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Ruhe vor lärmenden Motoren

Liegestuhl statt Motorradlärm: Landesstraße 580 drei Stunden für „Stille Demonstration“ gesperrt

RÜHLE. Zur Ruhe vor lärmenden Motoren hatte der Verein Motorradlärm Weserbergland e. V. am Sonntag aufgerufen. Die etwas andere Art der Demonstration, nämlich mit Liegestuhl, Buch und Kaltgetränk, hatte zirka zwei Dutzend Demonstranten gegen Motorradlärm in die Rühler Schweiz gelockt. Dazu war die Landesstraße 580 von 12 bis 15 Uhr vor und hinter der Rühler Schweiz voll gesperrt worden.

veröffentlicht am 03.08.2021 um 06:00 Uhr

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Reporter

Und da der sich über eine Länge von 60 Metern ausgewiesene „Demonstrationsraum“ für den Fahrzeugverkehr nicht passierbar war, wurde dies auch seitens der Polizei kontrolliert. „Aus Sicht der Polizei eine kleine, ruhige und friedliche Demonstration“, das kann deshalb auch Bodenwerders Polizeichef, Polizeihauptkommissar Dirk Schwarz, bestätigen. Schwarz ist selbst Motorradfahrer und kann sich deshalb nicht nur in die vom Lärm genervten Anwohner, sondern auch in die Motorradfahrer hineinversetzen. „Leider werden auf diesem Weg die eigentlichen Verursacher, um die es geht, vermutlich nicht erreicht.“

Während also in der ganzen Bundesrepublik an diesem 1. August die Motorrad-Communitys zu Demonstrationen gegen die Diskriminierung der Motorradfahrer aufgerufen hatte, herrschte in der Rühler Schweiz – wenn auch nur für wenige Stunden – einmal Ruhe vor.

Die Demonstranten wollten auf ihre Weise mit einer „Stillen Demo“ auf den für die Anwohner unerträglichen Lärm durch gerade am Wochenende im Sekundentakt durch Rühle, Golmbach und Lütgenade fahrende und häufig zu lauten Motorräder aufmerksam machen.

Schnell Gefühle aufgemalt. Foto: bor

Grund genug auch für ein Fernsehteam vom Norddeutschen Rundfunk, das diese „friedliche Demo der Stille“ zum Anlass für einen TV-Bericht nahm. Da auch der Präsident der Holzmindener Motorradfreunde, Frank Nerger, mit seiner 1962 gebauten NSU „Max“ mit Beiwagen zu der Demonstration erschienen war, entstanden schnell Diskussionen zwischen dem Biker und Veranstaltern. Auf die Frage von TV-Redakteurin Nina Reckemeyer, ob man nicht eine Schnittstelle finden könne, stellte sich heraus, dass man gar nicht so weit voneinander entfernt ist.

Während der Vorsitzende des Vereins Motorradlärm Weserbergland das Tiroler Modell (Lautstärke bis 95 dB) favorisiert, könnte sich Frank Nerger auch ein „Holzmindener Modell“ vorstellen. Wie dieses Modell konkret aussehen könne, blieb aber noch offen. Auch die angekündigte Gegendemonstration von einigen hundert Motorradfahrern erfolgte an diesem Sonntag nicht. Da war das Einzelgespräch mit dem Präsidenten der Motorradfreunde Holzminden und den Organisatoren der Demo sicherlich als viel wertvoller und effektiver anzusehen.

„Das Wichtigste ist, dass Rücksicht aufeinander genommen wird“, meinte die Samtgemeindedirektorin von Bodenwerder-Polle, Tanya Warnecke. Zusammen mit Bodenwerders Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Schmidt (selbst Rühler Anwohner) machte sie sich ein Bild über die Demonstration. Schmidt sieht aber als eigentlichen Verursacher die Industrie. Diese müsse von der Politik aufgefordert werden, die Dezibel-Zahlen für Motorräder herunterzuregeln.



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