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Beamter mit Spezialauftrag: Wolfgang Siefert ist Autogrammjäger im Auftrag der Stadt Bad Pyrmont

Wie Karin Stoiber ins Goldene Buch kam

BAD PYRMONT. Ein Bundespräsident, Ministerpräsidenten im Dutzend, ein Seeheld und eine Schauspielerin: Sie alle – vielmehr ihre Unterschriften– sind im Goldenen Buch der Stadt Bad Pyrmont vereint. Seit 2006 kümmert sich Wolfgang Siefert darum, dass sich wichtige Gäste hier verewigen.

veröffentlicht am 03.08.2016 um 15:45 Uhr
aktualisiert am 24.01.2019 um 14:12 Uhr

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Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Wolfgang Siefert weiß es noch ganz genau. „Am 1. August 1972 habe ich als Auszubildender bei der Stadtverwaltung angefangen, und am 17. August 1972 kam Bundeskanzler Willy Brandt nach Bad Pyrmont. Er hielt in der Wandelhalle eine Rede und trug sich dann in das Goldene Buch der Stadt ein.“ Damals war Siefert nur Zuschauer, seit 2006 muss sich der Sprecher der Stadtverwaltung sozusagen als amtlich bestellter Autogrammjäger darum kümmern, dass prominente Besucher nicht abfahren, ohne sich in das Goldene Buch eingetragen zu haben. „Und das machen eigentlich alle gerne und empfinden es nicht als lästige Pflicht“, so eine Erfahrung.

Das Buch gibt es seit 1950, und es spiegelt ein Stück Geschichte der Kurstadt wider. Ranghöchster Gast ist bis heute Bundespräsident Theodor Heuss, der 1953 die damalige Bundesversorgungskuranstalt besichtigte. Im Herbst 2006, als die Ministerpräsidentenkonferenz in Bad Pyrmont unter Leitung von Christian Wulff tagte, ging der Stadt der damalige Bundespräsident Horst Köhler durch die Lappen. „Die Sicherheitsvorkehrungen waren so hoch, dass ich das Buch nur im Hotel Steigenberger abliefern konnte“, so Siefert. „Und mit der Unterschrift Köhlers hat das dann leider nicht geklappt.“ Und von den 16 Ministerpräsidenten hatten nur 13 unterschrieben. Auch die Unterschrift des bayerischen Landeschefs Edmund Stoiber fehlt. Dafür trugt sich dessen Ehefrau Karin Stoiber ein. Warum, weiß Siefert nicht. Bekannt ist aber, dass ihr Mann keiner TV-Kamera aus dem Weg gehen konnte, es Frau Stoiber aber sehr eilig hatte und zum Aufbruch drängte. Möglicherweise unterschrieb sie, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Wer weiß ...

Bundes- und Landesminister finden sich reihenweise im Goldenen Buch – angefangen beim damaligen Außenminister Klaus Kinkel bis hin zum Kanzleramtsminister und heutigen DRK-Präsidenten Rudolf Seiters. Dass sich dazwischen mit Marie-Luise Marjan – bekannt als Mutter Beimer aus der Lindenstraße – auch eine Schauspielerin findet, ist eher ungewöhnlich. Sie war 1992 zur Fastenkur in Bad Pyrmont. Im selben Jahr entschied die Stadt, ein Gästebuch als Alternative anzulegen, um die Einträge im Goldenen Buch „nicht inflationär werden zu lassen“, wie es Siefert begründet. „ Wer sich eintragen darf, das entscheidet heute der Bürgermeister.“

Die Schauspielerin Marie-Luise Marjan – bekannt als Mutter Beimer aus der Lindenstraße – hätte man nicht unbedingt im Goldenen Buch der Stadt Bad Pyrmont erwartet, das Wolfgang Siefert hier in den Händen hält. Fotos: uk

Zu den Einträgen, auf die er besonders hinweist, gehören die des Nobelpreisträgers Max Born (1882-1970), der seine letzten Lebensjahre in Bad Pyrmont verbrachte und die des Kommandanten des Hilfskreuzers SMS Seeadler im Ersten Weltkrieg und Schriftstellers Felix Graf von Luckner, der 1956 als Kurgast Bad Pyrmont besuchte.

Der vorerst letzte Eintrag stammt vom russischen Generalkonsul aus Hamburg, Ivan Khotulev, der dem Fürstentreff einen Besuch abstattet. Der hatte in diesem Jahr daran erinnert, das Zar Peter der Große vor 300 Jahren in Bad Pyrmont zur Kur war. Hätte es damals schon ein Goldenes Buch gegeben, stände der russische Monarch sicherlich drin.



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