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Info-Panne bei der Bahn

Zum Warten verurteilt – keine Info über Ersatzbusse

BAD PYRMONT / HAMELN. Stell dir vor, der Zug fährt nicht – und niemand sagt, wann du weiterfahren kannst. Regelmäßige Fahrgäste monieren in solchen Fällen immer wieder die lückenhafte Informationspolitik der Bahn. Am Donnerstag harrten mehrere Dutzend Menschen in Hameln aus. Manche von ihnen mehrere Stunden.

veröffentlicht am 02.02.2018 um 21:03 Uhr

Das ungewisse Warten auf den Ersatzbus verärgerte am Donnerstag diverse S-Bahn-Passagiere, die wegen eines auf die Oberleitung gestürzten Baumes stundenlang in Hameln ausharrten. Symbolfoto: ube
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Eigentlich eine korrekte Sache: Weil auf der Bahnstrecke zwischen Emmerthal und Bad Pyrmont am Donnerstagnachmittag ein umgestürzter Baum die Oberleistung in beiden Fahrtrichtungen blockierte, organisierte die Bahn auf die Schnelle einen „Schienenersatzverkehr“.

Das Dumme dabei war nur: Die betroffenen S-Bahn-Fahrgäste mit Ziel Bad Pyrmont oder weiter fühlten sich deutlich zu lange darüber im Unklaren gelassen, wann sie ihre Fahrt im Bus würden fortsetzen können. „Auf dem Display im Hamelner Bahnhof stand nur, dass ein Ersatzbus käme, aber ohne Uhrzeit“, schildert der Pyrmonter Angelo Lenoci die Situation. Die Folge: „Mehrere Dutzend Reisende standen über eine Stunde lang desorientiert herum.“ Auch Familien mit Kindern hätten in der Kälte ausharren müssen – ohne zu wissen, wie lange. In der Hoffnung darauf, dass die Bahn ihre Informationspolitik verbessere, entschied er sich am Freitag, seinen Unmut öffentlich zu machen.

„Gegen 20 Uhr trafen schließlich zwei Busse am Hamelner Bahnhof ein“, berichtet der Pyrmonter weiter. Doch kaum seien die Wartenden eingestiegen, hätten die Fahrer per Handy von der DB die Nachricht erhalten, dass die S-Bahn nun doch nach Bad Pyrmont fahre. „Dann wurden wir aufgefordert, zum Bahnhof zurückzukehren, um den Zug zu nehmen“, so Lenoci.

Der Berufspendler ist sicher: „Es wäre sehr einfach gewesen, auch über die Abfahrtzeit der Ersatzbusse zu informieren.“ Dann hätten die Betroffenen sich darauf einstellen können und wären nicht so verzweifelt gewesen.

Die Frage, warum es am Donnerstag in Hameln keine Infos über Bus-Startzeiten gab, kann Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis in Hamburg nicht wirklich beantworten. „Unsere Kollegen in der Leitstelle in Braunschweig telefonieren bei solchen unvorhergesehen Ereignissen die regionalen Busunternehmen ab“, erklärt er. Wegen des Straßenverkehrs könnten die Busfahrer jedoch nicht sagen, wann sie vor Ort seien. „Bei einem geplanten Schienenersatzverkehr hängen wir Zettel aus.“ Beim Busnotverkehr aber nicht. Die Anregung, das künftig zu tun, werde er jedoch weitergeben.

Abgesehen davon sei die Dauer der Störung am Donnerstag nicht absehbar gewesen. Der Turmtriebwagen, von dem aus die Techniker die Äste absägen konnten, habe erst zur Einsatzstelle kommen müssen. „Und die Techniker standen im Stau auf der A2.“

Die angeblich fehlende Informationsmöglichkeit wundert indes einen Busfahrer, der nach Zugausfällen schon wiederholt eingesprungen ist. „Wenn wir einen Anruf aus der DB-Leitstelle kriegen und fahren können, sagen wir den Leuten am Telefon, wann wir am Bahnhof ankommen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Schließlich wüssten ortskundige Busfahrer gut, wie lange sie von A nach B brauchten. Sein Eindruck, den routinierte Zugreisende teilen: „Bei der Bahn läuft die Informationskette nicht sauber.“

Übrigens: Über die Abfahrtzeit des ersten Ersatzbusses – er stand gegen 17.45 Uhr in Hameln zur Fahrt bereit – hätten, wenn sie davon gewusst hätten, sogar noch die Mitarbeiter des Reisezentrums informieren können. Denn das schließt erst um 18 Uhr.

Der Hamelner Reisedienst-Inhaber Michael Herter übernahm am Donnerstag nach seinem Feierabend selbst einen Noteinsatz. „Leider hatte ich nur einen Bus, in den nicht alle Wartenden hineinpassten“, bedauert er. Am Pyrmonter Bahnhof habe er später eine Durchsage gehört, in Hameln jedoch nicht. Sicherheitshalber gehe er in solchen Fällen in den Bahnhof und rufe: „Einmal Bad Pyrmont.“

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