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Konzert in den Schloss-Weinstuben

Vier Sinti-Jazz-Virtuosen legen richtig los

BAD PYRMONT. Der „Schnellschuss aus der Hüfte“ traf voll ins Schwarze. Denn dass am Freitagabend Musiker aus der renommierten Weiß-Familie in den Schloss-Weinstuben auftreten würden, war am Donnerstag erst geplant worden.

veröffentlicht am 14.01.2018 um 17:57 Uhr

Phänomenale Premiere: Angelo (v.li.), Sascha und Albany Weiß sowie der Violinist Viktor Olah bei ihrem Konzert in den Schloss-Weinstuben. Foto: ar
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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Kurz vor dem Auftritt noch das Zittern: Kommen da überhaupt Leute? Und plötzlich, in kurzer Zeit, lief das Traditionslokal rappelvoll, griffen Sascha, Albany und Angelo Weiß ihre Gitarren, Viktor Olah seine Violine, und vom ersten Takt an wackelten die Wände. Sinti-Jazz oder Gypsy-Swing in großer Bandbreite, wuchtiger, treibender Rhythmus, ein bisher in Bad Pyrmont nicht gehörter Sound, und Musiker, die vom ersten Ton an eine unglaubliche Spielfreude und Präsenz zeigten – all‘ das nahm das Publikum mit, füllte das Lokal mit Wärme und Intimität. Dichte und unglaublich rasante Läufe und Harmonien, die Sascha Weiß virtuos intonierte, ganz in der Tradition eines Django Reinhardt, der in den 1930er Jahren in Paris einen ganz eigenen Spielstil entwickelt hatte. Durch einen Unfall konnte dieser meist nur mit zwei Fingern agieren, was das Akkordeonspiel unmöglich machte. Er kompensierte das Handicap durch Arpeggien, also gebrochene Akkorde, in denen die Töne nicht gleichzeitig angeschlagen werden, sondern nacheinander.

Diese höchst komplizierte und charakteristische Technik findet man besonders, wenn Sascha Weiß sie spielt, kongenial begleitet von Albany Weiß auf der Rhythmusgitarre, der für das treibende Element verantwortlich ist und die Percussion überflüssig macht. Etwas im Hintergrund sorgte Angelo Weiß an der Bassgitarre für den voluminösen Grund, auf dem die Gitarren Tempo machten. Als ob er immer schon in dieser Formation gespielt hätte, ließ Viktor Olah die Geige jubilieren, nahm sie zurück als Begleitung und spülte sie an die Oberfläche, wenn es galt, mit rasender Geschwindigkeit seine Qualitäten als „Primaz“ unter Beweis zu stellen und die Melodieführung zu übernehmen.

Eine Musik dieser Qualität hatten die Zuhörer in den Schloss-Weinstuben noch nicht geboten bekommen. Hier paarten sich Spielwitz, höchste musikalische Kompetenz und Präzision mit der Intention, dem Publikum einen schönen Abend zu bieten. Doch ging das Niveau noch darüber hinaus. Denn die ausgezeichneten Solisten mit gesundem Ego auf ihren Instrumenten lieferten einen brillanten Beweis für einen anziehenden und fesselnd feinen Sinti-Jazz, der in dieser Region glücklicherweise gerade eine wahre Renaissance erlebt, was er als erster eigenständiger europäischer Jazz-Stil auch verdient hat.

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