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Claptonmania spielen zum „Flying Dinner“

Musiker konkurrieren mit Menü

BODENWERDER. Gegen ein Menü der Extraklasse mussten die Musiker von Claptonmania anspielen. Sie boten einen Querschnitt durch die breite musikalische Vielfalt des legendären britischen Gitarristen mit starken Momenten. Viele Gäste konzentrierten sich aber eher auf das „Flying Dinner“.

veröffentlicht am 27.09.2021 um 09:00 Uhr

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Ein Konzert der etwas anderen Art gab es am Samstag in Bodenwerder zu erleben. Gastgeberin Karin Kehne hatte in ihr liebevoll eingerichtetes, frisch renoviertes Fachwerkhaus geladen. Dort, wo sich ihr Modeatelier befindet, soll künftig auch ein Treffpunkt für Kulturveranstaltungen jeglicher Art entstehen. Den Anfang machte Tom Freitag, Mastermind der Band „Claptonmania“, der mit Unterstützung von Jan Beukenberg den Songs von Gitarrenlegende Eric Clapton huldigte.

Die beiden Virtuosen auf den verschiedensten Gitarren liefern einen Querschnitt durch die breite musikalische Vielfalt des legendären britischen Gitarristen.

Freitag erzählt zwischendurch einige Anekdoten aus Claptons Leben, die – vollmundig als Geschichten und Hintergrundstories angekündigt – allerdings bei vielen der knapp vierzig Gästen auf relatives Desinteresse stoßen. Denn gleichzeitig serviert Gaby Schwarz ein sogenanntes „Flying Dinner“ der Extraklasse.

Die Gastronomin hat mit ihrem Lebensgefährten Oliver Ahlborn im Jahr 2018 das Restaurant „Alte Post“ in Esperde übernommen und ist mittlerweile mit ihrem „Leine-Weser-Food“ zu einer festen Größe im Cateringgeschäft geworden. Eine Menüfolge, bestehend aus zehn leckeren Komponenten, fordert einen Großteil der Aufmerksamkeit der Gäste. So entsteht eine teilweise skurrile Situation, wenn einige speisende (und redende) Gäste mit dem Rücken zu den Musikern sitzen, die sich in einer Ecke vor dem riesigen alten Kaminofen verausgaben. Die Protagonisten geben sich alle Mühe, mit Bottlenecktechnik, Mundharmonika und präzisem Spiel bei Stücken wie „I shot the sheriff“, „Lay down Sally“, „Wonderful tonight“ und „Change the world“ gegen die Unterhaltungen des geneigten Auditoriums anzuspielen.

Sie singen „Down and out“ – bist du ganz unten, hast du keine Freunde mehr. Solche Phasen hatte Eric Clapton häufig. Drogensucht, Depressionen, der tragische Tod seines Sohnes Connor – all das ist auch hier den Zuhörern bekannt. Und Freitag erzählt mit leiser, nicht sehr nachhaltiger Sprechstimme genau das. Starke Momente entstehen immer dann, wenn Beukenhagen mit Chorgesang und inspirierter Begleitgitarre den Gesang von Freitag unterstützt. Der ist teilweise sehr nah am Original, jedoch ab und zu mit den komplizierten Melodieführungen und der „Range“, also der stimmlichen Spannweite seines Vorbildes, etwas überfordert. Was bleibt, ist ein Sessioncharakter, der sich von der sterilen Perfektion so manch anderen Auftritts abhebt.

Die anfängliche Verwirrung der Gäste, geschuldet der etwas planlosen Einlasssituation, weicht während der Veranstaltung einem kollektiven Wohlfühlfaktor. Zu schön ist das Ambiente im Haus und im Garten an der Hamelner Straße, zu wohlschmeckend sind die kulinarischen Köstlichkeiten und zu nett die Bedienenden, als dass alle Gäste nicht zufrieden bis zum Ende bleiben. Die drei Komponenten der Veranstaltung – schönes Ambiente, ambitionierte Musiker, perfektes Essen – ergeben ein noch nicht ganz rundes Bild, das aber durchaus Lust auf Optimierung macht.


Am Samstag, 9. Oktober, spielt Tom Freitag mit Claptomania bei der Hamelner Blues-Rock-Nacht in der Traumfabrikm LaLu im Hamelner HefeHof. Karten an den bekannten Vorverkaufsstellen.



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