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Heute Landherberge, morgen Big Apple

Künstler aus New York zeigt Gemälde aus Ottenstein

OTTENSTEIN/BODENWERDER. In der Landherberge, einem gemütlichen Hotel in der Ottensteiner Hochebene, hängt seit einigen Wochen ein Kunstwerk namens „Waldgeflüster“, angefertigt nach den Vorstellungen der Inhaberin Andrea Schubert. Ein Performance-Künstler aus New York ist darauf aufmerksam geworden und präsentiert es dort in einer Streaming-Veranstaltung.

veröffentlicht am 24.11.2021 um 15:30 Uhr
aktualisiert am 24.11.2021 um 20:50 Uhr

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Sie sind vor anderthalb Jahren aus Augsburg ins Weserbergland gezogen: der IT-Spezialist Florian Schubert, seine Frau Andrea und ihre drei Kinder. „Wir hatten nie geplant, die Landherberge zu übernehmen“, sagt Schubert, „das kam irgendwie so.“ Inzwischen hat die Familie hier ihr emotionales Zuhause gefunden.

Die Herberge ist behutsam renoviert worden, immer mehr Wanderer und Touristen finden den Weg in das gemütliche Hotel auf der Ottensteiner Hochebene. Im Jagdzimmer, einer der Gaststuben in der Herberge, hängt seit knapp vier Wochen ein Kunstwerk: „Wir wollten etwas Einzigartiges, etwas, das genau unserer Vorstellung der Atmosphäre entspricht, die wir uns hier wünschen“, sagt Andrea Schubert. „Waldgeflüster“ hat das Ehepaar bei der Bodenwerderanerin Christine Eickert nach seinen Vorstellungen in Auftrag gegeben.

Auf zwei Quadratmetern tummeln sich ein Fuchs, ein Hirsch, ein Wildschwein, eine Ente, ein Uhu, ein Springbock und ein Adler. Die Tiere blicken den Betrachter aufmerksam an. Das Waldgeflüster macht sich prachtvoll an der alten Holzwand, inspiriert die Gäste zu Gesprächen, über den Wald, die Kunst, das Weserbergland – kurz, es hat sich gelohnt, das Bild anzuschaffen.

Am Sonntag allerdings wechselt das Acrylgemälde die Umgebung: Es wird in der Stadt, die niemals schläft, zu betrachten sein. Der amerikanische Pianist und Performance-Künstler Margin Alexander hat Bilder von Eickert auf der Social-Media-Plattform Instagram gesehen und er hat ihr vor erst einer Woche geschrieben: „Liebe Christine, Ihre Bilder rufen so viel Musik in mir hervor. Ich möchte Sie bei meinem nächsten Event dabei haben.“

Das „Event“ hat das Format einer „Musikausstellung“. Für das Klavierkonzert hat Margin Alexander die Werke von einem Dutzend verschiedener bildender Künstler ausgewählt, die ihn zu Kompositionen inspiriert haben. Alexander reagiert auf Formen, Farben und visuelle Effekte.

In einer Art von Synästhesie nimmt er beim Betrachten Musik, Klangfarben, Geräusche und andere akustische Signale wahr. Bei seiner Veranstaltung im Alexander Hamilton U.S. Custom House wird der Komponist zwölf Stücke spielen und erzählen, wie er zu den einzelnen Werken inspiriert wurde.

Darüber hinaus werden die Künstler vorgestellt, die die Bilder geschaffen haben. Zusätzlich werden die Kunstwerke live auf eine Leinwand an der berühmten Pulitzer Fontäne im Central Park projiziert und an einem weiteren Standort in Manhattan auf Staffeleien ausgestellt.

„Man kriegt häufig unseriöse Anfragen“, sagt Eickert, „ich hab‘ den Künstler erst mal gegoogelt.“ Was sie in der Suchmaschine über ihn fand, hat ihr gefallen, und sie hat zugesagt. Und dann musste alles ganz schnell gehen: Der Manager von Alexander rief sie an und schickte ihr detaillierte Anweisungen. Die logistischen Herausforderungen waren enorm, obwohl das Originalbild gar nicht nach Amerika geschickt werden musste. Denn nachdem das Kunstwerk am Mittwoch bei dem Fotografen Thomas Göbert in Bodenwerder angekommen war, hat der Spezialist dafür gesorgt, dass es – was bei dieser Größe einiges an technischem Know-how erfordert – digitalisiert wurde. So konnte es in dieser Form nach New York gelangen – ohne wirklich gegenständlich in New York zu sein.

Das Konzert beginnt um 19 Uhr Ortszeit – hier ist es dann ein Uhr nachts. Allein die Teilnahme an der Streaming-Veranstaltung kostet 80 US-Dollar (zirka 71 Euro). Aber die Schuberts haben einen Link bekommen, und Florian lässt es sich natürlich nicht nehmen, „sein“ Bild in New York zu bewundern. Deswegen wird die Landherberge am Sonntag zu einer ungewöhnlichen Zeit geöffnet sein: Um ein Uhr nachts gibt es im Jagdzimmer die Live-Übertragung des Events mit Fingerfood und Feuerzangenbowle. Und mit doppeltem Waldgeflüster …



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