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Vierte Bohrung am Altenauplatz fördert viel breiigen Löss zutage

Wie stabil ist der Untergrund?

BAD PYRMONT. Ist der Untergrund am Altenauplatz stabil genug für das große „Stadtpalais“, das der Lügder Möbelgroßhändler Dieter Hilpert hier bauen will? Und, falls nicht: Wie könnte der Boden stabilisiert werden? Antworten auf diese Fragen sollen die Ergebnisee der jetzt vorgenommenen vierten Aufschlussbohrung geben.

veröffentlicht am 28.06.2016 um 19:30 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:25 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Baugenehmigung her!“, ruft – wohl eher scherzhaft – einer der Umstehenden auf dem Altenauplatz. Da schraubt der mächtige Bohrer aus 8 bis 9 Metern Tiefe gerade jede Menge grauer Pampe aus dem Boden unterm Pyrmonter Altenauplatz. Am Ende der alles in allem etwa sechsstündigen Aktion wird der Bohrer bis zu 10 Meter tief in den Boden gedrungen sein. Ab 8,50 Meter unter der Erde finden sich dann erste Sandsteinstücke im ansonsten breiigen Löss.

Warum der Unternehmer Dieter Hilpert, nach ersten Bohrungen Ende Februar 2015, auf seinen Grundstücken nun erneut die Beschaffenheit des Untergrunds untersuchen lässt? Auf diese Frage gibt es vor Ort keine erhellende Auskunft. Der Lügder Bauunternehmer Uwe Stumpe verweist an die Fachleute. Aber auch die Geologen halten sich bedeckt. „Wir verdichten mit der Bohrung die Kenntnisse über den Untergrund“, sagt Dr. Axel Rogge nach Rücksprache mit einem vor Ort anwesenden Vertreter des Investors. Ansonsten sagt er noch, in diesem Bereich sei ein „hohes Maß an Aufmerksamkeit gefordert“.

Rogge gilt als Kenner des Pyrmonter Untergrunds. Denn schon vor 20 Jahren tauchte er hier inhaltlich tief. Der Titel seiner 2001 veröffentlichten Doktorarbeit lautete „Die Geologie und Hydrogeologie im Raum Bad Pyrmont unter besonderer Berücksichtigung des Quellensystems“. Seither hat Rogge das Staatsbad Pyrmont und die Stadt bei diversen Bauvorhaben im Stadtgebiet mit Blick auf den Heilquellenschutz beraten und die Bauvorhaben hydrogeologisch begleitet.

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  • Der letzte Bohrkern ist zutage gefördert. In etwa zehn Metern Tiefe finden sich immer mehr Sandsteinbrocken im breiigen grauen Löss.
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  • Wie stabil ist der Untergrund? Diese Frage sollte am Montag die vierte Aufschlussbohrung beantworten. Fotos: jl

Was der Bohrer nun am Altenauplatz zutage fördert, guckt sich der Experte denn auch ganz genau an. Er fährt mit dem Finger über den grauen Brei im Bohrer-Gewinde, knetet die feuchte Masse in der Hand und riecht daran. Konkrete Aussagen trifft er derweil nicht. Die dürften in sein Gutachten zu den Folgen der vorgesehenen Bodeneingriffe für den Bau des „Stadtpalais“ anstelle der historischen Pensionshäuser einfließen. Das Gutachten erstellt Rogge im Auftrag von Investor Hilpert. Mit Blick auf das Wasserverhalten unter der Erde dürfte er dabei auch die Nachbarhäuser im Blick haben.

Gegen Ende der Aktion wird noch ein langer, dünner Schlauch ins Bohrloch hinabgelassen. Ein daran angeschlossener Sensor soll ein eventuelles Vorkommen von CO²-Quellgas in der Tiefe ermitteln. Was die Messung ergibt, sagen die Experten nicht.

Auch ein Nachbar verfolgt die Bohrung. „Mir wäre es am liebsten, wenn die alten Gebäude stehenbleiben können“, sagt der Mann. Eine ehemalige Mieterin habe ihren Auszug aus seinem Haus mit ihrer Angst vor künftigem Baulärm begründet.

Ein anderer Pyrmonter zählt ebenfalls zu den wenigen außenstehenden Beobachtern der Bohrung. Er selber habe beide Häuser vor etwa fünf Jahren kaufen wollen, erzählt der Handwerker. Die damaligen Vorgaben der Stadt hätten seinen Plan jedoch vereitelt, bedauert er mit Blick auf die seinerzeit geforderte kurdienliche Nutzung sowie das Vorhalten von genügend Parkplätzen. „Aber diese Regeln gelten nun wohl nicht mehr“, glaubt er.

Mit Blick auf die im Auftrag des Eigentümers an den Fronten des „Kurhaus am Park“ und des „Haus Rieth“ angebrachten Warnschilder schüttelt der Handwerker den Kopf. „Das mit der Einsturzgefahr kann ich nicht glauben“, sagt er. Und ist sicher: „Die Häuser könnte man wieder herrichten.“ Er habe sie von innen gesehen. Mit Blick auf die aktuellen Abriss- und Neubaupläne fragt er: „Wozu haben wir denn überhaupt einen Denkmalschutz?!“

Um den geht es nun indes nicht. Vielmehr soll die Bohrung die Tragfähigkeit des Untergrundes abschätzen helfen. 2015 hatte die Kreisverwaltung Hameln-Pyrmont bereits drei Bohrungen genehmigt, wie Udo Hagemann von der Unteren Wasserbehörde des Landkreises auf Anfrage erklärt. Eine der Bohrungen sei zwischen den beiden ehemaligen Pensionshäusern gesetzt worden, eine zweite im hinteren Grundstücksbereich und die dritte in unmittelbarer Nähe der aktuellen. „Aber die Bohrung war damals weniger tief“, sagt Hagemann.

Dabei soll man auf eine Quellsinter-Bank gestoßen sein. Nun habe der Gutachter sicherstellen sollen, dass diese geologische Formation eine „nur punktuelle Situation“ gewesen sei, ist zu hören. Dass man aktuell nicht auf Quellsinter traf, verschaffe größere Planungssicherheit. Gleichwohl dürfte der Boden für Dieter Hilperts großes, schweres Gebäude wohl mit tief in den Boden einzubringenden Gründungspfählen stabilisiert werden müssen.

Und wie geht es nun weiter? Wann werden die um das hydrogeologische Gutachten erweiterten Unterlagen zur Bauleitplanung am Altenauplatz erneut öffentlich im Pyrmonter Rathaus ausgelegt? „Das muss alles noch vorbereitet werden“, sagt Bad Pyrmonts Baudezernent Matthäus Schmidt auf Anfrage. „Vor der Sommerpause wird das nichts mehr.“ Die Planer seien noch nicht soweit. Man müsse auf die Bewertung der Bohrungen warten.



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