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Sprungbrett für Claire Waldoff

Zum 200. Geburtstag: Hommage an das Kurtheater

BAD PYRMONT. 1818 ist das Pyrmonter Kurtheater mit zwei Rängen und Fürstenloge erbaut worden. Seitdem hat es viele berühmte Künstler erlebt. Auch Claire Waldoff, berühmt geworden als Bühnenpartnerin von Karl Valentin, hatte dort ihr schauspielerisches Debüt. Der reichen Theatergeschichte wurde nun mit einer musikalisch angereicherten Hommage gedacht.

veröffentlicht am 02.11.2018 um 12:14 Uhr

Wohlwollend schaut August Pichler zu: Ihm und dem Kurtheater widmeten Jörg Schade, Carl-Herbert Braun, Kateryna Troyitska und Arndt-Jubal Mehring (v. re.) eine unterhaltsame Hommage zum 200. Geburtstag des kleinen Musentempels. Foto: Hei
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Karin Heininger Reporterin
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Wer hätte das gedacht: Claire Waldoff, berühmt geworden als Bühnenpartnerin von Karl Valentin, hatte ihr schauspielerisches Debüt am Fürstlichen Theater (Kurtheater) in Bad Pyrmont. Dort war sie 1904 für das Rollenfach „Naive“ engagiert und wurde auch als jugendliche Liebhaberin eingesetzt. Klein war die Gage, nämlich 40 Mark im Monat, aber groß war ihre Liebe zum Theater, und so nahm sie es in Kauf, dass zusätzlich zu den vielen Vorstellungen jeden Tag von morgens bis abends und manchmal sogar nachts geprobt wurde, wie die Schauspielerin und Vortragskünstlerin in einem Brief schildert. Später wurde sie durch ihre Chansons bekannt und eines davon war jetzt in der Wandelhalle zu hören: Judith Guntermann sang „Hannelore“ ähnlich frech und kess, wie es das Markenzeichen der Waldoff gewesen ist. Die Schauspielerin der Pyrmonter Theater Companie musste zwar danach wieder nach Berlin zurück, doch ihr stimmiger Chansonvortrag war ein kleines Schmankerl in einer Veranstaltung der Theater Companie, die der 200-jährigen Geschichte des Kurtheaters gewidmet war.

Ich habe schon mit 16 Jahren als Feuerwehrmann in der Kulisse gesessen.

Jörg Schade, Pyrmonter Theater Companie

Angekündigt als Vortrag, war es viel mehr als das: Eine musikalisch angereicherte Hommage von Carl-Herbert Braun und Jörg Schade an Pyrmonts reiche Theatergeschichte, die mit so mancher großstädtischen Bühne mithalten kann. Von „Iphigenie“ bis „Charlys Tante“, von „König Lear“ bis „Alt Heidelberg“ reichte das Repertoire, das unter den verschiedenen Intendanten auf der kleinen schrägen Bühne zur Aufführung kam. Dazu war Carl-Herbert Braun als Chronist „ganz tief ins Archiv getaucht“, wie Schade eingangs erwähnte. Beide Künstler hatten vor 18 Jahren bereits eine bleibende Ausstellung im Kurtheater zur Geschichte des Musentempels eingerichtet.

Pyrmonts erster Ehrenbürger August Pichler (1771-1856), dessen Porträt die Schauspieler mit in die Wandelhalle gebracht hatten, war richtungsweisend für die Geschichte des Theaters – und für die Gründung der Companie vor 22 Jahren. Pichler ließ das Kurtheater mit zwei Rängen und Fürstenloge 1818 erbauen, zahlte den Schauspielern Kost, Logis und Wäsche, sorgte für einen ausgewogenen Spielplan mit komödiantischer und wirtschaftlicher Balance und wurde als „Freund der Schauspieler“ gelobt. Ihm folgten andere namhafte Intendanten (zum Beispiel Adalbert Brümmer, Dr. Georg Altmann, Dr. Ernst Stutzmann), sie kamen aus größeren Städten, einige standen im Bannkreis der berühmten Meininger Bühne. Und auch Albert Lortzing war hier im Theater tätig, hat als Darsteller über 200 Rollen verkörpert.

Brandschutz 1912: Im Inneren des Kurtheaters wurde ein Eiserner Vorhang angebracht, außen zwei Fluchttreppen.

1912 wird das Theater aus Brandschutzgründen umgebaut, erhält einen Eisernen Vorhang und Feuertreppen an der Westseite. Als der bebilderte Vortrag an diese Stelle kam, ging ein Raunen durchs Publikum. Nach dem Krieg wird das Kurtheater zeitweise als Kino genutzt, dient aber auch als Gastspielbühne für zum Teil berühmte Schauspieler und Ensembles.

Carl-Herbert Braun erzählte die Chronik lebendig und anschaulich, Jörg Schade lieferte Zitate der Theaterleute und auch musikalisch wurde die Darstellung gefüttert: Ein Medley aus Lortzings „Zar und Zimmermann“ und das „Glühwürmchen-Idyll“ von Paul Lincke passten wunderbar zum Thema, stimmungsvoll gespielt von Arndt-Jubal Mehring, Querflöte, und Kateryna Troyitska, Klavier. Wie sehr das Kurtheater „lebt und atmet“, habe er schon als junger Feuerwehrmann beim Dienst in der Kulisse erfahren, erinnerte sich Jörg Schade. Es sei zu wünschen, dass die Durststrecke bis zur Wiederbelebung des geschlossenen Hauses nicht allzu lange dauere.



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