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Im Töchterheim Gabert wurden ab den 20er-Jahren junge Mädchen ausgebildet

Vorbereitung auf das Eheleben

veröffentlicht am 29.01.2017 um 17:34 Uhr
aktualisiert am 29.01.2017 um 20:40 Uhr

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Autor:

Dr. Dieter Alfter
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BAD PYRMONT. Pyrmont war immer schon ein Heiratsmarkt. Das gilt ganz besonders für die adeligen Gäste des 18. Jahrhunderts, aber nicht weniger für die bürgerlichen Kurgäste des 19. Jahrhunderts. In den während der Sommersaison wöchentlich veröffentlichten Kurlisten finden sich häufig genug neben der namentlichen Nennung der erwachsenen Kurgäste, neben der Berufsangabe des Mannes und der Nennung der aktuellen Pyrmonter Unterkunft auch die Erwähnung der mitgereisten Kinder. Dies ist oft genug der versteckte Hinweis auf den Wunsch, dass ein Kontakt zu anderen Familien erwünscht ist. Wo hat man schon eine derartige Gelegenheit, in einem Ort von europäischem Rang mitten im Weserbergland sein Kind, mitunter seine Kinder einem angesehenen und meist auch vermögendem Publikum vorzustellen, ja ins Gespräch zu bringen.

Tatsächlich lassen sich viele Geschichten zu diesem Thema erzählen, durchaus vergleichbar zu den Heiratsmarkt-Kontakten etwa auf dem Jungfernstieg an der Hamburger Alster. In Bad Pyrmont bildet die 1668 angelegte Hauptallee die einzigartige Kulisse zu einer ersten Kontaktaufnahme zwischen interessierten Familien von Rang.

Damals sind es noch die Eltern, die ihre Töchter und Söhne nach familiären Interessen zu vermitteln versuchen. Im 20. Jahrhundert sind es mehr und mehr die jungen Menschen selbst, die sich auf die Suche nach der großen Liebe begeben. Es gab aber hinreichend Eltern, die ihren Töchtern ein gutes Rüstzeug als künftige Ehefrau mit auf den Weg geben wollen. Das Töchterheim Gabert Bad Pyrmont – dahinter verbirgt sich heute in der Rathausstraße das Hotel Carolinenhof – ist ab den Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein ziemlich teures Töchterfortbildungsheim, eine Art Internat für Mädchen aus gutbürgerlichen Familien, die hier auf die künftige Rolle als Ehefrau und Mutter „ausgerichtet“ werden sollen. Das Ehepaar Dr. Gabert und Käthe Gabert sind für ein anspruchsvolles pädagogisches Programm verantwortlich. „Es werden 14 bis 16 junge Mädchen aus guten Familien aufgenommen. Das Ziel ist eine gediegene wissenschaftliche Fortbildung und hauswissenschaftliche Ausbildung in Jahres- und Halbjahreskursen…. Ein frisches, fröhliches Familienleben verbindet sich mit ernster Arbeit, Pflichttreue, Ordnung und Pünktlichkeit; auf Aneignung guter gesellschaftlicher Umgangsformen, Gewandtheit und taktvolles Benehmen wird Gewicht gelegt.“ Die Ausbildung findet in einem geräumigen Haus statt, in einem schön gelegenen Anwesen mit grossem schattigen und obstreichen Garten, den der Oesdorfer Bach durchfließt. Ein Parkgelände, das von einer soliden Bruchsteinmauer umgrenzt wird.

In Jahres- und Halbjahreskursen bekommen die jungen Mädchen auch eine hauswissenschaftliche Ausbildung.

In den verschiedenen Hausprospekten aus fünf Jahrzehnten wirbt das Ehepaar Gabert regelmäßig mit dem vielseitigen Kultur- und Freizeitangebot von Bad Pyrmont. Bei den regelmäßigen Besuchen von Veranstaltungen sind die jungen Mädchen den Blicken der Bad Pyrmonter Jungen ausgesetzt. Auch hier gibt es viele Geschichten von Begegnungen, die Mädchen aus dem Töchterheim Gabert dazu veranlassen, in Bad Pyrmont zu bleiben und angesehene junge Männer dieser Stadt zu heiraten. Noch in den Fünfziger Jahren funktioniert dieser „Heiratsmarkt“.



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