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Alexey Lebedev überzeugt als Chopin-Interpret

Virtuoser Einsatz trotz widriger Umstände

BAD PYRMONT. „Nur“ Ersatz für die ausgefallene Pianistin eingesprungen, der Auftritt ins Kurtheater verlegt, dann wieder zurückgenommen, Tropenhitze in Pyrmont und eine Veranstaltung im Kurpark – die Umstände hätten für den begnadeten in St. Petersburg geborenen Pianisten Alexey Lebedev nicht widriger sein können. Und doch strahlte der 38-jährige Ausnahmekünstler eine Spielfreude aus, die sich auf das trotzdem zahlreiche Publikum übertrug, und sein Programm „Der junge Chopin – Perlen der Romantik“ begeisterte gleichermaßen.

veröffentlicht am 05.08.2018 um 17:30 Uhr

Pianist Alexey Lebedev. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Obwohl Lebedev sich gerade in jüngerer Zeit besonders mit der Erarbeitung von Werken Haydns, Beethovens und Busonis profiliert hatte, erwies er sich als profunder Interpret des jungen Chopin, der beispielsweise bereits mit 20 Jahren seine „Nocturnes op. 9“ geschrieben hatte. Und die „Nr. 1 b-Moll“ daraus entzückte die Zuhörer gleich von Beginn an. Noch extravaganter erschien das „Rondo c-Moll op. 1“, das Chopin mit irrsinnig schnellen Läufen und außergewöhnlichem Tempo versehen hatte und das in den Warschauer Salons einst für Furore sorgte.

Klar strukturiert und mit für die damalige Zeit experimentellen Zwischenteilen stellt das Werk des 15-jährigen Komponisten doch einen Meilenstein in der Romantik dar. Bereits hier offenbarte sich deutlich die große Virtuosität des Pianisten, zu dessen schlanker und hochgewachsener Erscheinung auch die überlangen Finger passen, die sicherlich weit über eine Oktave greifen können und die ein quirliges Eigenleben entwickelten.

Hochpräzise Anschläge, die keinen Ton verschleppten sondern höchst exakt eine winzige Trennung zwischen den einzelnen Tönen erzeugten, da genial innehielten, wo es auch ein Chopin gewollt hätte, und vor allem in an- und abschwellendem Volumen und Tempo eine dichte Spannung erzeugten. Diese Anforderungen erfüllte Alexey Lebedev einfach genial, denn Chopin spielen Viele. Doch ein außergewöhnliches Musikerlebnis entsteht nur durch Empathie, Einfühlungsvermögen und letztlich natürlich auch durch die Virtuosität des Vortrages, was Lebedev bravourös erreichte.

Bravo-Rufe und viel Applaus waren dem Interpreten sicher, denn auch die „Fünf Mazurken op. 7“, Tänze, bei denen Paare frei miteinander tanzen durften, was zu jener Zeit keine Selbstverständlichkeit war, kamen ebenso lebendig und authentisch herüber wie das anschließende „Rondo à la Mazur F-Dur op. 5“ und der „Bolero a-Moll op. 19“. Dieser hatte eigentlich den Charakter einer Polonaise und kam eher breit und bedächtig daher. Die Begeisterung des Publikums war groß und ehrlich, denn das folgende „Rondo Es-Dur op. 16“ ließ sich an Brillanz und technischer Fertigkeit kaum noch überbieten. Also hieß es innehalten und den Schluss des Konzertes mit der „Sonate Nr. 1 c-Moll op. 4“ einfach nur genießen. Diese hatte der junge Chopin im Alter von 18 Jahren geschrieben, auch wenn sie erst nach seinem Tode publiziert wurde. Damit klang ein grandioses Konzert aus, dem Alexey Lebedev mit einer Nocturne in cis-Moll noch ein Sahnehäubchen aufsetzte.



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