weather-image
Neun Sandsteinfiguren stehen jetzt bis zum Herbst im Rosarium des Kurparks

Wenn Skulpturen sprechen

BAD PYRMONT. „Manchmal höre ich sie wispern“, verriet der Bildhauer Dr. Wolfgang Brückle das Geheimnis der von ihm geschaffenen Stein-Skulpturen und wünschte auch den Betrachtern im Bad Pyrmonter Kurpark, dass sie zu ihnen sprechen mögen. Denn sie hätten was zu erzählen, war er sich sicher. Sei der Stein doch ein Kind längst vergessener Zeit, das im Laufe seiner Existenz schon viel erlebt habe. Unter anderem Metamorphosen, an denen auch Dr. Brückle beteiligt war. „Upcycling“ ist der eher technische Begriff für dessen Herausarbeiten von Gestalten aus den Sandsteinen, die von Abbruchhäusern der Altstadt Kronachs stammen.

veröffentlicht am 30.05.2016 um 18:19 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

270_0900_288_pn_yt_kurpark_brueckle_3105.jpg

Autor:

Carlhermann Schmitt
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Neun Sandsteinfiguren stehen jetzt bis zum Herbst im Rosarium des Kurparks bereit, den Betrachtern zu erzählen, vom Übermut wie der gefallene Engel, der schon danach aussieht, als steige er gleich wieder auf, vom Schmerz, wie die Figur, die sich von allem Äußeren abschottet, als hoffe sie, die Qualen damit auch fernzuhalten und vom Aufbruch, wie der Mann im Rad, der es gerade anzuschieben scheint in der Hoffnung, dass es ihn zu neuen Ufern bringe und er nicht im Hamsterrad des Alltagstrotts ein Sisyphos-Leben mit Steine-Rollen verbringen muss.

„Aus dem Sandstein des fränkischen Kronachs wurden der Berliner Reichstag und Schloss Herrenchiemsee errichtet“, berichtete Dr. Brückle bei der Vernissage von dem berühmten Baustoff, der sich stets verändert. Aus dem Fels gehauen wurde der Sandstein zum Baumaterial. Dann galt es für den Künstler mit dem Werk im Kopf, den Stein von allem Überflüssigen zu befreien. Der Stein hat Mitspracherecht an seiner Metamorphose: Einschlüsse und Haarrisse vereiteln so manches künstlerische Konzept, erzwingen neue Formspiele. Der Stein lebt, auch nach der Formvollendung. „Es ist keine Vollendung, die Metamorphose geht weiter. In der Natur wird er dunkler und wird nach Jahren Arrosionen zeigen.“

Die Wortwahl mag Hinweis sein: Dr. Wolfgang Brückle ist Mediziner. „Seit 1990 war er als leitender Rheumatologe in Bad Nenndorf und der Fürstenhofklinik Bad Pyrmont tätig“, stellte Kurdirektor Maik Fischer den Künstler vor und verknüpfte in seiner Ansprache das Heilwesen mit der Kunst, die sich der Essenz des menschlichen Lebens widme und im Zusammenspiel Körper und Psyche transzendiere. Dr. Brückle sucht in der meditativen Betrachtung nach der Essenz des Steins, der er dann mit Hammer und Meißel Geltung zu verschaffen sucht. „Alle Bildwerke zeigen aber immer noch unbehauene Stellen.“ Ist die Essenz also nur ein Teil dessen, was das Gesamtwerk ausmacht? Oder erinnert die Offenlegung dieser Essenz durch den Bildhauer an Schrödingers Katze? Der Künstler mag dadurch vielleicht zeigen, dass genau diese jetzt im Bad Pyrmonter Kurpark bis zum Herbst zu betrachtenden Formen nur für diesen Moment Gültigkeit haben.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare