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Rentnerin beklagt großen Notdienst-Bezirk

Wenn abends noch Tabletten hermüssen

Bad Pyrmont. Margret K. hat noch immer ein mulmiges Gefühl, wenn sie an den Abend zurückdenkt, als es ihr schlecht ging und sie ohne den Einsatz ihres Sohnes ziemlich hilflos gewesen wäre. Eine Infektion plagte die 84-Jährige. Das zunächst vom Arzt verordnete Medikament erwies sich als zu niedrig dosiert und brachte keine Erleichterung. Eine Ärztin, wegen starker Schmerzen am Abend über die Rufnummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes herbeigeholt, verschrieb ein stärkeres Mittel. Doch da war es inzwischen 22 Uhr, und laut Plan hatte an diesem Abend keine örtliche Apotheke Nachtdienst.

veröffentlicht am 28.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

Karin Heininger und Juliane Lehmann
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„Mein Sohn rief verschiedene Apotheken in der Umgebung an. Die planmäßige hatte ihren Dienst getauscht, eine andere diensthabende das verordnete Medikament nicht vorrätig. Eine Apotheke in Hameln hatte schließlich das Präparat, und so ist er kurz vor Mitternacht noch nach Hameln gefahren und hat meine Medizin besorgt“, erzählt die Seniorin.

So erleichtert sie war, so kommt sie doch ins Grübeln: „Was hätte ich machen sollen, wenn mein Sohn nicht in Bad Pyrmont wohnen würde?“ Andere alleinstehende Menschen seien hier arm dran. Denn nicht jeder könne sich ein Taxi bis nach Steinheim oder Aerzen leisten, sagt die Rentnerin, die sicher ist, dass das Problem auch andere betrifft.

Auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst teilen sich Ärzte aus einem größeren Umkreis. Und mit deren Verschreibungspraxis sind die Apotheker vor Ort längst nicht so vertraut wie mit der des Hausarztes nebenan. Die Folge: Die haben nicht jedes angegebene Medikament im Schrank.

Mit Blick auf Margret K.s Erfahrung räumt der Pyrmonter Apotheker Andreas Toppka ein, dass Beschwerden wie diese durchaus erwartet worden seien, als das neue Notdienst-System nach einer Regelung der Apothekenkammern Niedersachsen und Westfalen-Lippe am 1. Januar 2012 in Kraft trat. Was der Inhaber der Lortzing-Apotheke, der den Dienstplan für die Apotheken erstellt, jedoch festgestellt hat: Die Realität habe gezeigt, dass die Kunden flexibler mit der neuen Regelung umgingen als erwartet.

„Nachdem sich das System eingespielt hat, kommen kaum noch Proteste oder Kritik“, gibt der Apotheker seine Einschätzung wieder. „Vor allem haben die Menschen sich offenbar darauf eingestellt, sogenannte Bagatell-Einkäufe wie Pflaster oder Hustenbonbons während der normalen Öffnungszeiten zu erledigen und nicht beim Notdienst – was früher durchaus öfter der Fall war“, berichtet der seit 25 Jahren in der Kurstadt ansässige Pharmazeut. Er rät außerdem zu einer gewissen Vorsorge, nämlich den Inhalt der eigenen Hausapotheke immer wieder zu überprüfen und zu ergänzen – vor allem, wenn es um regelmäßig notwendige Medizin geht.

Grundsätzlich sei der Notdienst für den Raum Bad Pyrmont und Lügde so geregelt, dass es eine maximale Entfernung von 20 Kilometern bis zur diensthabenden Apotheke gebe – was in Großstädten durchaus nicht selten sei. „Vergessen werden sollte auch nicht, dass es an jedem Sonntag, an dem keine örtliche Apotheke Bereitschaftsdienst hat, zwischen 17 und 18 Uhr einen Zusatzdienst in einer der acht örtlichen Apotheken gibt“, sagt Toppka.

Dennoch stehen sowohl Apotheker als auch ihre Kunden immer wieder vor Herausforderungen. Zum Beispiel dann, wenn jemand am Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen wird und auf ein ganz spezielles Medikament angewiesen ist, das die Notdienst-Apotheke aber nicht vorhält. Oder, wenn Kurgäste auf der Matte stehen, die ihre Tabletten zu Hause vergessen haben und nun ohne Rezept um ihr Mittel bitten.

Hier gilt die Regel: Rezeptpflichtige Arzneien dürfen nicht einfach so herausgegeben werden. Wer das dennoch tut und hinterher von seinem zunächst dankbaren Kunden verklagt wird, hat ein Problem.

Apotheker, die den Arzt des Kurgasts am Heimatort anrufen, um sich das benötigte Rezept schnell faxen zu lassen, handeln zwar hilfsbereit. So ganz auf der sicheren Seite sind sie damit allerdings auch nicht. So entschied das Saarländische Oberlandesgericht im vergangenen Jahr: Abgesehen von medizinisch begründeten Notfällen darf ein Arzt Rezepte nicht an eine bestimmte Apotheke weiterleiten – auch dann nicht, wenn Patienten das wünschten. Damit soll einem Missbrauch vorgebeugt werden. Die Folge: Manche Ärzte weigern sich, Rezepte zu faxen, weil sie keine Ordnungswidrigkeit begehen wollen. Allerdings: Bei medizinischer Notwendigkeit ist die Weiterleitung nach wie vor zulässig. Und der Patient kann seinem Arzt oder seinem Pflegedienst auch eine Vollmacht zum Weiterleiten des Rezepts beziehungsweise dem Abholen und Einlösen erteilen.

Andreas Toppka zeigt auf den Aushang neben der Tür seiner Apotheke. Der Pharmazeut organisiert den Notdienstplan der heimischen Apotheken. Seiner Erfahrung nach haben sich die Kunden auf den seit 2012 größer gefassten Umkreis der Notdienste eingestellt. Hei



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