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Prozess gegen ehemaligen Pyrmonter Gymnasiasten beginnt mit Anklageverlesung

Verteidiger stellt Tatvorwurf infrage

Bad Pyrmont / Hannover. Der Prozessauftakt gegen den ehemaligen Bad Pyrmonter Humboldt-Gymnasiasten Anton A. (Name geändert) war denkbar kurz: Die Verlesung der Anklageschrift gegen den heute 16-Jährigen dauerte am Dienstag nur etwa eine Viertelstunde. Dann war der erste Verhandlungstag vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Hannover auch schon vorbei.

veröffentlicht am 13.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:37 Uhr

Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Jugendlichen versuchten Totschlag vor. Der damals 14-Jährige soll am Abend des 24. September 2014 versucht haben, seinen Lehrer (33) im Treppenhaus der Goslarer Jugendherberge mit einem Schnürsenkel zu erwürgen. Anlass für die während einer Klassenfahrt begangene Tat soll ein Streit um das Handy des Jungen gewesen sein. Als der Lehrer das Telefon einkassierte, soll A. ihn den damaligen Polizeiangaben zufolge zunächst auf die Hand geschlagen und vor Zeugen gedroht haben, ihn zu töten (wir berichteten). Von dem späteren Angriff im Treppenhaus soll der Lehrer Würgemale sowie einen Sehnenabriss an einem Finger davongetragen haben. Laut Polizei konnte sich der 33-Jährige nur durch das Einschreiten anderer Schüler befreien.

Da Strafverfahren gegen Jugendliche stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, halten sich alle Beteiligten mit konkreten Angaben grundsätzlich zurück. Gerichtssprecher Dr. Stephan Loreit sagte am Dienstag auf Anfrage: „Im Anschluss haben sich die Verfahrensbeteiligten zu einem Gespräch mit der Kammer über den weiteren Gang des Verfahrens getroffen.“ Was besprochen worden sei, werde beim nächsten Verhandlungstag ins Protokoll aufgenommen.

Der geschädigte Lehrer tritt dem Vernehmen nach im Strafverfahren nicht als Nebenkläger auf. Er soll – ebenso wie elf weitere Zeugen – an einem der nächsten Verhandlungstage befragt werden.

A.s Rechtsanwalt Vyacheslav Varavin sagte gestern auf Anfrage: „Aus Sicht der Verteidigung bestehen Zweifel daran, dass sich der Vorwurf so bestätigen wird.“ Details wollte er nicht nennen. Deshalb wird weiter offenbleiben, warum A. vor gut einem Jahr aus der Jugendpsychiatrie floh, wo er untersucht werden sollte. Im Sommer 2015 wurde er in Russland festgenommen. Dort saß er bis Februar in Auslieferungshaft. Seither sitzt er in der Jugendanstalt Tündern in U-Haft.

Da im Jugendstrafrecht – anders als bei Erwachsenen die Bestrafung – grundsätzlich der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht, wünscht sich Anwalt Varavin, dass sein Mandant nicht vorverurteilt wird.



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