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Theorie und Praxis mit der Polizei

Was einen Pedelec-Schnupperkurs so sinnvoll macht

veröffentlicht am 15.05.2018 um 20:38 Uhr

Gleich geht’s los: Die Theorie haben die Teilnehmer des Pedelec-Schnupperkurses gerade hinter sich. Vor dem Start zur gemeinsamen Tour durch die Pyrmonter Emmerwiesen gibt Polizeioberkommissar Ilja Walter ihnen noch eine letzte Einweisung. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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BAD PYRMONT. Wer ein Pedelec zu kaufen plant, der kann sich natürlich überall schlaumachen. Im Netz finden sich zahllose Kauftipps, Fahrtests und Tutorials. Doch es geht auch einfacher. Wer alles Wissenswerte live und komprimiert einsammeln will, fährt am besten mit dem Schnupperkurs „Sicher unterwegs mit dem Pedelec“.

In Bad Pyrmont vermittelte Polizeioberkommissar Ilja Walter gerade wieder einer Gruppe von Teilnehmern an einem Vormittag, worauf es ankommt beim motorunterstützten Radeln. Dass der Senioren- und Pflegestützpunkt Hameln-Pyrmont als Organisator der Lektionen fungiert, muss jüngere Pedelec-Einsteiger jedoch nicht abschrecken.

Die Klientel des Stützpunkts zählt natürlich in jedem Fall zur Pedelec-Zielgruppe: „Viele haben sich eins gekauft, aber sie kommen nicht damit zurecht“, sagt Frauke Schmidt-Windeler, die den Kurs organisiert hat. Und auch Ilja Walter macht immer mehr ältere Pedelec-Neulinge aus, „die seit Jahrzehnten auf keinem Fahrrad gesessen haben“. Wer hingegen die Kniffe raus habe, komme dank Pedelec bequem von A nach B. Der Polizist findet: „Die Dinger sind klasse. Das Problem ist nur: Mit 25 km/h sind sie auch ganz schön schnell.“

„Das geht‘s in die Emmerwiesen“. Ilja Walter weist eine Teilnehmerin ein. Foto: jl
  • „Das geht‘s in die Emmerwiesen“. Ilja Walter weist eine Teilnehmerin ein. Foto: jl

Mit dem Crashkurs reagieren der Stützpunkt und die Polizei auf eine gefährliche Begleiterscheinung des Pedelec-Booms: Wer zum ersten Mal mit einem „Pedal Electric Cycle“ (dafür steht der Name) in Berührung kommt, der kann schon am Aufsteigen scheitern: Sowie er das Pedal tritt, rollt das Rad los – auch, wenn der Mensch noch nicht im Sattel sitzt. Denn, das unterscheidet das Pedelec vom E-Bike: Der Motor schaltet sich beim Treten zu. Je nach gewählter Programmierung unterschiedlich stark. „Da erschrecken sich die Leute schonmal über den Schub“, sagt Ilja Walter. Auch, wenn das Pedelec ungebremst in die Kurve gehe – was zu vermeiden sei.

Seinen Auftrag sieht er darin, die Menschen vertraut zu machen mit dem E-Fahrrad – und so die Verkehrssicherheit zu steigern. Denn bundesweit steigt – wie die Verkaufszahl – die Zahl der Unfälle mit Pedelec-Beteiligung rasant: Beim Statistische Bundesamt wurden zwischen Januar und September 2017 fast 4300 Verletzten-Unfälle mit E-Fahrrad-Beteiligung aktenkundig. Das waren 28 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2016. Und: Relativ viele Betroffene waren ältere Menschen. Das nicht zuletzt, weil Autofahrer Radler mit grauen Haaren erstmal unterschätzen, so Walter: „Die denken, Sie sind mit maximal 5 Km/h unterwegs.“

Dass es in Bad Pyrmont kaum Unfälle mit E-Bikes und Pedelecs gibt, schreibt der Oberkommissar auch den Kursen zu, die nun seit 2014 ihre vierte Auflage fanden. Diesmal übrigens auch mit Interessieren, die extra aus Hameln und Aerzen dazustießen.

Bevor die Teilnehmer von Walters aktuellem Schnupperkurs die Leih-Pedelecs aus der Pyrmonter Tourist-Info ausprobieren dürfen, erzählt der Polizist ihnen, worauf sie achten müssen. Das beginnt schon beim Kauf. Modell und Verwendungszweck sollten zueinander passen. Von der gemütlichen Freizeittour bis zum Mountainbiking ist alles drin. Wer noch über den Kauf nachdenkt, hat via Verleih in der Tourist-Info reichlich Gelegenheit zum Testen.

Den Erwerb selbst empfiehlt Walter unbedingt beim Fachhändler. Von billigen Discounter-Rädern oder dem Kauf im Internet rät er mangels kompetenten Ansprechpartners in der Nähe dringend ab. Second Hand? Auch keine gute Idee, denn dann sei der Akku vielleicht schon hin. Der Motor sollte möglichst in der Mitte sitzen – und der Akku an der Mittelstange, wegen des Schwerpunkts und der Fahrstabilität. Und: Eine Anfahrhilfe ist zwar nützlich, kann aber den Versicherungsschutz kosten. Apropos: Den Preis für ein Pedelec der Spitzenklasse siedelt Walter ab etwa 3500 Euro an. Gehobene Ansprüche würden aber schon ab knapp 2000 Euro erfüllt.

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