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Viel Jubel für „Mischpoke“

Furiose Fusionen

BUCHHAGEN. Es ist ein großes Spielfeld, das sich „Mischpoke“ da ausgesucht hat. Klezmer verbindet Klassik-, Jazz- und Weltmusikelemente mit den traditionellen Instrumenten und Melodien der jiddischen Musik.


veröffentlicht am 07.11.2021 um 11:00 Uhr

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Der Begriff „Mischpoke“ stammt aus dem Jiddischen und hat zwei Bedeutungen: Erstens ist damit eine Gruppe unangenehmer Leute gemeint, zweitens ist es die Bezeichnung für „Familie und Freunde.“ Freitagabend gastierte die Hamburger Formation gleichen Namens in der Kulturmühle, und 50 Besucher waren sich am Ende einig: Die Band gehört definitiv in die zweite Kategorie

Seit mehr als zwanzig Jahren spielen sie zusammen diese Stilrichtung: Sängerin und Klarinettistin Magdalena Abrams, Cornelia Gottesleben mit der Geige, Maria Rothfuchs am Kontrabass und Gitarrist Frank Naruga. In der Kulturmühle wurden die studierten Instrumentalisten unterstützt von Pianistin Doro Gehr. Und sie nahmen ihr Publikum mit auf eine Reise durch die Höhen und Tiefen der Musik – und des Lebens.

„Klezmer, das ist Freiheit für mich“, sagt Cornelia Gottesleben, „es vereint irgendwie alles.“ Es ist beim ersten Hören keine eingängige Musik; viele verschiedene Taktarten, rasante Tempiwechsel innerhalb eines Stückes, schwierige Melodieführungen. Aber das alles wächst bei Mischpoke zu einem harmonischen und sehr unterhaltsamen Ganzen zusammen. Gleich im ersten Stück, „Sammys Freilakh“, zitieren sie spanischen Flamenco und französische Chansons und erzeugen damit eine ganz eigene Stimmung. Abrams lässt ihre Klarinette schluchzen, klagen und kichern, mal im zweistimmigen Dialog mit der Geige, mal kontrapunktisch gegen den Rest des Ensembles.

Wie so oft an diesem Ort lässt sich das Publikum ein auf die Musik, auf die ungewöhnlichen Kompositionen. Die Klarinette ist das wichtigste traditionelle Klezmer-Instrument, sie gibt häufig ein Thema vor, auf das die Mitspieler improvisieren. „Wir müssen uns ja an keine Vorgaben halten“, sagt Naruga, „letztlich ist erlaubt, was uns gefällt.“ „Tsvayg“ oder „Bay mayn rebn“ heißen die Lieder, und Abrams hat viel zu erklären und zu vermitteln. Sie konzentriert sich auf ihre Texte, und vieles kann man verstehen, ohne des Jiddischen mächtig zu sein. Dann spielen sie „Terk“, Naruga spielt die Tsimbl, ein weiterer traditioneller Bestandteil jiddischer Musik, und es erklingen plötzlich türkische Töne – die sich sehr selbstverständlich in die Komposition einfügen. Auch diese Fusion macht einfach Spaß, anzuhören. Am Ende gibt es viel Applaus von den aufmerksamen Zuhörern für ein tolles Konzert.


2021 ist das Jahr der jüdischen Kultur in Deutschland. Ruth Emanuel hat das zum Anlass genommen, einen weiteren jüdischen Künstler einzuladen. Am 27. November ist Jean Goldenbaum zu Gast. Dessen Programm heißt erstaunlicherweise „Alles außer Klezmer“. Man darf gespannt sein …



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