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Windräder auf der Hochebene pro und kontra / Paulus-Kirchengemeinde lud in Neersen zur Diskussion

„Wir müssen unter diesen Dingern leiden“

Neersen. Im Kanonenofen lodert ein wärmendes Feuer und spendet eine wohlige und entspannende Atmosphäre. Und so könnte man es, trotz des eher emotional beladenen Themas, schon fast als ein harmonisches Kamingespräch bezeichnen, zu dem sich rund 20 Interessierte im Neersener Kirchengemeindehaus einfinden. Walter von der Heide aus Baarsen hatte im Rahmen der Diskussionsveranstaltungsreihe „Kreuz und Quer – Über Gott und die Welt“ eingeladen und begrüßt die Versammelten mit dem Hinweis, er werde in Ermangelung eines Kontra-Referenten dessen Position übernehmen. Die Pro-Position übernimmt Ulrich Dahnz aus Lügde, der in seiner kurzen Vorstellung deutlich werden lässt, als Ingenieur über Umwelttechnik, Wasseraufbereitung bis Windenergie bewandert zu sein.

veröffentlicht am 17.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 17:41 Uhr

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Autor:

von Klaus Titze
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Schon bald zeigt es sich, dass sich im Raum Betroffene eingefunden haben, die vorrangig unter den von einigen Windrädern verursachten Geräuschen zu leiden haben. So störe ungeachtet auch gelegentlich auftretender Schlaggeräusche insbesondere ein ständiger Brummton, der vermehrt durch die zuletzt erbauten fünf großen Windräder auftrete. „Das hört sich an, als lasse ein Bauer nebenan eine Kühlung laufen“, beschreibt eine Teilnehmerin. Stehe das im Verdacht befindliche Windrad still, sei der Ton weg. Doch die Geräusche sind offenbar nicht das alleinige Problem. Das „Verspargelungsbild“ überhaupt, die wahrnehmbaren Schlagschatten und nachts das rote Blinklicht werden von anderen Dorfbewohnern benannt.

Dirk Wöltje (CDU), Ortsvorsteher von Großenberg, der zusammen mit dem Bürgermeisterkandidaten Klaus Blome zu der Diskussionsrunde erschienen ist, weist in diesem Zusammenhang auf einen Bewertungsbogen hin, der vom Ortsvorsteher Eichenborns, Wolfgang Merkel, bereits in Eichenborn in Umlauf gebracht worden sei. Dabei gehe es um das Erfassen von Schallemissionen durch Windräder und der anschließenden Auswertung, um entsprechend auf eine Mängelbeseitigung drängen zu können. Es sei vorgesehen, diesen Bogen durch alle Bergdörfer laufen zu lassen, so Wöltje.

Trotz der von Dahnz beschriebenen Vorteile der Windkraft, sowohl für den Umweltschutz als auch im Kosten-Nutzen-Vergleich zu anderen Verfahren der Energiegewinnung, die auch vom Publikum mitgetragen werden, scheinen sich alle Anwesenden darin einig zu sein, dass die bisherige Anzahl von Windrädern bereits das akzeptierte Maß überschreite. Denn laut von der Heide standen bis 2010 allein zwischen Baarsen und Neersen bereits sechs Windräder und inzwischen seien sechs weitere hinzu gekommen. Für fünf bis sechs weitere sei noch Platz. Hinzu käme noch die Suchfläche für bis zu 9 Windanlagen bei Eichenborn. Dabei seien die in der Nachbarschaft Lichtenhagen, Vahlbruch und Ottenstein noch gar nicht mit berücksichtigt. „Die Politik macht Wind in Sachen Windräder, doch die Bergdörfer wollen nicht mehr davon“, zitiert von der Heide aus Schlagzeilen örtlicher Medien. Hintergrund: Der Rat der Stadt Bad Pyrmont hat über die Fraktionsgrenzen hinweg dafür gesorgt, dass auf der Hochebene ein Vorrangfläche für die Nutzung von Windenergie ausgewiesen worden ist. Investoren haben hier nun die Möglichkeit, innerhalb der vorgegebenen Rahmenbedingungen Windräder zu bauen.

„Hier sind die Menschen nicht zu den gebauten Energieerzeugern hingezogen, wie es beispielsweise im Ruhrgebiet der Fall gewesen sein mag, sondern die Dörfer haben hier bereits gestanden. Wir wohnten hier bereits, als die Rotoren kamen und nun müssen wir unter diesen Dingern leiden und neben dem Verlust an Lebensqualität zusätzlich auch den Wertverlust unserer Häuser und Grundstücke hinnehmen“, verdeutlicht eine Diskussionsteilnehmerin den Widerstand der Bergdörfer. „Warum baut man in Niedersachsen derartige Parks nicht in Wirtschaftswäldern wie zum Beispiel im Solling? Wieso dorthin, wo sich in der Nähe Ansiedlungen befinden? In anderen Bundesländern wird es so umgesetzt, warum geht das nicht in Niedersachsen?“ richtete ein anderer Teilnehmer seine konkreten Fragen an die Politik.

Walter von der Heide stimmt zu. „Es ist vor allem auch eine Standortfrage“, greift er das Argument seines Vorredners auf. „Ich begreife das Aufstellen der Windräder auf unserer Hochebene als Zerstörung des Landschaftsbildes. Rückzugsgebiete für Mensch und Tier werden reduziert, die als Erholung benötigte Nachtruhe wird gestört und der Tourismus beeinträchtigt. Erholungslandschaft stelle ich mir anders vor.“

„Auf die Politik des Stadtrates von Bad Pyrmont bezogen habe ich den Eindruck, dass wir hier oben als Abstellplatz für die Windräder fungieren“, beschreibt ein weiterer Besucher der Veranstaltung seine gefühlsmäßige Einschätzung. „Rund um Bad Pyrmont gibt es auch noch andere Höhen, aber da tut sich nichts“, endet er mit Blick zum Hagen. „Da redet man im Rat auch von lokaler Wertschöpfung und Gewinngenerierung, doch außer den Grundstückseigentümern hat hier bislang wohl keiner profitiert“, ist eine weitere Meinung.

Wöltje nimmt daraufhin noch einmal das Wort und weist darauf hin, dass bei der Errichtung neuer Anlagen mit den Betreibern vereinbart werden soll, Gelder aus den Erträgen als Zuwendungen an die Dörfer fließen und damit den Dorfgemeinschaften zugute kommen zu lassen. Als möglicherweise Trost oder Lockmittel verändert es die Skepsis in den Gesichtern kaum.

Auch die Pläne für die Überlandleitung („Südlink“) interessiert die Bergdorfbewohner, denn die Trasse könnte direkt an Neersen vorbeiführen. Doch dieses Thema würde den Rahmen des Abends sprengen, meint von der Heide und kündigt einen weiteren Diskussionsabend speziell dazu an.

Walter von der Heide (links) und Ulrich Dahnz gestalten den Diskussionsabend in Neersen.ti



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