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Hochwasserschutz: AöR-Vertreter geben Auskunft darüber, wie es um die Kanalisation bestellt ist

„Wir müssen noch einiges tun“

BAD PYRMONT. Überflutete Grundstücke und Wege, vollgelaufene Keller und Schlamm auf der Straße – das Unwetter am Nachmittag des 8. Juni werden die Holzhäuser so schnell nicht vergessen. Seitdem steht die Frage im Raum, ob die städtische Kanalisation für häufiger werdende Starkregenereignisse gewappnet ist – wenn vielleicht auch nicht für 85 Liter auf den Quadratmeter wie im Juni. „Wir haben belastbare Konzepte, müssen aber noch einiges tun“, lautet die Antwort auf diese Frage aus dem Rathaus.

veröffentlicht am 16.09.2018 um 16:05 Uhr

Auch die Feuerwehr bekam am 8. Juni dieses Jahres in Holzhausen genug zu tun. Die Anlieger sorgen sich, dass sich so etwas wiederholen könnte. Foto: Archiv/Feuerwehr

Autor:

Hans-Ulrich Kilian und Juliane Lehmann
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Gegeben hat sie der Erste Stadtrat Eberhard Weber in seiner Eigenschaft als einer von zwei Vorständen der „Bad Pyrmont AöR“, die sich als stadteigene Anstalt des öffentlichen Rechts um die Kanäle und das Klärwerk kümmert und von der die Gruppe 17 wissen will, wie es um den Hochwasserschutz in der Kurstadt bestellt ist. Millionenbeträge seien investiert worden, seit die Stadt diese Aufgabe an die AöR übertragen habe, so Weber. Alleine 2,7 Millionen Euro in den Stauraumkanal an der Solbadstraße. Zwei Generalentwässerungspläne seien erarbeitet worden – einer 2011, der andere 2014. „Sie bewerten das gesamte Abwassernetz in der Stadt nach Hydraulik und Leistungsfähigkeit mit Überflutungsprüfung“, machte er jüngst im Bauausschuss deutlich und versicheret: „Die sich daraus ergebenen Empfehlungen werden Schritt für Schritt abgearbeitet.“

In Bad Pyrmont gibt es sowohl Mischwasserkanäle, in die sowohl die Haushaltsabwässer als auch das Regenwasser eingeleitet werden, als auch reine Schmutz- und reine Regenwasserkanäle. Dabei gilt, dass ein Mischwasserkanal grundsätzlich überlaufen kann, während das bei einem reinen Schmutzwasserkanal nicht vorkommen sollte. „Das Mischwassersystem ist für uns noch einmal eine Riesenmaßnahme“, stellte Weber fest. „Da müssen wir ran.“ Alleine für vier Baumaßnahmen an Hauptverkehrsstraßen im Stadtgebiet – Schillerstraße, Solbadstraße, Bahnhofstraße, Brüderstraße und Südstraße – betreffen, haben die Experten Kosten in Höhe von fast 2 Millionen Euro ermittelt. Doch wegen der Brückenbaumaßnahmen sind sie vorerst zurückgestellt worden. Hohe Priorität haben dabei laut Weber die Schillerstraße und die Solbadstraße. Die noch ausstehenden Investitionen in das Niederschlagswassernetz machen in der Summe noch einmal rund 890 000 Euro aus. Zudem sieht das Investitionsprogramm der AöR in den nächsten drei Jahren weitere Kanalbaumaßnahmen mit einem Kostenvolumen von 1,37 Millionen Euro vor.

Um das Überlaufen von Mischwasserkanälen zu seltenen Ereignissen werden zu lassen und um die angeschlossenen Kläranlagen vom Regenwasser zu entlasten, werden üblicherweise Regenrückhaltebecken beziehungsweise -mulden installiert, von denen es im Stadtgebiet fünf gibt. Nach den Erkenntnissen aus dem Generalentwässerungsplan reicht das aber nicht aus. Der empfiehlt den Bau von Retentionsanlagen mit einem Fassungsvermögen von 6100 Kubikmeter. Kostenpunkt: 1,65 Millionen Euro. Dazu kommen noch zwei Regenklärbecken für rund 185 000 Euro. Doch wohin damit? Platz dafür wäre nur in den Emmerwiesen. Mit dem Landkreis hat sich die AöR darauf geeinigt, diese Maßnahmen zurückzustellen, bis die anderen Kanalbaumaßnahmen zur Verbesserung der Hydraulik erledigt sind.

Doch auch die Millioneninvestitionen haben nicht geholfen, die Folgen des Starkregens am 8. Juni zu verhindern. „Großregenereignisse sind eine schwierige Geschichte“, meinte Weber dazu. Und Co-AöR-Vorstand Hans-Joachim Böhnke stellte fest: „85 Liter Niederschlag pro Quadratmeter binnen 45 Minuten hatten wir in Bad Pyrmont noch nie.“ Generell seien in Holzhausen die meisten Schäden links und rechts der Hohenborner Straße entstanden. Vor allem von den Feldern sei damals viel Lössboden weggeschwemmt worden, der dann auch noch die Abwasserrohre zugeschlammt habe, so Böhnke. „Die Hydraulik passte, aber es floss sehr viel Schlamm.“ Deshalb wolle der Landkreis mit dem Landwirt über die künftige Bewirtschaftung abschüssiger Flächen sprechen.

Ausschussmitglied Oliver Steinwedel (FDP) zeigte Verständnis für die Probleme der AöR: „Schmutzwasser kann man sehr gut abschätzen, aber nicht Regenereignisse.“ Deren Folgen seien ärgerlich, aber trotz sauberer, dichter und funktionierender Kanäle nie ganz auszuschließen.

Volker Klingler gehört zu den Betroffenen, deren Grundstücke beim Starkregen abgesoffen waren. Was ihn mit Blick auf künftig zu erwartende Starkregenfälle vor allem interessiert und was er unlängst in der Einwohnerfragestunde von der Verwaltung wissen wollte: „Gibt es im Rathaus eine Grundlagenermittlung über den Umfang der Schäden, auch bei privaten Betroffenen?“ Darin sähe der Holzhäuser Anlieger die Grundlage für weitere Planungen, um künftig solche Schäden vermeiden zu können. So eine Ermittlung gibt es allerdings nicht

Auf Nachfrage der Pyrmonter Nachrichten erklärte Lars Diedrichs, Fraktionsvorsitzender von WiR und federführend beim Antrag der Gruppe 17, dass man schon erkenne, dass sich die AöR ernsthaft mit dem Thema befasse. „Allerdings fehlt uns noch eine Übersicht darüber, was konkret noch getan wird, um die Situation weiter zu verbessern“, fügte er hinzu.



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