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IT-Experte klärt 1200 Jugendliche über die Risiken auf, die in Computer und Handy lauern

Wenn ein Nacktfoto die Karriere verhindert

Bad Pyrmont (yt). Noch nie war die These, dass einen irgendwann alles einholt, so berechtigt wie heute, im Zeitalter des World Wide Web. „Mehr als 90 Prozent der Mädchen wurden im Internet schon sexuell belästigt“, sagt Götz Schartner. Und der Internetsicherheits-Fachmann weiß auch: Nur die wenigsten Eltern erfahren davon. Weil die aber auch kaum wissen, was zu tun ist, bleiben fast alle Angriffe ungeahndet. „Dabei ist das eine Straftat“, betont der Geschäftsführer der Internet-Sicherheitsfirma „8com“, der auch dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hilft. Und er rät Jugendlichen: „Wenn es Euch passiert, geht zur Polizei!“ Wenn das jeder mache, würden die Belästigungen deutlich nachlassen.

veröffentlicht am 09.11.2010 um 20:58 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:21 Uhr

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Im Pyrmonter Konzerthaus trifft der bundesweit gefragte Experte an diesem Vormittag auf ein neugieriges Publikum: Vielen der rund 1200 Schülerinnen und Schülern verschlägt es immer wieder die Sprache, wenn Schartner in seinem Vortrag über „Risk & Fun für Kids und Teens“ praktische Beispiele bringt. „Eine Frau schenkt ihrem Freund ein Aktfoto. Nach der Trennung stellt der es ins Internet.“ Oder: „Ein Schüler hat nichts Eiligeres zu tun als das Foto seiner Freundin seinen Kumpels zu mailen.“ Ganz zu schweigen von jüngeren Geschwistern, die anzügliche Fundstücke von den Rechnern der Großen durch die Gegend schicken.

Das Fatale: Kursieren solche Bilder erst im Netz, sind sie nicht mehr herauszubekommen. „Bei einzelnen Anbietern schon, aber es taucht immer wieder irgendwo auf.“ Auf Daten-Recherche spezialisierte Firmen hätten sogar „eine Personenerkennungssoftware, die ich selbst geprüft habe“, sagt Schartner. „Die ist so gut, dass sie selbst uralte Fotos meiner Tochter im Netz gefunden hat.“

Eine mögliche Folge von Gedankenlosigkeit oder Streichen: Liegen einem Arbeitgeber verfängliche Bilder vor, dann nützen auch die besten Noten nichts – und jemand anders kriegt den Job.

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Schartner macht klar: Es ist nicht der globale Überwachungsstaat, sondern es können sie vielen Freunde und Bekannten sein, die mit jederzeit verfügbaren Foto-Handys und launigen Twitter-Sprüchen in der Lage sind, jegliche Art von Privatsphäre der Öffentlichkeit preiszugeben. „Ich werde mit meinen Fotos jetzt wohl vorsichtiger sein“, glaubt eine Schülerin.

Vorsicht ist übrigens auch mit dem Handy geboten. Das demonstriert IT-Experte Schartner, als er per Computer diverse Telefone im Saal ortet. „Da haben wir ein ‚Hüpferhandy‘, ein ‚Ben Laden‘ oder ein ‚Käsebrötchen Stephan‘“, zählt er auf. Und auch seine Geschichte vom gehackten Mobiltelefon klingt beängstigend. Das kann er anrufen, ohne dass der Besitzer es merkt. „Ich kann den Besitzer sogar daran hindern, die Verbindung abzubrechen und kann die ganze Zeit mithören und mitunter sogar mitsehen, ohne dass er es ahnt.“ Der Grund seien Fehler in der Software. Deshalb rät Schartner: „Ladet Euch immer die neueste Firmware auf. Da sind wichtige Fehler beseitigt.“

Drei einstündige Vorträge zieht der von der Pyrmonter Stadtsparkasse organisierte Experte im Laufe des Vormittags durch - immer zugeschnitten auf das Alter seiner Zuhörer. Dass im Umgang mit den Neuen Medien Vorsicht geboten ist, hat wohl jeder begriffen, der den Konzertsaal verlässt.

„Wenn es Euch passiert, geht zur Polizei!“, rät Götz Schartner (li.) allen Mädchen, die per Internet belästigt werden. Und so manchem Jugendlichen wird mulmig zumute bei dem, was der Fachmann erzählt (oben). Einige Schüler lernen das Thema Computersicherheit ganz praktisch kennen (re.). Fotos: yt.

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