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Politik berät heute wieder

Was wird jetzt aus Bad Pyrmonts Museum?

BAD PYRMONT. Seit drei Wochen sind maßgebliche Teile des Pyrmonter Brunnenfunds in der Sonderausstellung „Götter, Glaube und Germanen“ im Museum Kalkriese zu sehen. „So können wir auch ein breites Publikum außerhalb Bad Pyrmonts darauf hinweisen, welche bedeutenden Stücke wir hier haben“, sagt Vanessa Heitland.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 23:04 Uhr

Bad Pyrmonts Noch-Museumsleiterin Vanessa Charlotte Heitland mit dem derzeit in Kalkriese ausgestellten Pyrmonter Brunnenfund. Die dortige Sonderschau sieht sie als hervorragende Chancer, auf die Bedeutung des Pyrmonter Museums hinzuweisen. Allerding
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Eine Pressekonferenz zur Kalkrieser Sonderschau nutzte die scheidende Leiterin des Museums im Schloss Bad Pyrmont deshalb auch, um vor einem guten Dutzend Journalisten für die Kurstadt und ihr Museum zu schwärmen, erzählt sie. „Denn wir haben nicht das Budget, um anderweitig überregional zu werben.“

„Kritisch und mit großer Sorge“ betrachtet Heitland dagegen die aktuelle Hängepartie um ihre Nachfolge. Denn an der hängt wiederum die Frage, wie es nun weitergeht mit dem Museum im Schloss Bad Pyrmont. „Durch die Umgestaltung des Eingangsbereichs ist das Museum nun eigentlich wunderbar für die Zukunft gerüstet“, sagt die Kunstgeschichtlerin. Aber jetzt müsse es auch in der Politik die Wertschätzung erfahren, die ein Museum brauche. „Beraubt man einen Ort, der sich auf Kultur begründet, dieser Kultur, dann beraubt man ihn auch seiner Kraft“, mahnt Heitland, die demnächst eine neue Stelle in Süddeutschland antritt.

Die Entscheidung über die von der Stadtverwaltung bereits im April empfohlene Ausschreibung der Spitzenposition im Schlossmuseum für einem Bachelor – also eine Stufe unter Heitlands Qualifikation, dem Master of Arts – lässt noch immer auf sich warten. Denn noch ist unklar, wie man damit umgehen soll, wenn sich ein Master bewerben würde. Müsste man den dann seinem Abschluss nach bezahlen? Oder ginge es auch unter Wert?

Die Mehrheits-„Gruppe 17“ aus SPD, WiR, Grünen, FDP und Linken nahm aufgrund der desolaten Finanzlage der Stadt Heitlands bevorstehenden Abschied zum Anlass, nicht nur über die fachlichen Voraussetzungen der künfgien Museumsleitung nachzudenken. Sie knüpfte an diese Personalfrage gleich noch die ganz grundsätzliche Frage nach der künftigen Aufstellung des Museums.

Dass es den Mehrheitspolitikern dabei vor allem um einzusparendes Geld geht, macht ein Fragenkatalog deutlich, den sie Ende April ins Rathaus schickten. Darin wollten SPD, WiR, Grüne, FPD und Linke unter anderem wissen, welche Bedingungen die EU-Förderung der nun abgeschlossenen Neugestaltung für den Stellenplan und die Struktur des Hauses mit sich bringen – und ob tatsächlich Fördergeld zurückgezahlt werden müsste, wenn die Stadt am Museum sparen würde. Außerdem wollten die Politiker die Gesamtausgaben fürs Personal und den Betrieb des Museums in Relation zu den Besucherzahlen betrachten.

Die Antworten auf diese Fragen liegen inzwischen vor. Demnach würde die Stadt bei einer Festschreibung aufs Bachelor-Gehalt 10 000 Euro pro Jahr sparen. Das wäre indes nur ein relativ kleiner Teil des bisherigen Gesamtaufwands fürs Museum. Der liegt bei rund 320 000 Euro im Jahr. Dem von der Gruppe 17 gewünschten Rechenexempel nach hieße das: Die Stadt bezuschusst jeden Besucher – 2017 wurden rund 13 000 zahlende Gäste gezählt – mit 24 Euro. Förderschädlich wären Einsparungen durch eine veränderte Struktur wohl nicht.

Welche Schlüsse die Politiker heute Abend hinter verschlossenen Türen im Verwaltungsausschuss (VA) aus den Zahlen ziehen und welche Entscheidung sie auf Basis dieser Rechnungen fällen, bleibt abzuwarten.

Eine weitere Bedenkzeit dürfte indes nicht drin sein. Denn Bürgermeister Klaus Blome (parteilos) hatte schon nach der letzten VA-Sitzung am 3. Mai betont, die Gruppe 17 habe zugesichert, das Thema nicht auf die lange Bank schieben zu wollen.

Nach Überzeugung des Museumsvereins sollte die Ausschreibung für den Leitungsposten schon längst auf den Weg gebracht sein. Davon hatte dessen Vorsitzender Klaus Hennig zumindest die Verwaltung überzeugt, als er auf eine schnelle, qualifizierte Wiederbesetzung des Postens drängte, bald nachdem die Nachricht vom Abschied Vanessa Heitlands bekannt wurde. Um 2019 nicht völlig auf neue Sonderausstellungen verzichten zu müssen, war man im Rathaus auch bereit, die sonst übliche sechsmonatige Wiederbesetzungssperre für die vakante Stelle aufzuheben. Denn die Arbeit der Museumsleitung kann nun einmal nicht jemand anders nebenbei erledigen.

Falls sich die Politiker heute zu einem Beschluss durchringen, dürfte es noch mindestens ein halbes Jahr dauern, bis der oder die Neue an der Museumsspitze starten kann.

Charlotte Heitlands Vorgänger Dr. Dieter Alfter gehört zu jenen, die angesichts der aktuellen Spar-Überlegungen den Kopf schütteln. „Da entscheiden Leute über das Schicksal des Museums, die vielleicht noch nie im Museum waren“, sagt er. Und er mahnt: Die Grundlage der Entscheidung müsste unsere Verpflichtung gegenüber der Historie unseres Ortes sein.“ Mit Kaputtsparen sei keinem gedient.

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