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Nabu sorgt für Wildblumen

Verwildern erlaubt

BAD PYRMONT. Quer durch Bad Pyrmont, in Privatgärten, auf Firmengelände und öffentlichen Flächen ziehen sich Wildblumenbeete. Dafür hat der Pyrmonter Naturschutzbund (NABU) gesorgt. Eine vorläufige Bilanz.

veröffentlicht am 28.06.2017 um 11:29 Uhr
aktualisiert am 28.06.2017 um 12:12 Uhr

Auch auf dem Pyrmonter Berg wie hier bei Neersen blühen Wildblumen der Nabu-Aktion und bieten vielen Vögeln, Blumen und Schmetterlingen neuen Lebensraum. Foto: uk
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Disteln, Kratzdisteln, Löwenzahn, Huflattich und Karden gehören zu seinen Leibspeisen, aber die findet der Stieglitz immer weniger. Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und die Bebauung von Brachflächen rauben dem dem Vogel mit dem farbenfrohen Federkleid die Nahrungs- und Lebensgrundlagen. Es wird enger für den kleinen Distelfinken. Gefragt sind zusätzliche Flächen mit Wildblumen. Durch Bad Pyrmont und Ortsteile bis nach Lügde ziehen sich gut 300 neuangelegte „bunte Meter“ mit Wildblumen, die genau das bieten, was der Stieglitz und auch Bienen, Schmetterlinge und andere Tierarten brauchen. Dafür gesorgt hat der örtliche Naturschutzbund (Nabu).

„300 Quadratermeter sind gemessen an der Gesamtfläche Bad Pyrmonts natürlich nicht viel, aber wir wollen beispielhaft zeigen, was mit einfachen Mitteln auch im eigenen Garten möglich ist“, sagt der Pyrmonter Nabu-Vorsitzende Justus Conring. Unter dem Motto „Verwildern erlaubt“ teilt der Nabu kostenlos Wildblumensamen aus und wirbt dafür, Brachflächen zu erhalten. Vor einem Jahr hatten Conring und seine Mitstreiter in der Kurstadt die Aktion „Bunte Meter für den Stieglitz“ angekurbelt und seitdem mehren sich die blühenden verwilderten Flächen in vielen privaten Gärten, einigen Kindergärten, auf Firmengelände und Flächen der Stadt und des Staatsbades und schließen sich damit den „bunten Metern“ in ganz Deutschland an.

Zum Beispiel hat sich die Firma Meinberg Funkuhren in Holzhausen bereit erklärt, auf ihrem Gelände eine kleine Fläche mit Wildblumen einsäen zu lassen. „Für so ein Unternehmen ist es natürlich wichtig, dass ihr Grundstück auf die Kunden einen guten Eindruck macht“, so der Nabu-Vorsitzende, der dort selber Hand anlegte, einen Teil der Grasnabe entfernte und die vom Nabu bereitgestellte Samenmischung mit gut 50 verschiedenen Arten aussäte. „Dem ehrgeizigen Gärtner mögen solche Flächen im Herbst etwas verwahrlost erscheinen, zur Zeit blühen sie jedoch wunderschön“ sagt Conring und zeigt auf eine bunte Pracht aus Kornblumen, Mohn, Malven, Lichtnelken, Schafgabe, Kratzdistel und vielem mehr.

Zwei Stieglitze im Wildblumenbeet der Firma Meinberg. Foto: Nabu
  • Zwei Stieglitze im Wildblumenbeet der Firma Meinberg. Foto: Nabu
Steffi Maltzahn freut sich über das Beet der Diakonie Himmelsthür. Foto: uk
  • Steffi Maltzahn freut sich über das Beet der Diakonie Himmelsthür. Foto: uk
Auch an Wegesrändern wie hier in Holzhausen blühen Wildblumen. Foto: uk
  • Auch an Wegesrändern wie hier in Holzhausen blühen Wildblumen. Foto: uk
Greta und Mattes haben geholfen, das Blumenbeet im Kindergarten Holzhausen einzusäen. Foto: uk
  • Greta und Mattes haben geholfen, das Blumenbeet im Kindergarten Holzhausen einzusäen. Foto: uk
Zwei Stieglitze im Wildblumenbeet der Firma Meinberg. Foto: Nabu
Steffi Maltzahn freut sich über das Beet der Diakonie Himmelsthür. Foto: uk
Auch an Wegesrändern wie hier in Holzhausen blühen Wildblumen. Foto: uk
Greta und Mattes haben geholfen, das Blumenbeet im Kindergarten Holzhausen einzusäen. Foto: uk

„Wir sind so geprägt, dass wir eine einfache und gemähte Rasenfläche als sauber und adrett empfinden, eine verwilderte aber zunächst einmal als ungepflegt ablehnen“, ist dem Nabu-Chef klar, der immer wieder Überzeugungskraft aufbot, um Gartenbesitzender vom Gegenteil zu überzeugen. Gemäht werden die Flächen nur außerhalb der Brutzeit, die von März bis Juli dauert, und höchstens ein Mal im Jahr, nach Möglichkeit weniger. Und noch ein nicht von der Hand zu weisenden Problem nennt Conring: „In verwilderte Flächen wird leider immer wieder Abfall geworfen, weil man den dort nicht sieht.“

Das Wildblumenprojekt ist trotzdem auf einem guten Weg. „Wir werden immer wieder nach der Saatmischung gefragt“, freut sich Nabu-Vorstandsmitglied Steffi Maltzahn. „So kann es gerne weitergehen.“

Die Mischung enthält regionales Saatgut, also Blumen, die im Weserbergland regional typisch sind. Laut Nabu enthalten Wildblumenmischung im Baumarktregal meist Arten, die in Deutschland nicht wild vorkommen, oftmals sogar sogenannte invasive Arten, die einheimische Arten verdrängen können und dem Naturschutz damit eher schaden.

Übrigens: Um eine wildblumenreiche „Bunte Meter“-Fläche zu erreichen, muss nicht immer neu eingesät werden. Sind entsprechende Wildkräuter bereits in der Fläche oder in der Nachbarschaft vorhanden, reicht es oft schon, die Fläche zu „extensivieren“, also auf Düngung, Pestizide und häufiges Mähen zu verzichten.

Wer Interesse an Wildblumensamen hat, kann sich bei Steffi Maltzahn unter Telefon 05281/95037 melden. Detaillierte Informationen gibt es unter www.nabu.de (Suchwort „Bunte Meter“).

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