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Verdacht auf Noro-Infektion bei 46 Menschen in Pyrmonter Senioren-Hotel und Fachklinik

Wenn fiese Viren den Urlaub versauen

Bad Pyrmont. Eine akute Magen-Darm-Infektion setzt derzeit vielen vorwiegend betagten Gästen eines Pyrmonter Pflegehotels zu. Die speziell auf ältere Urlauber zugeschnittene Einrichtung ist einer benachbarten Rehaklinik angegliedert. „Bisher sind uns insgesamt 46 Fälle bekannt“, sagte am Dienstag ein Klinik-Mediziner auf Anfrage. Um welche Viren es sich handle, sei noch nicht geklärt, hieß es offiziell weiter. Die ersten Erkrankungen seien am zweiten Weihnachtstag aufgetreten. Nach Angaben von Hotelgästen ging es ihnen aber bereits am ersten Feiertag schlecht.

veröffentlicht am 31.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:16 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Nachdem immer mehr Menschen erkrankt waren, wurden die Urlauber nach eigenen Angaben am Sonntagabend darüber informiert, dass Noroviren die Infektionen ausgelöst haben dürften. Aktuell erklärte der Arzt nun: „Wir haben noch keinen mikrobiologischen Nachweis.“ Da die Rehaklinik über kein eigenes Labor verfüge, seien die Proben ins Bathildiskrankenhaus geschickt und von da wiederum an ein Speziallabor in Hannover weitergeleitet worden. „Von dort haben wir aber noch keine Nachricht.“ Angesichts des akuten Auftretens der Brechdurchfall-Symptome liege der Verdacht auf Noroviren jedoch sehr nahe. „Es passt auch in diese Jahreszeit.“

Nach Schilderungen von Hotelgästen erfuhren sie beim Essen im Speisesaal davon. Was eine Urlauberin ärgerte: Es habe längst nicht für jeden Gast einen eigenen Info-Zettel gegeben. Und die Verhaltensregeln seien in einem „Kasernenton“ formuliert gewesen.

Diese Kritik will der Arzt mit Verweis auf die stets um Fürsorge bemühten Mitarbeiter des Hauses nicht gelten lassen und wirbt um Verständnis. „Wir müssen die Regeln so gestalten, dass sie jeder versteht.“

Norovirus-Infektionen kommen zwar immer wieder vor. Und doch treten sie Fälle allem Anschein nach nicht so regelmäßig auf, dass der Umgang mit dem Problem allerorten reine Routine wäre. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass das Hamelner Gesundheitsamt von dem in Gemeinschaftseinrichtungen meldepflichtigen Noro-Verdacht erst gestern Kenntnis erhielt – durch einen anonymen Hinweis, kurz nach der ersten Telefonanfrage der Pyrmonter Nachrichten in der Klinik. Dort hätte man die Behörde eigentlich schon früher offiziell informieren müssen. Denn laut bundesdeutschem Infektionsschutzgesetz ist allein der Verdacht auf eine akute infektöse Gastroenteritis meldepflichtig. Dazu genügt es, wenn auch nur zwei oder drei Menschen zum Beispiel in Krankenhäusern, Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, Schulen oder Kindergärten an denselben Symptomen leiden.

„Nach dem Hinweis sind wir sofort tätig geworden“, sagt Michael Wyrwoll vom Gesundheitsamt. Er habe von der Reha-Klinik eine Liste der Maßnahmen angefordert, die dort ergriffen worden seien, um die Infektionswege zu reduzieren.

„Im ganzen Haus hängen Informationen aus, und unsere Mitarbeiter sind ebenfalls geschult“, benennt der Pyrmonter Klinik-Arzt zwei der Maßnahmen. Dazu zählen auch das Abschließen sonst geöffneter Verbindungstüren zwischen den Trakten sowie die Isolierung nachweislich erkrankter Gäste. Zudem habe man ein externes Hygiene-Unternehmen eingeschaltet.

Falls Hotelgäste Anlass zu Beschwerden gehabt hätten, so bedauerten das die zwischen den Jahren diensthabenden Mitarbeiter der Klinikleitung. Sie könnten sich nicht vorstellen, dass zum Beispiel die Bitte erkrankter Urlauber nach Brühe erst nach Tagen erfüllt worden sei. „Das sind doch zahlende Besucher“, hatte die Angehörige eines Gastes sich empört. „Sie wollten doch einfach nur Urlaub machen.“

Die Quelle für den Ausbruch der Infektion ist bislang unbekannt. Da sich erst am Dienstag der erste Mitarbeiter mit Symptomen krankgemeldet habe, schließe man aus, dass jemand vom Personal das Virus eingeschleppt haben könnte, sagte der Arzt. Verunreinigte Lebensmittel – das Essen wird von einem externen Caterer geliefert – kämen ebenfalls nicht in Betracht. Hinzu komme: Egal, was die Ursachenforschung ergebe – die Hygieneregeln unterschieden sich nicht. Das bestätigt auch Michael Wyrwoll vom Gesundheitsamt: „Die Maßnahmen bleiben die gleichen.“ Wie Hotel und Klinik auf die Infektionen regieren, sollten sie noch gestern für die Hamelner Behörde auflisten. Aber der befragte Klinikarzt ist zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass sich das Ganze Ende der Woche stabilisiert hat.“

Übrigens: Ins Bathildiskrankenhaus wurden laut dem leitenden Chefarzt Dr. Joachim Hertel in den vergangenen Tagen keine Patienten mit Norovirus-Verdacht eingeliefert. „Unsere Isolierstation ist im Moment frei“, sagt der Mediziner. Vor gut einem Monat hätten hingegen mehr Menschen im Pyrmonter Raum unter Magen-Darm-Erkrankungen gelitten. Noroviren seien da jedoch nicht nachgewiesen worden.

Winzig klein und folgenschwer: Wer sich mit dem Norovirus infiziert, kann durch den Brechdurchfall erhebliche Flüssigkeitsverluste erleiden. dpa



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