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Warum das Staatsbad „Rasenkurzhalte“-Roboter testet

Wer schnurrt denn da durchs Gras?

Bad Pyrmont. Wer durch den Kurpark spaziert oder auf einer Bank pausiert, „will Vögel zwitschern und die Springbrunnen plätschern hören“, sagt Michael Mäkler. „Aber keine Rasenmäher.“ Klar, dass den für Bad Pyrmonts grüne Oase verantwortlichen Gärtnermeister deshalb eine deutlich leisere Alternative interessiert: der Mäh-Roboter. Ein spontan bereitgestelltes Testgerät trat jetzt seinen Dienst auf einer rund 400 Quadratmeter großen Rasenfläche vor der Steigenberger-Terrasse an. „Hier ist das Mähen sonst schwierig“, sagt Mäkler. „Denn es darf weder die Terrassengäste stören noch das Kurkonzert.“

veröffentlicht am 13.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 16:37 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das Problem stellt sich mit dem Roboter, der optisch als platter Bodenstaubsauger ohne Schlauch durchgeht, nicht. Denn „Miimo“ summt bei der Arbeit kaum hörbar vor sich hin. Fährt er auf einen im Weg stehenden Schuh, dann piept’s ein paar Sekunden. Aber die Zehen bleiben dran, und sogar das Leder kommt ungeschoren davon. Nur wenn ein Dieb zugriffe, schlüge er laut Alarm. Aber das Risiko scheint gering. Denn ohne die diversen im Boden versenkten und speziell auf die zu pflegende Fläche getakteten Zubehörteile hätte ein Dieb keine Freude an der Beute.

So leise der Neuling zu Werke geht, so viel Aufmerksamkeit wird ihm im Park zuteil. Während der vom Hersteller mitgeschickte Roboter-Spezialist noch die Schnitthöhe programmiert, löchern ihn schon die ersten Neugierigen mit Fragen über das unbekannte Mähobjekt. Dann erzählt Thomas Hind vom 40-Volt-Schleifensignal. Das verhindert, dass Miimo über den Rasen hinausrollt und gleich noch ein paar Begonien ankaut oder sonstwie durchdreht. „Wenn er eine Störung hat, geht er nicht auf Verwüstungstour, sondern macht gar nichts“, beruhigt Honda-Kundendienstchef Kai Cvetko aus Frankfurt. Natürlich sollte der Rasen vor dem Einsatz auf lose Gegenstände kontrolliert werden. „Aber über Tannenzapfen oder Kirschen hoppelt er drüber.“

Mit herkömmlichem Mähen hat der Betrieb des Akku-betriebenen Hightech-Teils indes wenig zu tun. Denn anders als ein richtiger Rasenmäher surrt der Kleine nach dem Motto „Stetes Schnippeln kürzt den Halm“ übers Grün. „Das ist kein Mäher, sondern ein Rasenkurzhalter“, sagt Cvetko über den 12-Kilo-Automaten, dessen Akku maximal 90 Minuten hält, bevor der die Messer einklappt und seine Ladestation ansteuert. „Es wird ein paar Tage dauern, bis er hier alles gemäht hat.“ Dann erst hätten sich Roboter und Rasen aneinander gewöhnt, und Miimo halte den Rasen an zwei, drei Tagen pro Woche so kurz wie gewünscht. Sind die Halme, wie jetzt, noch zu lang, dann rollt er entweder einfach drüber oder die unter seiner weißen Plastikhaube rotierenden Messer machen Geräusche, die überfordert bis verzweifelt klingen.

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  • Es rollt und mäht der Heinzelmann… – bis „Rasenkurzhalter“ Miimo einmal rum ist, dauert es ein paar Tage.

Apropos: Dass Leute, die annähernd 3000 Euro für einen solchen Roboter zahlen, zum Vermenschlichen ihres elektrobetriebenen Helfers neigen, hat Kai Cvetko wiederholt erlebt. „Manche geben ihrem Gerät Namen“, erzählt er. „Ich kenne auch jemanden, der hat die Ladestation in einer Extra-Hundehütte mit „Hier wohnt“-Schild am Eingang stehen.“

So nützlich ein solcher Roboter sein kann, wie ihn mittlerweile etwa ein halbes Dutzend Hersteller in Deutschland anbietet, so gefährdet er doch keinesfalls die Jobs der neun Kurpark-Gärtner im Außeneinsatz, betont Michael Mäkler auf Nachfrage. „Aber unsere guten Fachleute haben etwas mehr Zeit für andere Arbeiten. Und davon gibt es hier genug.“ 2012 verbrachten seine Mitarbeiter allein 4000 Stunden mit der Pflege der Sommerblumen-Beete. „Der Großteil der Zeit war Unkrautbekämpfung.“

Abgesehen davon: Einer wie Miimo hält maximal 3000 Quadratmeter Rasen kurz und wird deshalb wohl nur in ausgewählten, besonders sensiblen Bereichen zum Einsatz kommen. Aber, so Mäkler: „Unser Kurpark hat sieben Hektar Rasenflächen.“ Somit wird den Besuchern das vertraute Dröhnen der von Menschenhand geleiteten Mäher erhalten bleiben. Beruhigend irgendwie.



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