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Türkischer Vereinbald ohne Bleibe

Wohin mit dem Kulturzentrum?

BAD PYRMONT. Eigentlich könnte sich Mustafa Aygün freuen. Die Plakate für das „Internationale Kinderfest“ in der Pyrmonter Brunnenstraße sind gedruckt. Allerdings hat der Vorsitzende des veranstaltenden „Türkischen Kulturzentrum“ derzeit noch eine andere Baustelle. Und die bereitet ihm zunehmend Kopfschmerzen.

veröffentlicht am 02.06.2017 um 23:04 Uhr

In zwei Wochen steigt in der Kurstadt das „Internationale Kinderfest“. Doch Mustafa Aygün hat derzeit noch ganz andere Sorgen. Foto: yt
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Vorbereitungen für die 23. Auflage der Party für alle Kinder der Stadt am 17. Juni laufen auf Hochtouren. Zeitgleich aber hängt der derzeit knapp 40 Mitglieder starke Verein ziemlich in der Luft. Auch gut drei Monate, nachdem die Stadtverwaltung den Mietvertrag für die Vereinsräume am Waisenhof gekündigt hat, sucht er noch nach einem neuen Domizil. Bisher vergeblich. Und die Zeit wird langsam knapp. „Wir müssen das Zentrum Ende Juni räumen“, sagt Aygün.

Die anderen Mieter sind schon weg. Der Grund für die Kündigungen: Heizung und Elektrik waren offenbar in einem so desolaten Zustand, dass sich der Stadt als Vermieterin nur zwei Optionen boten: sanieren oder räumen. Weil größere Investitionen in die alten Gebäude wegen der klammen Finanzen der Stadt und auch wirtschaftlich nicht infrage kämen, muss der Waisenhof nun erst einmal verwaisen. Einen Abrisstermin gibt es nach Auskunft aus dem Rathaus zwar noch nicht. Die Bauschäden lassen die Räumung jedoch offenbar als alternativlos erscheinen.

Dass mit den Räumen nicht mehr allzu viel anzufangen ist, weiß auch Mustafa Aygün. Und er kann nachvollziehen, dass es sinnlos wäre, in das Haus noch Geld zu stecken. „Die Heizung ist ja schon lange kaputt, und inzwischen müffelt es deshalb auch schon ziemlich feucht“, sagt er. Und doch habe der Verein das Domizil noch immer genutzt. „Wenn Mitglieder mit kleinen Wohnungen sich nach dem Tod eines Angehörigen hier treffen oder ein Paar seine Verlobung feiern will, dann können sie das hier kostenlos tun“, nennt er mögliche Anlässe. Noch wichtiger aber seien ihm die Vereinsräume als neutraler Raum für Gespräche. „Wenn die Leute Probleme haben, versuche ich zu schlichten und zu vermitteln“, beschreibt er seinen Anspruch, übrigens vollkommen unabhängig von jeder Religion, wie er betont. „Es geht doch nur miteinander, und nicht gegeneinander“, sagt Aygün und beruft sich damit auf das Vereins-Ehrenmitglied Dr. Nail Yücel. „Er hat schon vor 25 Jahren erkannt, wie wichtig Integration ist, als das Wort vielen Leuten noch gar nicht geläufig war.“

Zum Monatsende müssen der Vorsitzende und die anderen Mitglieder das Domizil des Türkischen Kulturzentrums räumen. Foto: yt
  • Zum Monatsende müssen der Vorsitzende und die anderen Mitglieder das Domizil des Türkischen Kulturzentrums räumen. Foto: yt

Dass sich in der Kurstadt für den Verein eine vergleichbare Unterkunft mit ähnlichen Möglichkeiten wie bisher auftut, glaubt Aygün schon fast nicht mehr. Mittlerweile überlegt er aus der Not heraus schon, die Vereinsgeschäfte vorläufig nur noch in einem Büro zu führen. Doch das würde die Absicht vereiteln, das Türkische Kulturzentrum als geschützten Treffpunkt aufrechtzuerhalten.

Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Türkei stellt sich die Raumfrage zudem zu einer absoluten Unzeit. Denn das Referendum hat die Community auch hier in Bad Pyrmont gespalten. Aygün möchte darum nicht viele Worte machen, da er Religion als Privatsache betrachtet. Aber er würde den Verein gern wieder nach vorn bringen, sagt er. Die Mitgliederzahl hat sich in den vergangenen Jahren fast halbiert.

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