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Kunstwerke in Holz: Holzschnitzer aus Rühle arbeitet an einer großer Krippe

RÜHLE. Der geschnitzte Pilz vor der Haustür ist das erste Indiz: Hier wohnt jemand mit einem Faible für Holz. Es öffnet Wolfgang Menzel, Holzbildhauer aus Leidenschaft. Ein großer, in Blau gestrichener Holzschrank mit traditioneller Bauernmalerei und die kleine Holzkrippe gegenüber ziehen im Flur die Blicke auf sich.

veröffentlicht am 12.12.2021 um 16:00 Uhr
aktualisiert am 13.12.2021 um 09:28 Uhr

12. Dezember 2021 16:00 Uhr

Sabine Weiße (saw)
Reporterin

RÜHLE. Der geschnitzte Pilz vor der Haustür ist das erste Indiz: Hier wohnt jemand mit einem Faible für Holz. Es öffnet Wolfgang Menzel, Holzbildhauer aus Leidenschaft. Ein großer, in Blau gestrichener Holzschrank mit traditioneller Bauernmalerei und die kleine Holzkrippe gegenüber ziehen im Flur die Blicke auf sich.

Unser Weg treppauf wird flankiert von Wurzelmännchen, geschnitzten Blumenreliefs, einem aus dunklem Holz gearbeitetem Nachtwächter und einer Pilzfamilie. Wohin man auch schaut: Überall finden sich Spuren von Menzels Handwerkskunst.

Mit Schwung öffnet der Hausherr eine Zimmertür – und wir stehen in seiner Holzwerkstatt. „Herzlich willkommen. Hier arbeite ich an meinem aktuellen Projekt: einer großen Krippe“, erklärt der 73-Jährige gut gelaunt. Auf einer großen Platte gruppieren sich ein Gemäuer mit Torbogen, Maria und Josef, Tannen, Hirten, Schafe und ein Brunnen zur vorweihnachtlichen Szene beeindruckenden Ausmaßes.

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An der Werkbank gleich nebenan ist ein kleiner Schraubstock montiert, liegen Geißfuß, Kerbschnitzmesser, gerades Balleisen und Hohlbohrer akkurat in einer Reihe. Wolfgang Menzel holt den Esel aus der Krippenszene, greift zum Schnitzmesser und beginnt mit den Feinarbeiten. „Seit drei Jahren arbeite ich in der Weihnachtszeit – also sechs Wochen vor und sechs Wochen nach dem Fest – an dieser Krippe.“ Als Inspiration und Vorlage dient dem ehemaligen Verwaltungsmitarbeiter von Stadt und Samtgemeinde eine nostalgische Krippe aus Pappe, bunt bedruckt und mit einem bisschen Glitzer dekoriert. In einem geschwungenen Band ist „Gloria in Excelsis Deo“ zu lesen. „Als ich ein kleiner Junge war, wurde diese Krippe unter den Baum gestellt. Dazu gab es ein paar Sachen zum Anziehen, einen süßen Teller und ein gutes Essen – das war’s.“

Mit geschickten Händen modelliert Wolfgang Menzel die Feinarbeiten an einer Eselsfigur. Foto: saw

Bevorzugt bearbeitet Wolfgang Menzel gut abgelagertes Holz der Weymouthskiefer („wächst auch bei uns im Vogler“), von Linde und Ahorn. „Als ich vor drei Jahren mit der Krippe loslegte, habe ich erst einmal mit der Säge das Portal herausgearbeitet und die Steine modelliert.“ Tannen und Steine waren seine ersten Objekte, „Figuren schnitzen konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht“, verrät er. Als Autodidakt liest er Fachbücher und holt sich Praxistipps bei YouTube.

„Wie man Gesichter schnitzt, habe ich in einem Online-Tutorial gelernt.“ Schäfer, Esel, Schafe und Mauerwerk aller Art gelingen gut, Maria und Josef stehen derzeit „zugekauft“ in der Krippenszene. „Es soll ja gut aussehen“, sagt Wolfgang Menzel. „Aber an die beiden wage ich mich auch noch heran.“ Es sei immer noch ein Traum von ihm, in Süddeutschland bei einem Holzschnitzmeister einen Kurs zu besuchen.

Im Süddeutschen, weil dort dieses traditionsreiche Handwerk noch praktiziert wird. Und weil dort vor 35 Jahren ein Zimmermann seine Liebe zur Holzschnitzkunst weckte. Wolfgang Menzel erinnert sich gern: „Auf einer Urlaubsfahrt nach Südtirol legten wir einen dreitägigen Zwischenstopp in unserem geliebten bayerischen Wallgau ein. Ich wich einem Zimmermann im Ruhestand, der eine Holztruhe schnitzte, nicht mehr von der Seite.“

Der Fachmann ließ ihn an der Truhe mitarbeiten, gab wertvolle Tipps und eine Adresse, wo es das beste Werkzeug gibt. „Der Urlaub wurde zur Nebensache und die handgeschnitzte Truhe konnte ich, nach einigen Überredungskünsten, käuflich erwerben. Ich freue mich noch heute darüber“, so Menzel. Diese Begegnung sei der Startschuss in ein schönes Hobby gewesen.

Im Laufe der Jahre hat Wolfgang Menzel allerlei Exponate geschaffen: Reliefs vom historischen Ortskern in Linse, vom Herzog-Wilhelm-Denkmal in Rühle, auch ein Porträt von Baron von Münchhausen. Vor 25 Jahren wagte er sich an seine erste Krippe, die er immer wieder veränderte und zur Einweihung der Tischlerei Niemeyer öffentlich zeigte. Einen Auftrag erhielt er 2002 von den Inhabern einer größeren Pension in Warnemünde, die als Nachfahren des Strandkorb-Erfinders Wilhelm Bartelmann zum Jubiläum „120 Jahre Strandkorb“ eine große Reliefarbeit anfertigen ließen.

Im Ostseebad Kühlungsborn zeigte der Rühler seine Holzschnitzkunst, natürlich auch auf dem Kirschblütenfest an der Weser. Bei einem Wettbewerb einer großen Baumarkt-Handelskette überzeugten seine Exponate, wurden im Frühjahr 2002 das Vogelnest mit Eulen und das Relief „Rebstock mit Weinberg in Rühle“ im bundesweit vertriebenen Kundenmagazin in Wort und Bild vorgestellt. „In der Folge erhielt ich einige Anrufe und Anfragen, ob ich Interesse an Auftragsarbeiten hätte.“ Hat Wolfgang Menzel nicht. „Es ist ein Hobby und das soll es auch bleiben.“

Sein schönes Hobby hätte der Rühler Holzschnitzkünstler gern während der Adventszeit im Museum der Münchhausenstadt Bodenwerder präsentiert. Ein Virus macht ihm und Museumsleiterin Dr. Claudia Erler nun einen Strich durch diesen Plan. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, erklärt die Museumsleiterin. Und Wolfgang Menzel stellt sich in seiner Holzwerkstatt wieder an die Werkbank. Schließlich möchte er die Krippe noch um etliche Figuren erweitern. Sechs Wochen nach Weihnachten ist dann wieder Schluss. „Man muss für so ein Projekt in der richtigen Stimmung sein. In Weihnachtsstimmung.“



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