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Kultureller Hochgenuss auf engem Raum

Zuneigung vom Mörder

BAD PYRMONT. Auch das vierte Opernprojekt der Kulturinitiative „Pyrmonter Salon“, die Aufführung des Einakters „Mozart und Salieri“, Komposition und Libretto von Nikolai Rimski-Korsakov, gestaltete sich am Samstagabend im Quäkerhaus zu einem Erfolg.

veröffentlicht am 24.06.2018 um 18:46 Uhr

Antonio Salieri (Karl Humi, r.) heuchelt gegenüber Mozart (Walter Porcellini) Zuneigung, während er bereits den Mord plant. Foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Auch den räumlichen Gegebenheiten des Aufführungsortes, in erster Linie aber beschränkten finanziellen Möglichkeiten war es geschuldet, dass die Wahl des Veranstalters erneut auf eine Oper gefallen war, die sich mit minimalem personellem Aufwand begnügt, wie die Vorsitzende des Pyrmonter Salon e.V., Luisa Islam-Ali-Zade (Luisa L. Maier), erläuterte.

Dem kulturellen Hochgenuss taten die räumlichen Voraussetzungen keinen Abbruch: Zweifellos ist da an erster Stelle Salieri-Darsteller Karl Humi zu nennen, der die in der literarischen Vorlage von Alexander Puschkin enthaltene Dramatik in vollem Umfang umzusetze. Sowohl in Mimik als auch Gestik, vor allem aber mit seinem ebenso wohlklingenden wie volltönenden Bariton setzte Humi den von Eifersucht über das Genie seines vermeintlichen Gegenspielers Wolfgang Amadeus Mozart an den Rand des Wahnsinns und schließlich gar zu einem Mord getriebenen Antonio Salieri mit nahezu erschreckender Deutlichkeit in Szene. Nicht weniger beeindruckend waren die Beiträge der Instrumentalsolisten Natalia Reznikowa (Violine) und Juri Kudlatsch (Piano), die das, schon aus Platzgründen, fehlende Orchester mit Bravour zu ersetzen verstanden. Lediglich Mozart-Darsteller Walter Porcellini konnte die auf ihn gerichteten Erwartungen nicht zur Gänze erfüllen. Zwar stand er in seinen schauspielerischen Leistungen seinem Gegenüber Humi in nichts nach, ließ gesanglich aber ein wenig zu wünschen übrig. Ihm sei aber zugute gehalten, dass sich der gerade einmal 20-jährige Sänger noch in der Ausbildung befindet. Allemal ließ er am Samstagabend, als er übrigens sein Bühnendebüt gab, erkennen, welch hohes Potenzial in ihm steckt.

Geleitet wurde die Aufführung von Luisa Islam-Ali-Zade. Der Vorsitzenden der Kulturinitiative, war es gelungen, dem Inhalt der aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammenden Oper Aktualität zu verleihen, indem sie einen deutliche Bezug des - laut einer Legende- von Salieri an Mozart verübten Giftmords zum tatsächlichen Londoner Polonium-Giftmord im November vergangenen Jahres herstellte.

Zudem verlieh sie dem, ansonsten eher statisch als szenische Oper aufgeführten Werk Rimski-Korsakovs ein erfrischend belebendes Element. Sie holte junge Darsteller, sämtlich Angehörige des Pyrmonter Chors „Solfeggio“, auf die Bühne und ließ sie, passend kostümiert von Astrid Jörg, als Antonio Salieries Schülergruppe agieren, was sie talentiert und mit sichtbarer Freude taten. Marie-Louise Maier erhielt sogar noch einen kleinen Solopart als „Blinder Geiger“, den sie geradezu wunderbar spielte.



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