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Meisterliches Orgelkonzert in der Stadtkirche mit Dirk Brödling und Semjon Kalinowsky

Voll schmelzender Schönheit

BAD PYRMONT. Mit einem anspruchsvollen Konzert für Orgel und Bratsche leiteten Stadtkantor Dirk Brödling und Semjon Kalinowsky aus Lübeck das 3. Pyrmonter Orgelfrühjahr ein. In dem Programm unter dem Titel „Jüdische Melodien“ wechselten Stücke jüdischer und christlicher Komponisten, gleich mit Wucht und Einfühlsamkeit eingeleitet vom „Präludium d-moll für Orgel, op. 37, Nr. 3“ eines der größten Musiker und Komponisten der Romantik, Felix Mendelssohn-Bartholdy.

veröffentlicht am 24.04.2017 um 16:51 Uhr

Dirk Brödling an der Orgel und Semjon Kalinowsky mit der Bratsche hinterließen einen starken Eindruck beim Konzert in der Stadtkirche Bad Pyrmont. Foto: rr
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Rudi Rudolph Reporter
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Bei dem „Präludium c-moll für Bratsche und Orgel. Op. 168“ des Liechtensteiners Josef Gabriel Rheinberger trat dann die Bratsche hinzu. Das Instrument, 1817 von Johann Baptist Schweitzer gebaut, bestach durch seine erdige und schwermütige Intensität und verlieh dem Stück unter den Händen des international auftretenden und mehrfachen Preisträgers Semjon Kalinowsky einen ergreifenden und berührenden Charakter. Elegisch und voll schmelzender Schönheit dann das „Kol Nidrei“ (Stimme des Gelübdes) des zu Unrecht fast in Vergessenheit geratenen Max Bruch. Der Nichtjude Bruch war während des Naziregimes wegen dieser Komposition verfemt, weil man ihn deshalb für einen Juden hielt, und heutzutage wird nur noch sein 1. Violinkonzert aufgeführt. Das „L’année liturgique israélite“ von Jehan Alain bestritt Dirk Brödling allein an der neobarocken Führer-Orgel, die wunderbar differenzierte und unterschiedliche Klangfarben entfaltete. Die „Sarabande“ von Joseph Sulzer entwickelte sich ausgesprochen zart und dem traditionellen Kompositionsschema verhaftet. Dann folgte das „Elohenu“ (Unser Gott) von Friedrich Gernsheim, das mit majestätischem Einstieg pathetisch und erhaben daher kam. Etwas irritierend schien dem Publikum die „6. Sonate in d-moll über den Choral ‚Vater unser im Himmelreich‘“ zu sein, verführten doch die Pausen zwischen den Sätzen immer wieder zu Applaus. In schnellen, gewaltigen, dann langsamen und nach innen gekehrten Passagen kam die Virtuosität Dirk Brödlings anschaulich zum Tragen.

Mit dem „Prière“ (Gebet) für Orgel und Bratsche von Fernand Halphen und Henry Eccles‘ „Sonata für Bratsche und Basso continuo“ schloss ein Konzert, das beeindruckte, klanglich bezauberte und dem Publikum die seltene Bratschenliteratur eindrucksvoll näher brachte.

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