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Erinnerungen an die Münchhausen-Preisverleihung 2005

Als Biolek in Bodenwerder ins Schwärmen geriet

BODENWERDER. „Wunderbar, ein sehr schöner Abend“, schwärmte Prof. Dr. Alfred Biolek und lobte die Münchhausen-Preisverleihung in den höchsten Tönen. 2000 Besucher feierten im Gasthaus Mittendorf in Buchhagen euphorisch Münchhausen-Preisträger Rudi Carrell und seinen kongenialen Laudator Alfred Biolek.

veröffentlicht am 23.07.2021 um 20:00 Uhr

Matthias Aschmann

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Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Das war am 7. Mai 2005. Rudi Carrell verstarb am 7. Juli 2006, jetzt trauert die Münchhausenstadt um Bio, wie ihn nicht nur enge Weggefährten liebevoll nannten. Der TV-Entertainer starb am Freitag im Alter von 87 Jahren.

Keine Frage: Rudi Carrell und Alfred Biolek waren zwei TV-Legenden, die es mühelos verstanden, einen Saal zum Kochen zu bringen. 2000 Besucher – so viele wie noch nie zuvor und auch nachher nicht mehr – hatten für eine fantastische Kulisse gesorgt. Der Parkplatz vor dem Gasthaus Mittendorf quoll über, die Pkw parkten in schier endloser Schlange bis nach Bodenwerder. Biolek zeigte sich im Gespräch mit der Dewezet an diesem 7. Mai 2005 bei einem Glas Wein – natürlich – sichtlich überrascht von der „tollen Atmosphäre“ in Buchhagen und von der „hervorragenden Betreuung“ durch die Stiftung Sparkasse Bodenwerder als Veranstalter.

Helmut Raabe als damaliger Vorstandsvorsitzender der Stiftung hatte dem Laudator sogar einen seiner Lieblingsweine – einen Riesling aus dem Rheingau (Prinz von Hessen) – kredenzt, was ihn nach eigenen Worten „schwer beeindruckte“. Beim Wein war Biolek bekanntlich pingelig. Wenn er ins Restaurant ging, berichtete man, nahm er meistens sogar seinen eigenen Wein mit – auch wenn er zuletzt gar keinen Alkohol mehr trank.

Kurzweilig, amüsant und gespickt mit Anekdoten hatte „Alfredissimo“ seinen Weggefährten gewürdigt, mit dem er übrigens gemeinsam die große Samstagabendshow „Am laufenden Band“ entwickelt hatte. „Uns verbindet ein altes Band“, rief er folgerichtig Rudi Carrell zu, ein laufendes Band. Den Preisträger würdigte Biolek als einen Showmaster, der die Show und nicht den Master in den Mittelpunkt stelle. Ganz besonders schätze er Carrells Selbstironie. Er sei seiner Zeit immer voraus gewesen, sei überaus diszipliniert, zielstrebig und fleißig, ein Workaholic mit immer wieder genialen Einfällen.

Münchhausen und Rudi Carrell verbinde so vieles. Auch Münchhausen habe viele Kämpfe überstanden, habe die Menschen bestens unterhalten mit seinen unglaublichen Ideen, seiner unerschöpfliche Fantasie und seinem einzigartigen Humor. „Rudi, Du hast den Münchhausen-Preis verdient“, schloss der Laudator unter tosendem Beifall.

Der so gepriesene genoss den Moment, um schließlich nach der Preisübergabe selbst einen fulminanten und umjubelten Auftritt hinzulegen. Zum Lohn gab es Standing Ovations.

Zwei derart hochkarätige Stars der deutschen Fernsehunterhaltung hatten auch zahlreiche Medienvertreter angelockt. Kamerateams und Blitzlichtgewitter begleiteten die beiden TV-Urgesteine durch den Abend, die es sich auch nicht nehmen ließen, im Anschluss geduldig Autogramme zu schreiben.

Während Rudi Carrell danach mit wehenden Rockschößen gen Heimat düste (seine Frau hatte Geburtstag), genoss Biolek noch den weiteren Abend in Buchhagen, ein Abend, der als grandios in die Annalen des Münchhausen-Preises eingegangen ist. Jetzt bleiben die Erinnerungen, Erinnerungen an zwei fantastische Unterhaltungskünstler, die Bodenwerder die Ehre gegeben haben.



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