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Wallraff distanziert sich von Morddrohungen: „Das ist genau das Gegenteil, was wir erreichen wollen“

Welle der Solidarität für den Tierpark

Bad Pyrmont. Nachdem das Ausstrahlen der RTL-Sendung „Team Wallraff – Reporter undercover“ zu unzähligen Morddrohungen und Hass-Mails gegen Tierparkchef Linus Kampe geführt hat (wir berichteten), setzte gestern eine Welle der Solidarität ein. Zu den spontanen Besuchern zählten auch Gerhard Grüne, der den Pyrmonter Zoo 2008 an Kampe als neuen Pächter nicht im besten Zustand übergeben hat, und die CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Körtner. „Der Tierpark ist für Bad Pyrmont unverzichtbar“, sagt die ehemalige Landespolitikerin und fügt hinzu: „Jetzt ist die Politik gefordert, Solidarität zu zeigen, denn Kampe leistet eine ausgezeichnete Arbeit. Wir haben das über Jahre verfolgt, unterstützt und gefördert und wir sehen den Erfolg gefährdet.“ Den RTL-Beitrag bezeichnet Körtner als „Schmierenjournalismus der untersten Schublade“ und dabei steigt ihr die Zornesröte ins Gesicht. „Das ist da, wo der Dackel das Bein hebt“, schimpft sie. Und Grüne schiebt hinterher: „Es gibt immer Idioten.“

veröffentlicht am 03.09.2015 um 18:57 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Gestern hat sich Günter Wallraff auf einer von RTL verantworteten Facebook-Seite von den Morddrohungen und Hasstiraden gegen Linus Kampe distanziert. „Das ist ganz entsetzlich. Das ist genau das Gegenteil, was wir erreichen wollen“, sagt der Undercover-Journalist in einem Video-Beitrag. Darin appelliert er auch an die „wohl nur wenigen“ Hetzer, das sofort zu unterlassen, sich zu entschuldigen „und mit friedlichen Mitteln dafür Sorge zu tragen, dass sich etwas ändert“. Wallraff empfiehlt, den Tierpark zu besuchen, um nach dem Rechten zu sehen und den Tieren auf diese Art zu helfen. Auch bekennt er sich als Pazifist und betont: „Jede Form der Gewalt erreicht genau das Gegenteil.“ Sonst müsse er nach Bad Pyrmont kommen, um sich schützend vor den Tierpark zu stellen, „aber eine Arbeit, wie wir sie machen, würde damit infrage gestellt“.

Für viele Pyrmonter und Tierpark-Besucher sind die von Wallraff erhobenen Vorwürfe, insbesondere der der Verwahrlosung, nach wie vor nicht nachvollziehbar. Es sei nur um die Quote gegangen – ohne Rücksicht auf Verluste, heißt es. Und es habe sich in den vergangenen Jahren „sehr viel getan“. Auch der Landkreis bescheinigt Kampe, die Anforderungen zu erfüllen. „Die Größen der Tiergehege sind behördlich genehmigt. Seit dem 7. Mai 2014 werden allerdings durch ein neues Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren teilweise höhere Anforderungen gestellt. Diese strengeren Vorgaben werden nach entsprechenden Übergangsbestimmungen umgesetzt. Viele Gehege-Maße im Pyrmonter Tierpark entsprachen jedoch schon vor der Veröffentlichung des Gutachtens den neuen Vorgaben“, erklärt Sandra Lummitsch als Sprecherin der zuständigen Kreisbehörde

Kampe freut sich sichtlich über die gezeigte Anteilnahme. Er ist bemüht, sich wieder in den Alltag zu finden. Zu viele Aufgaben gilt es, für den Tierparkchef zu erledigen. „Mein größtes Problem ist mein Nachbar, der alle Änderungsmaßnahmen boykottiert“, klagt er und spielt damit auf einen Rechtsstreit an, der sich um eine von ihm geplante Erweiterung der Anlage dreht. Dennoch gehen die Arbeiten weiter. Auf dem umstrittenen Areal wird gerade ein neuer Zaun errichtet, plant Kampe neue Stallungen. Auch vor Ermittlungen des Kreisveterinäramtes wegen der Tötungen männlicher Minischweine zeigt er keine Furcht: „Das ist geklärt, denn die Schlachtungen habe ich vorgenommen.“

Körtner plant derweil eine öffentliche Fraktionssitzung der CDU mit dem Tierparkchef. „Damit Bürger fragen können und wir gemeinsam überlegen, was wir an Solidarität leisten können“, begründet sie.

Eine Konsequenz hat Kampe bereits aus dem TV-Beitrag gezogen: Er wird keine Praktikantinnen mehr einstellen, denn Wallraff hatte eine Mitarbeiterin als solche in den Tierpark eingeschleust. „Das tut mir leid für alle, die mal in den Beruf des Tierpflegers schnuppern wollen, aber gebranntes Kind scheut Feuer.“



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