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Romansky: Auflagen scheinen zu hoch

Zweites Pyrmonter Hotel zu – wegen Brandschutz

BAD PYRMONT. Seit einem Jahr regiert nicht nur bei Hoteliers in der Kurstadt die Angst vor der Kurkrise 2.0, ausgelöst von überzogen scheinenden Brandschutzauflagen für alte Häuser. So bedrohen Vorgaben, deren Erfüllung Menschenleben retten sollen, die Existenzen der Betreiber. Jetzt macht das zweite Hotel dicht.

veröffentlicht am 18.07.2018 um 00:01 Uhr
aktualisiert am 18.07.2018 um 12:02 Uhr

„Natürlich muss funktionierender Brandschutz sein“, sagt Horst Romansky. „Hotelgäste haben einen Anspruch darauf.“ Allerdings erscheinen ihm manche Forderungen der Bauaufsicht überzogen. Der 79-Jährige will sich damit nicht abfinden. „Wir sind doch K
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das erste Opfer war bekanntlich das „Hotel zur Krone“. 1774 hatte hier schon Goethes Vertraute Charlotte von Stein logiert, und auch zwei Weltkriege überstand der historische Bau. Nicht aber die Folgen einer Brandverhütungsschau im Juli 2017. All die daraus resultierenden Forderungen der behördlichen Prüfer zu erfüllen, wäre weder für die evangelische Kirche als Gebäudeeigentümerin noch für die Pächterin bezahlbar gewesen.

Jetzt trifft es das nächste Haus: Karla Romansky nimmt ihr „Hotel Villa Fürst von Waldeck“ an der Schlossstraße vom Netz. Damit reagiert sie auf die Vorgaben, die Bad Pyrmonts Baudezernent Matthäus Schmidt ihr zwei Tage nach seinem Besuch im Gebäude schriftlich gegeben hat.

Zu den „Brandlasten“, die Schmidts Brief zufolge „unverzüglich“aus dem Treppenhaus und den Fluren zu entfernen sind, gehören laut Romansky nicht nur einige schwere Möbel wie etwa ein altes Büfett. „Auch der Treppenlift soll demontiert werden“, sagt Horst Romansky. „Er behindert angeblich den ersten Rettungsweg, das Treppenhaus.“ Doch der 79 Jahre alte Ex-Mann der Betreiberin, der sich nach dem plötzlichen Herztod ihres neuen Gatten wenige Wochen nach der Hochzeit nun um die Angelegenheiten der 62-Jährigen kümmert, setzt hinzu: „Nur über meine Leiche!“

Ein Blick ins Treppenhaus der 132 Jahre alten „Villa Fürst von Waldeck“, in der schon seit Längerem nur noch wenige Dauergäste leben. Zur Forderung der Bauaufsicht nach einer Demontage des Treppenlifts sagt Horst Romansky: „Nur über meine Leiche!“. F
  • Ein Blick ins Treppenhaus der 132 Jahre alten „Villa Fürst von Waldeck“, in der schon seit Längerem nur noch wenige Dauergäste leben. Zur Forderung der Bauaufsicht nach einer Demontage des Treppenlifts sagt Horst Romansky: „Nur über meine Leiche!“. Foto: jl

In der „Villa Fürst von Waldeck“ von 1886 logieren laut Romansky derzeit zwar nur noch eine gute Handvoll Dauergäste. Aber einige von denen bräuchten eben den Treppenlift. Den abzubauen sei deshalb völlig unmöglich.

Die Zahl der Gäste sei übrigens gesunken, weil man deutlich weniger Geld für Werbung habe ausgeben können. Als Grund dafür nennt Romansky bereits getätigte Brandschutzinvestitionen in zwei andere Häuser seiner Exfrau. „In das Hotel ,Villa Königin Luise’ haben wir bisher 25 000 Euro reingesteckt, und es kommt noch ein Mehrfaches drauf.“ In der „Villa Königin Luise II“ seien es 80 000 Euro. „Das Geld müssen wir erst einmal verdienen.“ Am Netz bleibe aber nur ein Haus.

Weil die kostenträchtigen Ausgaben nicht ergebniswirksam sind, sieht Romansky nur einen Ausweg: „Die Stadt sollte einen Hilfsfonds auflegen, rückzahlbar nach fünf Jahren.“ So könne das drohende Hotelsterben vielleicht noch aufgehalten werden. „Und wenn das nicht geht, dann geht der Bürgermeister eben zum Finanzminister.“

Mit der dickste Brocken in der „Villa Fürst von Waldeck“ wäre der von Baudezernent Schmidt geforderte zweite Rettungsweg. Bis der steht, hat Schmidt obendrein die Aufstellung einer Brandwache in dem Gebäude gefordert.

Aus seinem Prüfbesuch schließt der Rathaus-Beamte: „Die (…) festgestellten brandsicherheitstechnischen Mängel gefährden das Leben und die Gesundheit der Nutzer der baulichen Anlage.“ Eine konkrete inhaltliche Begründung, die zeigen würde, dass Schmidt hier eine individuell verhältnismäßige Ermessensentscheidung getroffen hätte, enthält das Schreiben nicht. Es besteht in Teilen aus allgemeinen Versatzstücken mit Bezug auf Paragrafen der niedersächsischen Bauordnung.

Am 25. Juni, also fünf Tage nach dem Prüftermin und eine Woche nach dem Herztod ihres Mannes, hätte Carla Romansky sich bei Schmidt im Rathaus melden müssen. Die nur dreitägige Anhörungsfrist nach Erhalt seines Briefes begründet der Bauoberrat mit der Pflicht zur unmittelbaren Beseitigung der brandsicherheitstechnischen Mängel. Nehme sie nicht Stellung, werde er „nach Aktenlage entscheiden“. Was das heißt, lässt Raum für Spekulationen.

Die Forderungen aus dem Rathaus erscheinen Horst Romansky reichlich überzogen. Die Floskel von der „Gefahr im Verzug“ diene Behördenvertretern als Totschlagsargument – ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Doch, so betont Romansky: „Überverhältnismäßige Aufsichtsmaßnahmen der Behörden sind unzulässig.“

Anders als diverse Pyrmonter Hotelbetreiber, die – aus welcher Angst heraus vor wem auch immer – zum Thema Brandschutz schweigen, will Horst Romansky die Auflagen nicht hinnehmen. Er zieht andere Konsequenzen: „Wir werden für die „Königin Luise II‘ und den ,Fürst von Waldeck‘ die Umnutzung zum Wohnen beantragen“, sagt er. Dass so eine Ausnahme vom 34 Jahre alten Bebauungsplan, der kurdienliche Nutzungen vorschreibt, möglich sein müsste, schließt er aus anderen Fällen, in denen es solche Genehmigungen gab.

Bad Pyrmonts Baudezernent dürfte mit einer Wohn-Umnutzung eigentlich kein Problem haben. Denn Anfang des Jahres hatte Schmidt eine Überarbeitung überkommener Bebauungspläne angekündigt, um mehr Wohnraum zu schaffen. Damit würde dann auch eine bereits 2009 im Städtebaulichen Gesamtkonzept für Bad Pyrmont festgeschriebene Forderung umgesetzt.

Doch es scheint fast, als habe man im Rathaus die Hoteliers in der Schlossstraße auf dem Kieker. Horst Romansky berichtet von einem weiteren Brief der Verwaltung, der das Wohnen in der „Villa Fürst von Waldeck“ untersagt.



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