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Löwenser entwickelt Internet-Navigationssystem – und auch Bayern meldet Interesse

„ZauberStab“ für Senioren

Bad Pyrmont. Senioren und Internet? Das passt nicht zusammen, glauben viele – und tatsächlich scheuen sich ältere Menschen oft, das Internet zu nutzen. Der Löwenser Igor Monin hat nun ein Internet-Navigationssystem für Senioren entwickelt, das leicht zu bedienen und an die Fähigkeiten der Nutzer angepasst sein soll.

veröffentlicht am 05.04.2016 um 16:19 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 10:35 Uhr

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Autor:

Hans-Ulrich kilian
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„Bin ich schon drin?“, staunte das einstige Tennisidol Boris Becker 1999 in einem legendären Werbespot für einen Internetanbieter über den kinderleichten Zugang zum Netz. Seitdem hat sich viel getan. Das Internet hat sich mehr und mehr zu einem Teil des täglichen Lebens entwickelt. Doch je später ein Mensch mit der digitalen Welt zu tun bekommt, umso größer ist die Hemmschwelle. Dabei bietet es gerade Senioren Chancen, den Alltag zu erleichtern, Kontakte zu pflegen und Informationen zu beschaffen, was auf anderem Wege so nicht möglich wäre. Hier setzt Igor Monin mit seiner Geschäftsidee an. Der gebürtige Ukrainer, Ingenieur für Straßenbaumaschinen und Fan klassischer Musik, hat ein PC-Navigationssystem für Senioren entwickelt, das vollständig an die Fähigkeiten der Nutzer angepasst ist und die Hürde für einen Einstieg in die PC-Welt sehr niedrig ansetzt.

„Erfahrungen mit meinen Eltern haben mich auf die Idee gebracht, ein System zu entwickeln, für das man kaum Kenntnisse und Erfahrungen benötigt“, sagt der 59-Jährige, der vor 22 Jahren nach Deutschland kam und heute in Löwensen lebt. Monin ist ein Beispiel dafür, dass man flexibel sein muss, um sich durchzuschlagen, denn mit seinem Ingenieurstudium konnte er in Deutschland nichts mehr anfangen. Er hat als Reifenmonteur gearbeitet, war Fahrer, Disponent und Buchhalter, hat Werbebroschüren hergestellt, Rechenprogramme für Busunternehmen entwickelt und Webseiten gestaltet. Zurzeit ist er ohne Arbeit. „Für Computer habe ich mich schon immer interessiert“, sagt er. Gemeinsam mit seinem in Bayern lebenden Cousin hat er „ZauberStab“ entwickelt, wie er das Navigationssystem nennt. „Die Bedienung ist in all ihren Details an die Fähigkeit unserer Nutzer angepasst und erfolgt durch die Auswahl von deutlichen und leicht verständlichen Symbolen“, erläutert Modin. Beispiel: Berührt man mit dem Mauszeiger eines der Symbole, erscheinen die dort für den entsprechenden Wohnort hinterlegten Informationen – zum Beispiel die Telefonnummer eines Facharztes, einer Fußpflege oder eines Menüservices. Andere Symbole führen unmittelbar zu einem voreingestellten Radiosender oder zu einem Internetforum für Senioren. Auf Wunsch werden auch telefonische Verbindungen über Skype (Bildtelefon) und E-Mail angeboten. „Das System wird durch einen Administrator auf den PC geladen, danach ist die Benutzung kinderleicht“, verspricht Monin. Für Fragen sollen Techniker erreichbar sein.

Noch ist der „ZauberStab“ nicht verfügbar. Dafür brauchen Monin (auch seine Tochter ist dabei) und sein Partner Unterstützer, zumal das Navigationssystem – so stellt er sich das vor – für die Nutzer nach Möglichkeit kostenlos sein soll. „Das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege interessiert sich für unser Angebot und hat uns im April zu einem Gespräch nach München eingeladen, an dem auch Vertreter des medizinischen Dienstes der Krankenkassen teilnehmen werden“, berichtet der Softwaretüftler und meint: „Das ist schon einmal ein Erfolg.“ Auf 225 000 Euro schätzt er den Kapitalbedarf für die ersten zwei Jahre, um das System zum Laufen zu bringen. Bis dahin sind noch viele Fragen zu klären, was praktische Belange und auch den Datenschutz angeht.

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Genügend Potenzial gibt es: 60 Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland nutzen einer Studie der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (Agof) von vor zwei Jahren zufolge das Internet bislang kaum oder gar nicht, oft aus Scheu vor der unbekannten Technik. „Ein Leben zu Hause gehört zu den größten Wünschen im Alter. Unser Produkt kann Senioren helfen, ihre Unabhängigkeit zu bewahren“, so Monin.

Igor Monin hofft, Interessenten für sein Navigationssystem für Senioren zu finden.Foto: uk



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