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Demuth und Alfter verteidigen ihren Alleingang von 2005

Wie alt ist das Riesenbett wirklich?

BAD PYRMONT. Bad Pyrmonts früherer Bürgermeister Klaus-Henning Demuth und der frühere Museumsleiter Dr. Dieter Alfter haben ihren Alleingang von 2005 verteidigt, das Riesenbett des Grafen von Gleichen als Leihgabe der Vest Wachsenburg zu überlassen. Allerdings können sie sich auch eine Rückkehr des Möbels vorstellen.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 14:09 Uhr
aktualisiert am 26.11.2018 um 18:26 Uhr

Für die Veste Wachsenburg in Thüringen spielt die Sage um das Riesenbett eine besondere Rolle. Foto: Adelheid Ebbinghaus
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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„Die Geschichte des Bettes kann man bestimmt vermarkten“, sagte Demuth im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir haben es jedenfalls nicht einfach so weggeben“, verteidigt er sich. „Herr Dr. Alfter hatte als Museumsleiter darum gebeten, das Bett als Leihgabe an die Veste Wachsenburg zu geben, weil es aus seiner Sicht keine besondere historische Bedeutung hat“, so der damalige Bürgermeister. „Ich habe auf seine fachliche Meinung gehört und das so entschieden“, weist er die jüngst wieder aufgeflammete Kritik daran zurück, dass weder er noch Alfter zuvor weder Heimatbund noch den Museumsverein konsultiert worden waren und Bad Pyrmont seitdem eine Attraktion fehle.

„Warum hätten wir das auch tun sollen“, bekräftig Alfter, der nach wie vor die Auffassung vertritt, dass es sich bei dem Bett um einen Nachbau des frühen 20. Jahrhunderts handelt, der an eine mittelalterliche Geschichte des Grafengeschlechts der von Gleichen erinnert. Damals wurde vom Papst eine Ehe des Adeligen mit gleich zwei Ehefrauen legitimiert und entsprechend groß war das Bett. Auf der Veste Wachsenburg spielt diese Sage eine besondere Rolle.

Laut Alfter und Demuth hatte die damalige Entscheidung für die Stadt nur Vorteile. Das Bett habe sich in einem schlechten Zustand befunden und die Eigentümer der Veste hätten sich verpflichtet, das Bett sachgemäß zu restaurieren und auf Bad Pyrmont als Eigentümer hinzuweisen.

Die damalige Vorsitzende des Heimatbundes, Renate Ortlepp und der Autor Dirk Koch, der sich intensiv mit der Geschichte der Grafen von Gleichen befasst hat, vertreten die Auffassung, das zumindest Kopf- und Fußteil des Bettes aus der Zeit der Renaissance, konkret aus dem 16. Jahrhundert, stammt und dem Grafen Hermann Simon zu Lippe als Prunkbett diente. Alfter, der als Kunsthistoriker über historische Möbel promoviert hat, vertritt eine andere Auffassung. „Es gibt nur etwa 10 Betten aus dieser Zeit und die sehen ganz anders aus. Eines davon steht im Schloss Hämelschenburg.“

Wie dem auch sei: Das Alter des Bettes ließe sich durch eine dendrochronologische Untersuchung zweifelsfrei feststellen. „Sollte sich herausstellen, dass das Bett aus der Renaissance stammt, dann müssten wir damit auch ganz anders umgehen“, gibt Alfter zu bedenken, der sich aber offenbar ganz sicher ist, dass es nicht so ist. Denn andernfalls müsste er sich die Frage nach dem seinerzeitigen Umgang mit dem Bett stellen lassen, das bis 2004 im Keller der Stadtbibliothek schimmelte.

Das Bett gehört der Stadt, die alleine entscheiden kann, ob sie es zurückholt oder nicht, auch wenn die Vorsitzende des Heimatbundes Adelheid Ebbinghaus fordert, an der Entscheidung beteiligt zu werden. Immerhin: „Das ist ein Gedankenspiel für ganz viele Betroffene“, betont Alfter heute. Und auch Demuth schließt eine Rückkehr nicht aus. „Wenn die Stadt ein Konzept hat, wo und wie sie es ausstellen will, dann kann ich mir vorstellen, dass auch der Museumsverein mitzieht.“ Beide warten nun darauf, mit einem Vertreter der Stadt die Veste Wachsenburg zu besuchen, um sich das Bett anzusehen. Zumindest das Misstrauen ihrer Kritiker wird sie auf der Fahrt begleiten.



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