weather-image
11°

Ausfall versetzt Bad Pyrmont und weite Teilen Lügdes bis zu eine Stunde lang in Ausnahmezustand

Zappenduster: Tausende Haushalte ohne Strom

Bad Pyrmont/Lügde (Hei/ HW/jl/nl/tis/yt). Es war zwar noch nicht der 21. Dezember, aber gestern Nachmittag betrachtete zumindest in Bad Pyrmont und Lügde sowie einigen Ortsteilen mancher den Weltuntergang aus der Maya-Prophezeiung als vorverlegt. Gegen 15.40 Uhr wurde es schlagartig dunkel: Lampen, Computer, Telefone, Kassen, Bankautomaten – alles war aus, dunkel, stumm und tot. Der Blick in den Sicherungskasten zeigte schnell: Hier musste es sich um einen Blackout größeren Ausmaßes handeln. Das Wissen, mit dem Problem nicht allein zu sein, tröstete die einen. Andere litten derweil unter der Ungewissheit, wann der Spuk endlich vorüber wäre.

veröffentlicht am 15.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:21 Uhr

270_008_6049699_pn115_1512_4sp_jl_Strom_6987.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Den Läden bescherte die Finsternis mitten im Vorweihnachtsgeschäft den zeitweiligen Ausnahmezustand: Wenn überhaupt, brannte das Notlicht. Taschenlampen, Feuerzeuge und Kerzen mussten her. Während es auf Bad Pyrmonts Weihnachtsmarkt ebenfalls schummrig wurde, verzögerte sich der Aufbau des Lügder Marktes.

„Solange es dunkel ist, kommt niemand mehr rein“, wiesen die Mitarbeiter etwa von Rossmann freundlich, aber bestimmt einige Kunden ab, die trotzdem einkaufen wollten. Hier wie dort versuchten die Mitarbeiter, die automatischen Eingangstüren von Hand zu bedienen. Und doch gab es Menschen, die die Lage falsch interpretierten. So mokierte sich ein junger Familienvater, dass mitten am Freitagnachmittag die Geschäfte dicht waren. Der Grund interessierte ihn nicht.

„Ich habe gehört, das dauert noch bis 22 Uhr“, malte eine andere Passantin schwarz. Jedenfalls schwärzer, als es die Situation hergab: Denn kaum ausgesprochen, wurde es plötzlich wieder hell, der Spuk war vorüber. Ab 16.20 Uhr funktionierte in weiten Teilen des Talkessels fast alles wieder, was Strom braucht. In der Hufelandtherme dauerte es etwas länger: Dort gaben die Klospülungen und Duschen erst nach einer Stunde wieder Wasser.

3 Bilder
Für die Auswahl der richtigen Lippenstiftfarbe genügte das Tageslicht in der Dämmerung noch.

Unzählige Handy-Anrufe erreichten in der Dunkelheit Feuerwehr und Polizei, die ihre Telefone über Notstromaggregate bedienen konnten. „Die Stadtwerke litten selber unter dem Stromausfall, waren nicht zu erreichen“, berichtete ein Polizeisprecher. Seine Kollegen mussten ausrücken, weil zwei Sicherheitsanlagen ausgelöst hatten. „Beide Einsätze verliefen aber negativ. Es gab keine besonderen Vorkommnisse; alles lief sehr gesittet ab“, hieß es aus dem Kommissariat. Die ausgefallenen Ampeln sorgten zwar vor allem am Bahnhof für Staus – allerdings ohne dramatische Folgen.

Aus der Helenenstraße wurde die Feuerwehr alarmiert, weil der Bewohner eines Hauses an ein Beatmungsgerät angeschlossen war, das plötzlich nicht mehr arbeitete. Gleich nach der Alarmierung war der Strom aber wieder da.

Das Bathildiskrankenhaus blieb vom Stromausfall weitgehend unberührt. „Unser Notstromaggregat ist nach fünf Sekunden angesprungen und hat das gesamte Haus abgedeckt. Nur die Computer mussten wieder hochgefahren werden“, berichtet der ärztliche Direktor Dr. Joachim Hertel. Schwierigkeiten bekäme das Hospital erst, wenn der Strom länger als drei Tage ausfalle. Denn dann werde es schwierig, Diesel zu bekommen, „weil die Pumpen der Tankstellen ebenfalls elektrisch betrieben werden“, wie Hertel begründet. „In den Pyrmonter Kliniken war es nicht anders. Deshalb haben weder Patienten noch Bewohner vom Stromausfall etwas mitbekommen,“ so der Arzt.

Bei „Phoenix Contact Electronics“ unterbrach der Blackout die Produktion jedoch für fast eine Stunde; etwa 400 Mitarbeiter mussten pausieren. „Auch rund 150 Menschen bei einer Vertriebsveranstaltung des Unternehmens saßen von einer Sekunde auf die andere im Dunkeln. „Zum Glück hatten wir erst vor vier Wochen einen solchen Versuch gestartet. Das hat sich ausgezahlt. Über unser Notstromaggregat konnten wir schnell alles wieder hochfahren und den Betriebsschaden in Grenzen halten“, berichtet Frank Schröder, Leiter des Gebäudemanagements. Von Beeinträchtigungen verschont blieb dagegen der Lügder Kupferlackdraht-Hersteller Schwering und Hasse.

Im E-Center an der Schwage reagierten die Mitarbeiter sofort: Sie beruhigten die Kunden. Wer bar bezahlen wollte, konnte noch an der Kasse bedient werden, doch EC-Zahlung war nicht mehr möglich. Mitarbeiter brachten die Kunden nach draußen. Die Kühltruhen des Marktes wurden über Notstromaggregate versorgt. Auf dem Parkplatz informierten Angestellte die anfahrenden Kunden über den Stromausfall. „Wir lassen jetzt erst einmal nur Kunden raus, aber keine ins Geschäft“, sagte ein Mitarbeiter.

Nur wenige Meter weiter war eine Frau ganz aufgeregt, weil sie gerade ihre Abbuchung in den Sparkassen-Geldautomaten getippt hatte. „Ist mein Geld jetzt weg?“, fragte sie. Doch auch sie konnten die Mitarbeiter beruhigen.

Erleichtert war auch Boutiquebesitzerin Elke Clasen, als sie erfuhr, dass sie nicht schuld am Blackout war: Sie hatte nämlich gerade zum ersten Mal auf einen zuvor nie benutzten Lichtschalter im hinteren Teil ihres Ladens gedrückt, als es plötzlich in ganz Bad Pyrmont dunkel wurde.

Einiges zu tun bekamen nach dem Stromausfall die Bereitschafts-Mitarbeiter der Pyrmonter Stadtwerke. Sie mussten die Pumpen im Wasserwerk, die Gasversorgung, das Blockheizkraftwerk und die Umspannwerke wieder hochfahren. Denn überall liefen Fehlermeldungen auf.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt