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Mehrheitsgruppe im Rat will Anlagen auf den Prüfstand stellen

Was wird aus Bad Pyrmonts Spielplätzen?

BAD PYRMONT. Wer für seinen Nachwuchs nach einem Spielplatz sucht, hat in der Kurstadt viel Auswahl. Zusammen mit seinen Ortsteilen kommt Bad Pyrmont auf rund 20 Kinderspielplätze. Manche von ihnen sind sogar ausgesprochen schön gelegen. Nur büßen sie immer mehr Spielgeräte ein. Das beschäftigt jetzt auch die Politik.

veröffentlicht am 30.08.2018 um 22:56 Uhr

Der Spielplatz an der Schellenstraße gehört zu den schönen Anlagen. Sieben sehr unterschiedliche Geräte und ein Sandkasten stehen hier für Kinder bereit. Nebenan findet sich zudem ein Bolzplatz. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die gelungendsten Plätze bieten viel Raum im Grünen, sogar unter großen, Schatten spendenden Bäumen. Und neben den obligatorischen Sandkästen stehen diverse Geräte zum Toben, Rutschen, Klettern, Schaukeln und Balancieren bereit. Daneben es gibt auch Plätze mit viel Luft nach oben. „Aber wie haben keinen Spielplatz, der brachliegt“, sagt Bauverwaltungsamtsleiter Hans-Joachim Böhnke aus dem Rathaus, in dessen Verantwortungsbereich die städtischen Kinderspielplätze fallen.

Aber es gibt ein Problem: Generell hat die Zahl der Geräte in den letzten Jahren abgenommen. Immer, wenn zwei speziell geschulte Mitarbeiter des städtischen Bauhofs bei ihren jährlichen Kontrollen unbehebbare Mängel entdecken oder feststellen, dass ein älteres Klettergerüst oder ein Rutschenturm nicht mehr den heutigen Sicherheitsvorgaben entsprechen, müssen sie die Geräte demontieren.

Gleich ersetzt werden die dann aber nur selten. Aus verschiedenen Gründen: Entweder, die Personaldecke im Bauhof ist oder war zum fraglichen Zeitpunkt zu dünn. Oder die adäquaten Neuanschaffungen hätten das Budget gesprengt. Denn ein einziges Gerät kann schnell mehrere 1000 Euro kosten.

Allerdings hatte Böhnke schon für das vergangene Jahr 20 000 Euro im städtischen Haushalt beantragt. Aus den umfangreichen Neubestückungen wurde aber nichts. 17 000 Euro sind noch übrig.

Die gleiche Summe tauchte dann wieder im Haushaltsentwurf für 2018 auf.

Die Spielplatz-Ausstattung ist zwar eine Pflichtaufgabe der Stadt. Spielplätze stehen auf der Prioritätenliste allerdings nicht ganz vorn. Böhnke nennt die Situation insgesamt aber auch „nicht dramatisch“.

Der Rat belegte die 20 000 Euro auf Veranlassung der Mehrheits-„Gruppe 17“ aus SPD, WIR, Grünen, FDP und Linkem – dem Sparzwang der Stadt geschuldet – mit einem Sperrvermerk. Das Geld steht also nicht automatisch zur Verfügung. Die Politiker müssen extra noch einmal darüber abstimmen, in dem hinter verschlossenen Türen tagenden Verwaltungsausschuss .

Vorher sollten die Baupolitiker auf Basis der Einschätzung aus der Bauverwaltung beraten, welche Spielplätze im Stadtgebiet verzichtbar sind.

Dafür bräuchte es allerdings einen „Spielplatzentwicklungsplan“. Für dessen Erstellung müsste die Stadt externe Experten einkaufen. Die mit dem Thema beschäftigten Rathaus- und Bauhofmitarbeiter haben zwar reichlich praktische Erfahrung. Sie erkennen mit einem Blick, welche Geräte bespielt werden und welche nicht. Aber ein umfangreiches theoriebasiertes Papier würden sie nicht erstellen können. Baudezernent Schmidt befand deshalb im jüngsten Bauausschuss, ohne das nötige Budget ließen sich nur der Bestand verwalten und Geräte abbauen. Er nannte ein „Spielplatzentwicklungskonzept daher „aus unserer Sicht sinnvoll“.

Doch ein solcher Plan – wenn er denn fundiert ausfallen sollte – könnte durchaus so teuer werden wie mehrere Spielgeräte. Deshalb haben sich Hans-Joachim Böhnke und seine Kollegen zunächst auf eine reine Dokumentation beschränkt. Sie guckten sich jeden städtischen Spielplatz an und listeten auf, welche Geräte erneuert werden müssten. Heraus kommen 45 100 Euro reine Materialkosten.

Da der Bauhof nicht mal eben 18 neue Geräte installieren kann, müsste diese Arbeit bis 2020 gestreckt werden. Oder es kämen Aufbaukosten für externe Firmen obendrauf.

Im Bauausschuss nahm nun zwar niemand öffentlich Anstoß daran, dass die Gruppe 17 Bad Pyrmonts Spielpätze auf den Prüfstand stellen will. Aber Stefanie Plaul (WIR) betonte: „Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, die Politik wolle Spielplätze verhindern.“ Ute Michael fragte derweil nach „Kriterien für eine Priorisierung“ und fand, die Politiker müssten nun entscheiden, wie sie mit dem Thema umgehen. Auch sie erklärte: „Das Sperrvermerk war kein Verhinderungsbeschluss.“ Allerdings zähle die Spielplatzausstattung zur Jugendhilfe und sei damit auch Sache des Landkreises.

Bevor die Politiker beschließen, was die Stadt für die Ausstattung welcher Plätze ausgeben darf, wird das Thema in den Fraktionen beraten.



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