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Mehrstimmigkeit und Solopartien

Zarewitsch Don Kosaken Chor: Es weihnachtet russisch

BAD PYRMONT. Aus sechs Kehlen wogten die russischen liturgischen und Volkslieder am Sonntagnachmittag durch den riesigen Kirchenraum der katholischen St. Georg Kirche, als der Zarewitsch Don Kosaken Chor mit dem traditionellen Weihnachtskonzert seine Aufwartung machte.

veröffentlicht am 04.12.2017 um 18:02 Uhr

Der Zarewitsch Don Kosaken Chor füllte den Kirchenraum der katholischen St. Georg Kirche mit großem Klang. Foto: ar
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Eigentlich ist dieser Klangkörper rund 40 Mann stark, doch tourt er in unterschiedlichen Formationen gleichzeitig an mehreren Orten durch Europa. 1958 wurde der Chor an der Schwarzmeerküste gegründet, und er bewegt sich voll und ganz in der kosakischen Tradition der besonderen Ausdruckskraft ihrer sakralen Gesänge. Viele Lieder verarbeiten die Beziehung zu Gott, zum Paradies, zu allem Kummer und aller Schwermut auf Erden und sind aus diesem Grunde getragen, melancholisch und trotzdem voller Spannung. „Auf viele Jahre“ ist die Bitte um Gnade, Vergebung und Barmherzigkeit, das Magnifikat „Lobe den Herrn meine Seele“, „Dir singen wir“ oder „Der reumütige Schächer“ sind Ausdruck der Nähe zu Gott, immer verbunden mit der Bitte um Vergebung und Errettung.

Die sechs Solisten übernehmen jeweils eigene Solopartien, dabei ist besonders der Bass stark und rein, da braucht es kein Mikrofon. Doch der Tenor kommt bei „Das einsame Glöcklein“ nur schwer in die Kopfstimme und die Sehnsucht nach vergangenen Nächten, der Heimat und der hervorgelockten Träne erschließt sich nicht so ganz. Etwas Bewegung kommt in die Reihe der Sänger bei einer lustigen ukrainischen Ballade, wo auch plötzlich ein gesangliches Feuer entfacht wird, was dem Auftritt gut tut. Das Publikum, das die Kirche etwa zur Hälfte füllt, ist jedenfalls begeistert und applaudiert vehement. Gerade einen Monat ist es her, dass ein anderer Kosakenchor auftrat, und das mag den schwächeren Besuch erklären.

Das Programm der Zarewitsch Don Kosaken ist jedenfalls gespickt mit gesanglich beeindruckenden Liedern, die in ihrer Mehrstimmigkeit und der Oktaven voneinander entfernten Tenöre und Bässe eine große Komplexität und Klangdichte erzeugen.

Da läuft schon manchmal die berühmte Gänsehaut den Rücken hinunter. Gute klassische Beispiele dafür sind „Ich bete an die Macht der Liebe“ und das „Kosakische Wiegenlied“, doch geht es natürlich nicht ohne die Klassiker „Legende von den zwölf Räubern“, einer Klosterlegende aus dem 12. Jahrhundert, sowie einer weiteren Klosterlegende, dem „Stenka Rasin“. Schon verwunderlich, wie da einem Aufständischen gegen den Zaren, einem Plünderer, Piraten und Abtrünnigen gehuldigt wird. Die Zuhörer dankten es dem Zarewitsch Don Kosaken Chor jedenfalls mit lang anhaltendem Beifall.

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