Türeingang, auch Eselsrücken genannt. Helga und Manfred Neuhaus öffnen anlässlich des „Tages des offenen Denkmals“ von 14 bis 16.30 Uhr die Tür ihres im Jahre 1484 als Durchgangsdielenhaus errichteten Fachwerkhauses an der Königsstraße 1.


Das historische Treppenhaus des Rathauses kann von 13 bis 16.30 Uhr besichtigt werden. Zu sehen sind auch einige historische Möbel und die Porträts von Münchhausen und Jakobine von Dunte.


In der „Schulenburg“ freut sich das Team des Münchhausen-Museums von 13 bis 17 Uhr auf Gäste. Der Eintritt ist frei. Zu sehen ist auch die Sonderausstellung „Fantasie lügt nie“. Ende Oktober werden die filigranen Exponate aus den Vitrinen genommen und reisefertig für die nächste Präsentation in Meißen gemacht.



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