weather-image
10°

Pyrmonter Günter Dalek hat durch die Umstellung der Uhren am Wochenende alle Hände voll zu tun

Wenn die Zeit läuft

Bad Pyrmont. Am Limburger Dom schlug die Turmuhr kürzlich 13. Das passiert Günter Dalek nicht, wenn er an diesem Wochenende wieder gefordert ist, etliche Uhren der Winterzeit anzupassen. Der inzwischen 67-jährige Meister seines Faches lebt seit 1963 in Bad Pyrmont. Sein „Haus der Uhren“ feierte erst im vergangenen Jahr 25-jähriges Jubiläum.

veröffentlicht am 26.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 10:41 Uhr

270_008_6689628_pn100_2610.jpg

Autor:

von Klaus Titze
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wer sein Haus an der Förstergasse betritt, dem fällt sofort ein großes Räderwerk auf. Es ist die aus dem Jahr 1786 stammende Uhr aus dem Rittergut Posteholz, die ihm der inzwischen verstorbene Gutsherr Baron Siegfried Hanach von Alten übertrug. „In meinem Haus befindet sich auch eine Uhrmacherwerkstatt. Im Umkreis findet man kaum etwas Vergleichbares,“ sagt Dalek voller Stolz und führt in einen Bereich, den er als „Ausstellungsraum“ bezeichnet. Hunderte von Uhren an Wänden und in Vitrinen füllen den Raum. Und mittendrin wieder ein altes Räderuhrwerk. „Es stammt aus dem Jahr 1625 und war einmal die Uhr des Gutes in Welsede, eine Einzeigeruhr, bevor sie dann später mit einem Minutenzeiger ausgestattet und umgebaut worden ist“, berichtet Dalek mit leuchtenden Augen und seine Freude und Ehrfurcht gerade vor derart alter Handwerkskunst ist deutlich spürbar.

Gelassen lächelt er über die Frage, ob er denn all diese Uhren neu einstellt, wenn im Frühjahr und Herbst eines jeden Jahres die Zeitumstellung angesagt ist. „Die Uhren in meiner Wohnung stelle ich schon auf die neue Zeit ein. Hier in den Räumen allerdings kommen nur die mit den Federlaufwerken dran, denn die muss ich ständig auf Trab halten. Aber da sie als Anschauungsobjekt dienen, stelle ich sie nicht um. Die laufen alle, wie sie wollen,“ plaudert er aus dem Nähkästchen. Und wie zur Bestätigung erklingt aus einer Ecke ein Ton, der die achte volle Stunde ankündigt, begleitet vom unterschiedlichen Ticken unruhegesteuerter Laufwerke.

„Die Zeitumstellung ist mir im Grunde gleichgültig. Sie bedeutet für mich allerdings, dass ich ein gesamtes Wochenende unterwegs bin, um in der Umgebung der Kurstadt bis nach Detmold Großuhren neu einzustellen. Die Uhr vom Pyrmonter Schloss und die von Schulen, Kirchen und Museen gehören dazu. Aber keine dieser Uhren kann ich zurückstellen, da ansonsten das Räderwerk beschädigt wird“, beschreibt Dalek seine zeitaufwendige Tätigkeit. Deshalb müsse jede dieser Uhren bei der Zeitumstellung im Herbst jeweils eine Stunde angehalten werden. Diese zur Verfügung stehende Zeit nutzt Dalek für Wartungsarbeiten. „Nach dieser Stunde stimmen der alte und neue Zeigerstand überein und die Uhr wird wieder in Gang gesetzt“, berichtet er.

Bereits als Jugendlicher hat er damit begonnen, Uhren zu sammeln. Und da er für defekte Zeitmesser keinen Uhrmacher fand, der seine Zeit für eine Reparatur zur Verfügung stellen wollte, ergriff er selbst Werkzeug und Initiative. Und so habe er sich Fertigkeiten angeeignet, die ihn zur späteren Uhrmacher-Ausbildung in Oldenburg inspirierten. Seit Jahren bildet er als selbstständiger Uhrmachermeister im Pyrmonter Berufsförderungswerk den Nachwuchs für dieses filigrane Handwerk aus. Besonders stolz ist er über eine gelungene Kooperation mit der Firma A. Lange in Glashütte bei Dresden, denn anhand von Mustermodellen können seine Schüler Reparaturen selbst hochwertigster Luxusuhren lernen und mit entsprechenden Zertifikaten ausgerüstet in ihr neues Berufsleben starten.

An diesem Wochenende, wenn es durch die doppelte Stunde in der Nacht am Sonntag eine Stunde früher dunkel werden wird, ist Dalek wieder auf seiner Großuhrentour und wird an lange vertrauten, handwerklich interessanten Laufwerken für eine Stunde die Zeit anhalten.

Günter Dalek in seinem „Haus der Uhren“ an der Förstergasse.ti



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt