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Peter Sch. sorgt sich um seinen Ruf, kann den Titelmissbrauchs-Vorwurf der Polizei aber nicht ausräumen

Verschwörungstheorie und Widersprüche

Bad Pyrmont. Könnte es eine Verschwörung der Pyrmonter sein gegen jemanden, der kein Blatt vor den Mund genommen hat bei seinen Wortmeldungen im politischen Leben der Kur-stadt? Diesen Eindruck jedenfalls versuchte Peter Sch. – den politisch Interessierten und Aktiven als Prof. Dr. Dr. Peter Sievers bekannt – am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung zu vermitteln. Den Anlass für seinen Besuch in der Redaktion sah der 65-Jährige in den Ermittlungen der Polizei gegen ihn wegen des Verdachts auf Leistungsbetrug und Missbrauch von Titeln (PN von gestern). Dass der von ihm benutzte Name nicht mit dem in seinem Pass übereinstimmt, hatten die Ermittler festgestellt, als sie den 65-Jährigen in einer angemieteten Wohnung in Holzhausen aufsuchten. Der Grund für den Einsatz war laut Polizei eine offene Rechnung über 2000 Euro bei einem örtlichen Dienstleister. Dass er den Stadtwerken so viel Geld schulde und nicht nur rund 200 Euro, wie er gedacht habe, sei ihm bis Donnerstag nicht klar gewesen, sagt Sch.. „Ich wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, hier so aufzutreten, wenn ich die Legitimation dazu nicht hätte.“ Schließlich wollten er und seine Frau in Bad Pyrmont ein Haus kaufen und ihren Lebensabend hier verbringen.

veröffentlicht am 08.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Sache mit den zwei Namen könne er auch erklären. Bei der Trauung auf dem Kreuzfahrtschiff „Queen Mary II“ habe er 2008 den Namen seiner Frau angenommen, sagt er. Da er danach jedoch im britischen Wrexham gelebt und an der Universität Glyndwr gelehrt habe, habe er erst unlängst in Marl einen neuen Ausweis beantragt. Denn dort sei sein Pass mit dem alten Namen ausgestellt worden. Nun gebe es aber Probleme mit der Anerkennung der Hochzeit und damit auch seines neuen Namens. Denn das Schiff sei unter maltesischer Flagge gefahren.

Eine Anfrage bei der Reederei Cunard ergab indes: Die „Queen Mary II“ fährt unter britischer Flagge, und Trauungen sind auf dem Kreuzfahrtschiff erst seit 2012 möglich.

Dass Sch., wie er angibt, zuletzt an der walisischen Uni tätig war und dort auch noch eine Wohnung hat, ließ sich am Freitag ebenso wenig nachvollziehen wie die vorherige außerplanmäßige Professur an der University of Southern California in Pasadena, von der der 65-Jährige sprach. Einen Nachweis für seine beiden Doktortitel sowie die Habilitation gelang ebenfalls nicht. Keine Recherche ergab bisher Belege für eine jahrzehntelange Karriere in den von ihm angegebenen wissenschaftlichen Fachgebieten. Gestern kündigte er an: „Ich fahre jetzt nach England, hole dort alle Urkunden und werde sie der Kripo vorlegen.“ Eine Stunde später sagte er dann am Telefon, mit der Pyrmonter Polizei rede er nicht mehr. „So lasse ich mich nicht behandeln.“

So eloquent Sch. erscheint – er erzählt nicht allen Gesprächspartnern dasselbe. So berichtete ein Anrufer nach dem Besuch des 65-Jährigen in der Redaktion davon, dass Sch. ihm gesagt habe, er habe eben bei der Zeitung seine Habilitationsurkunde sowie die beiden Promotionsurkunden vorgelegt. Jetzt komme die Wahrheit auf den Tisch. Wo die liegt, werden Fachleute zu beurteilen haben. Irgendwann vielleicht auch medizinische Gutachter.



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