weather-image
25°
Ein Selbstversuch im Schrottwichteln

Wenn das Geschenk wieder weg soll

BAD PYRMONT. Weihnachten kann man so oder so sehen. Beispielsweise, ob man den Baum mit Lametta schmückt oder nicht. Ob man Gans isst oder lieber Weißwurst. Unumstößlich aber bleibt alle Jahre wieder: das Schrottwichteln. In so mancher Pyrmonter Familie ist es Kult, entweder kurz vor oder nach dem Fest. Schrottwichteln bietet eine ausgezeichnete Chance, Krempel aus dem Keller und vom Boden auf elegante Art loszuwerden. Der Nachttopf mit Blumendekor, die XXL-Taschenlampe, die bis ins Nirwana leuchtet, das unverwüstliche Kochbuch mit bayerischem Küchenkram: Vielleicht gibt es ja jemanden, der das eine oder andere schon immer haben wollte.

veröffentlicht am 26.12.2017 um 16:10 Uhr

Getränke und allerlei Schrottwichtel-Mitbringsel füllen den Tisch. In fröhlicher Runde werden die Geschenke getauscht. Foto: rr
Avatar2

Autor

Karin Heininger Reporterin
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Gastgeber – nennen wir sie Familie Mustermann – haben natürlich nur Leute mit Humor eingeladen. Wer zum Lachen in den Keller geht, hat hier nichts verloren und wird auch nichts finden.

Die Hausfrau hat lecker gekocht, der Hausherr verstaut die die von den Gästen mitgebrachten Schrott-Pakete in einen großen Sack und verteilt die schriftlich festgehaltene Gebrauchsanweisung für den Wichtel-Prozess. Doch erst nach dem Dessert beginnt das große Würfeln. Wer eine Sechs hat, darf sich ein Paket aus dem Sack nehmen, wer eine Eins hat: Päckchen zurück. Bei Zwei muss man das Objekt mit jemandem tauschen, bei Drei darf man jemandem (unter uns: dem man schon immer mal eins auswischen wollte!) ein Päckchen klauen, bei Vier sich durch großzügiges Schenken beliebt machen.

Doch Vorsicht, nicht immer hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht! Ob das in zauberhaftes Weihnachtspapier gewickelte Objekt nun eine schicke Laterne ist oder nur ein oller Bierkrug, erfährt man erst beim zweiten Würfelgang. Dann nämlich werden die Päckchen ausgepackt – und der gnadenlose Kampf um die schönsten Objekte beginnt. Da wird geklaut, was das Zeug hält. Alte Freundschaften drohen zu zerbrechen, und Höflichkeit spielt schon längst keine Rolle mehr.

Eines der beliebtesten Geschenke unter den Schrottwichtel-Präsenten – geschmückte Minibäume aus Stoff. Foto: rr
  • Eines der beliebtesten Geschenke unter den Schrottwichtel-Präsenten – geschmückte Minibäume aus Stoff. Foto: rr

Die beliebtesten Teile sind schnell ausgemacht: Zu den Favoriten zählen eine Weihnachtslaterne, eine Wärmflasche mit Hülle, auf der ein Engelchen verheißt: „Ich wärme dich“, und zwei geschmückte Minibäume aus Stoff. Absoluter Renner aber ist ein Plüschpapagei, der auf Knopfdruck alles nachplappert, was jemand spricht. Das geschwätzige Tier will jeder haben und nutzt alle Tricks, um es zu behalten: So verschwindet der Papagei zeitweise in einem ebenfalls zur Wahl stehenden Kosmetikkoffer und wird erst nach dringlicher Verwarnung herausgegeben. Als dann die klingelnde Eieruhr das Würfeln gnadenlos beendet, ist der Papagei ultimativ bei Familie Mustermann gelandet – durch die großzügige Gastfreundschaft verdient, aber ganz legal erworben. Wir Übrigen machen uns gut gelaunt mit dem Rest auf den Heimweg. Und sind uns einig: Egal, was jeder bekommen hat – das schönste Geschenk des Abends waren die Freude und das unbeschwerte, herzhafte Lachen, das wir uns gegönnt haben.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare