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Entsorgung oder Begräbnis – über die Folgen der Schnäppchenmentalität im Bestattungswesen

Wozu „Geiz ist geil“ am Ende führen kann

Von Karl-Heinz Recklebe

veröffentlicht am 21.04.2010 um 19:58 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 13:41 Uhr

Inmitten von Särgen: Für die Bestatter Daniel und Harald Jorns (
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Bad Pyrmont. Es hat sich herumgesprochen, dass eine Bestattung nicht billig ist. Eine übliche Erdbestattung mit Blumenschmuck, Trauerfeier, Bewirtung und Grabstätte für 20 Jahre kommt im bescheidenen Rahmen leicht auf 4000 Euro. Wird ein höherwertiger Sarg genommen und soll ein Grabstein aufgestellt werden, kostet die Bestattung schnell 7000 Euro. Da wirken die Angebote von sogenannten Billig- oder Discountbestattern, die vor allem im Internet mit Niedrigpreisen für ihre Dienste werben, verlockend.

So zum Beispiel die Firma Aadee Bestattung aus Berlin mit einem Preis von 830 Euro für eine Feuerbestattung in Hameln. Allerdings hat der Preis seine Tücken. Nicht nur, weil die trauernden Angehörigen beim Anruf auf ein Callcenter treffen können, sondern auch, weil der Basis-Preis nur eine anonyme Bestattung ohne Trauerfeier umfasst und auch keine Friedhofskosten und Gebühren. Nachdem die Firma den Toten am Sterbeort abgeholt hat, können die Hinterbliebenen noch den Zeitpunkt der Beisetzung erfahren und auf Wunsch zusehen, wie die Urne von einem Friedhofsangestellten in der Erde versenkt wird. Das war es dann.

Noch billiger geht es, wenn man ein Krematorium und die anonyme Urnenbeisetzung im Ausland erwägt. Daniel und Harald Jorns, Bestatter aus Bad Pyrmont, sehen in solchen Praktiken allerdings keine Bestattung mehr, sondern eher die Entsorgung eines Toten. „Diese Angebote sind mit den Leistungen eines örtlichen Bestatters nicht zu vergleichen“, sagen sie und verweisen auf die Wichtigkeit des persönlichen Gesprächs. Das kann zu Hause oder im Bestattungsunternehmen stattfinden. Hier wird auf individuelle Wünsche eingegangen und der preisliche Rahmen den Möglichkeiten und Vorstellungen der Hinterbliebenen angepasst. Sie seien auch noch nie mit dem Angebot eines Discountbestatters konfrontiert worden. „Wir können, wenn die Leistungen gleich sind, jedem Vergleich standhalten“, äußern Daniel und Seniorchef Harald Jorns übereinstimmend.

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So sieht es auch Thomas Rademacher aus Sabbenhausen, der für sein Unternehmen ein Bestattungshaus auf der grünen Wiese errichtet hat, in dem Hinterbliebene nicht nur Sarg oder Urne auswählen, sondern in schön gestalteten Räumen von dem Verstorbenen in Harmonie Abschied nehmen können. „Die Billiganbieter werden sich in ländlichen und kleinstädtischen Gebieten schwertun“, meint Rademacher. „Im Gegenteil, viele wollen ihren Verstorbenen noch richtig etwas Gutes tun.“

Bestatter Ullrich Frede aus Holzhausen hat allerdings schon einen Fall erlebt, bei dem sich die Hinterbliebenen für eine anonyme Urnenbeisetzung in Tschechien entschieden haben. Eine Veränderung in der Bestattungskultur machen er und seine Kollegen daher schon aus. So sei der Anteil der Feuerbestattungen in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gestiegen. Das liege aber weniger an den Bestattungskosten selbst, denn die unterscheiden sich nicht nennenswert von einer Erdbestattung, sondern eher an den Folgekosten für die Grabpflege. Bei Einzelpersonen und entfernt lebenden Angehörigen sei das vielfach ein Problem. Seebestattungen und Urnenbeisetzungen in einem Friedwald, den es zum Beispiel in Aerzen gibt, sind trotzdem noch Ausnahmen. „Wenn gespart werden müsse, dann eher bei der Ausstattung“, meint Ullrich Frede und sieht da die Sargqualität und den Blumenschmuck im Vordergrund.

Harald Jorns verweist darauf, dass manchmal auch die Kosten einer Trauerfeier nicht mehr bezahlbar sind. Wer als Angehöriger mittellos sei, den berate man aber auch über die Hilfen vom Sozialamt, die die Kosten im Bedarfsfall für eine einfache, aber würdige Bestattung übernehmen. In besonderen Fällen werde auch Ratenzahlung angeboten, so Jorns und Rademacher.

Der Wegfall des Sterbegeldes seit 2004 hat dazu geführt, dass viele Menschen bereits zu Lebzeiten für ihre Bestattung vorsorgen. Das kann der Abschluss einer Versicherung sein oder ein Vorsorgevertrag mit einem Bestatter, über den das Geld bei einem Treuhänder mündelsicher hinterlegt wird.

Jens Rademacher hat Räume für den Abschied, die kein Billigbestatter anbieten kann.

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