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Interview mit Frau Schwarz: Die Kult-Kunstfigur über Brücken, Pech und Pannen

Was hat Sie 2018 gewurmt, Else?

BAD PYRMONT. Wenn die Pyrmonter Theater Companie heute ihre Silvesterrevue auf die Konzerthaus-Bühne bringt, dann wird eine fehlen: Jörg Schades Kult-Kunstfigur Else Schwarz. Insidern zufolge ist die resolute Rentnerin mit der markanten Mimik beleidigt, dass der Impressario ihr momentan eine Auszeit verordnet hat. Aber immerhin ist sie in ihrer Zwangsurlaubsresidenz ans Telefon gegangen.

veröffentlicht am 31.12.2018 um 00:21 Uhr

Für Else Schwarz hat der Impressario der Pyrmonter Theater Companie gerade keine Zeit. Die Laune der alten Dame ändert die Zwangspause nicht. Mies drauf ist sie ohnehin immer. Und guter Rat ist bei ihr auch aus der Ferne billig. Foto: © Jörg Schade
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Frau Schwarz, seit fast zehn Jahren stehen Sie regelmäßig in Bad Pyrmont auf der Bühne. Das Publikum liegt Ihnen zu Füßen. Aber heute haben Sie frei. Wie rutschen Sie ins Neue Jahr?
Else Schwarz: Auf Fett natürlich! Ich fresse mich in Bad Orb an den verschiedensten Büfetts durch. Der „Rauchfang“ ist mein Stammlokal.

Wie halten Sie’s da mit guten Vorsätzen?
Es lohnt nicht, über die zu reden. Nach zwei Stunden hab‘ ich die eh vergessen.

Und im Rückblick, wie war 2018 für sie insgesamt?
Furchtbar, ich musste ja noch zweimal wieder nach Bad Pyrmont kommen. Mit der Bahn! Wenn ich dann da bin, muss ich immer gleich an die „Einstürzenden Neubauten“ denken. In Bad Pyrmont würde ich die Band aber in „Einstürzende Altbauten“ umtaufen.

Spielen Sie auf die Folgen des vorbeugenden baulichen Brandschutzes an? Da guter Rat bei Ihnen bekanntlich billig ist – was empfehlen Sie den Verantwortlichen?

Ich würde mit denen erstmal einen trinken gehen und ihnen aus meinem reichen Erfahrungsschatz erzählen. Und fragen, wo sie die ganzen Jahre vorher gewesen sind.

Wie, glauben Sie, wird 2018 in die Annalen der Pyrmonter Geschichte eingehen?
Als das Jahr von Brücken, Pech und Pannen. Man könnte sagen: Es bröckelt.

Aber Sie haben doch sicher auch etwas genossen?
Jede Menge Cocktails und andere alkoholische Getränke. Anders ist die Hauptallee ja kaum noch zu ertragen. Mit reichlich Schlehenfeuer kann man sich das Elend auch schöntrinken.
Und was hat Sie amüsiert?
Mit meinem Galgenhumor? Einiges. Da wird der nur noch vom Rost zusammengehaltene Spelunkenturm mit hohem Aufwand restauriert. Aber für eine anständige Jubiläumsparty 2020 hat die Stadt kein Geld. Wenn ich dagegen an die legendäre Stadtparty in den 1980ern denke… Da ging noch richtig was ab.

Erinnerungen sind schön. Aber zurück zu diesem Jahr: Was hat Sie 2018 geärgert?
Dass die Pyrmonter mir immer in epischer Breite erzählen, was hier nicht funktioniert und warum es nicht funktioniert. Ändern tut sich aber nichts.

Warum wurmt Sie das so?
Ich hätte doch die Lösung: Man muss nur mal das Fachpersonal fragen. Ein Beispiel: Warum machen die, die den neuen Rewe-Markt an der Schillerstraße bauen, danach nicht gleich das Schloss fertig? Dann wäre im Nu alles geritzt. Und die Diskussion um das Feuerwehrhaus habe ich gar nicht verstanden. Der Parkplatz vor dem Gondelteich ist doch wirklich der beste Standort. Von da aus können die Feuerwehrleute über die Anzio-Allee gleich zu Fuß zum Aufpassen in den Schlosshof spazieren. Aber vielleicht braucht man dort dann auch weniger Aufpasser – wenn mangels Parkplätzen weniger Besucher kommen.

Wer trägt Ihrer Meinung nach die Verantwortung, wenn es irgendwo hakt?
Immer die anderen. Das sagt jeder, den man fragt.

Und wie soll man es besser machen?
Mit Haltung und klarer Ansage.

Nun zu Ihren beruflichen Plänen: Es geht das Gerücht, Sie hätten sich dem Bürgermeister als Coach angeboten. Wann treten Sie den Job an?
Wenn er genug Geld ‘rausrückt. Wissen und Kompetenz gibt es nicht für lau. Und ich krieg ja nur ‘ne kleine Rente. Den Job könnte ich auch aus der Ferne machen.

Was steht auf dem Lehrplan?
Haben Sie Leerplan gesagt? Nee nee, das wird ein Vollplan. Gefragt ist eine Durchsetzungskraft, die man sonst nur Rentnern ohne Zwänge und Verpflichtungen nachsagt… Aber ich nenne lieber keine Namen. Sonst wird mir das Touristenvisum entzogen.

Und die Wirtschaftsförderung wollen Sie gleich mitmachen?
Ist doch naheliegend. Ich überlege mir das jedenfalls.

Warum machen Sie dann nicht gleich einen Pop-up-store auf?
Gute Idee. Am besten einen Merchandising-Laden. Mit Gehhilfen, Hüten, Fäusten zum Auf-den-Tisch-Hauen und einem Pyrmont-Monopoly (hüten Sie sich vor der Schlossstraße!).

Welche Tipps haben Sie sonst noch für 2019?
Wenn man was feiert, muss man auch was zu feiern haben. Aber da fällt mir wieder die Hauptallee ein. Die wird ja immer kürzer, wenn die Hälfte der Häuser baufällig ist. Wir müssen froh sein, sie noch mit zwei „e“ schreiben zu können.

Worauf sollten die Pyrmonter 2019 achtgeben?
Dass ihnen Lügde nicht den Rang abläuft. Damit man auf die Frage nach dem Besten an Bad Pyrmont nicht eines Tages „Emmerauenpark“ hört. Die Pyrmonter sollten ihr eigenes Potenzial erkennen. Hassliebe und Mecker-Energie muss man in positive Energie umwandeln.

Das sagen ausgerechnet Sie, wo sie Ihren Promi-Status doch dem Nörgeln verdanken?
Bei mir funktioniert‘s doch. Wenn ich einen Vortrag halte, ist die Hütte voll.

Und mit welchem guten Beispiel gehen Sie voran?
Erstmal gaaanz langsam. Aber ich werde auch weiterhin da drücken, wo es wehtut, frei nach meinem Lebensmotto: Probleme sind Gelegenheiten zu zeigen, was man kann. Und ich werde sicher wieder in Bad Pyrmont auftauchen.



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