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Schüler setzen Freiheit in Szene

Was das Leben einengt

BAD PYRMONT. Im Lutherjahr sollten sich Schüler mit den Thesen des Reformators und den für die Religion revolutionären Gedanken auseinandersetzen. Die Ergebnisse sind jetzt in der Bad Pyrmonter Christuskirche zu sehen.

veröffentlicht am 16.06.2017 um 15:08 Uhr

Befreiung von einengenden Zwängen – Performance zur Eröffnung der Ausstellung in der Stadtkirche. Foto: ti
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Klaus Titze Reporter
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Was bringt eigentlich Sechstklässler dazu, sich philosophisch von den Hauptschriften Luthers aus mit dem Thema „Freiheit eines Menschen“ auseinanderzusetzen? Und was bewegt Achtklässler, das Thema „Freiheit“ künstlerisch und szenisch darzustellen, sich vor Publikum mit vollem Körpereinsatz zu präsentieren? Antworten hierauf bekamen Besucher bei der Ausstellungseröffnung in der Stadtkirche. „Kirche trifft Schule“ oder auch umgekehrt. Es war die Idee von Karin Block. So machte sich Claudia Luker als verantwortliche Lehrerin am Humboldt-Gymnasium für den Fachbereich Musik und Evangelische Religion mit ihren 6. Klassen ans Werk.

Das Ergebnis hängt nun bis zum 2. Juli an den Wänden der Stadtkirche. Zu sehen ist, wie vielschichtig und tiefgründig sich selbst Zwölfjährige mit schwierig zugänglichen Themen auseinandersetzen können. Ergänzt werden die Arbeiten von der Evangelischen Jugend unter der Betreuung von Anke Holz, indem die jungen Leute ihre Gedanken zu dem Begriff „Freiheit“ schriftlich festhielten und äußerten. „Am Anfang war das Wort“, zitierte Pastorin Jutta Ostermann und leitete über zu der Idee Karin Blocks, die etwas Wundervolles in Form einer von 21 Schülerinnen des Wahlpflichtkurses Kultur der Achtklässler am Humboldt-Gymnasium einstudierten Performance organisierte. Ein halbes Jahr hätten sie sich darauf vorbereitet, so ihr Lehrer Matthias Götte. So gesehen war das durch Stellwände verborgene aufgeregte Stimmengewirr vor Aufführungsbeginn durchaus verständlich, mussten doch Nervosität und Lampenfieber abgeschüttelt werden.

Im ersten Bild versammelte sich eine Gruppe schwarz gekleideter Schülerinnen, wenige von ihnen in einer grauen Körperverhüllung. Von Perkussionsinstrumenten, Gitarre und Cello begleitet, schälten sich die Mädchen langsam aus ihrem stofflichen Gefängnis, ihrer individuellen Einengung. „Die Schülerinnen haben unterschiedlichste Szenen entwickelt und so zum Thema Freiheit eine Collage entworfen“, erläuterte ihr Lehrer, im Vertrauen auf das Können seiner Schülerinnen bereits schon die Ruhe selbst. So wandelte sich das Lied „Die Gedanken sind frei“, das durch ständige Handybenutzung jegliche Gedanken einengte, in das vermeintliche „Die Gesinnung ist frei“, während über häufige und unbemerkte Datenspeicherungen vieles von dem, was wir tun und äußern, in Dateien von Facebook oder Twitter festgehalten wird. Einen breiten szenischen Raum nahm der Verlust der individuellen Freiheit durch Druck von außen oder innen ein. Beeindruckende Wirkung erzielten scheinbar unüberlegt dahingesprochene Worte wie: „Den dritten Platz in diesem Wettbewerb hast du dir wirklich verdient“, die von jemandem, der sich als Verlierer oder gar als Versager sieht, gänzlich anders verstanden werden und das Publikum aufstöhnen lassen.

Ebenso beeindruckend in Szene gebracht, wie belastende Wertungen und vorrangig negative Begriffe und Aussagen aus einer Gruppe auf einen bereits unter der Last des Versagens gebeugten Menschen einstürmen und ihn zu erdrücken scheinen – bis sich dieser mit einem Hilfeschrei von der Last zu befreien versucht. „Da ist euch wirklich etwas ganz Großes und Schönes gelungen“, waren Karin Blocks spontanen Dankesworte. Sie gingen in einen lang anhaltenden und die Leistung der Schülerinnen anerkennenden Applaus über.

Die Ausstellung „Von der Freiheit eines Menschen“ ist noch bis Sonntag, 2. Juli, in der Christuskirche zu sehen.



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