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Warum Erika Wagner dem Fürstentreff-Verein 41 Silhouetten für die Wandelhalle geliehen hat

Verschollen geglaubte Porträts im Schaufenster

Bad Pyrmont (cg). Wenn die Pyrmonter Professorengattin Therese Heyne „regelmäßig ein weißes Tüchlein zum Fenster hinausgehängt hatte, um anzuzeigen, dass ihr Mann nicht zuhause war“, besuchte sie der damalige Student Forkel zu einem Stelldichein. Das stadtbekannte Verhältnis trieb allerdings bereits vor 250 Jahren seine Blüten, erklärt Erika Wagner anlässlich des Neujahrsempfangs des Fürstentreffs in der Wandelhalle.

veröffentlicht am 16.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 06:41 Uhr

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Schon vor über 200 Jahren wussten Gäste von nah und fern das Wasser und die gute Luft Pyrmonts zu schätzen und lustwandelten durch den Ort. Jetzt werden einige der Pyrmont-Liebhaber aus dem 18. Jahrhundert ins Licht gerückt – dank Erika Wagner. Denn sie hat dem „Fürsten-treff“ 41 hauptsächlich getuschte, teils aber auch gestochene Porträts bekannter Göttinger Persönlichkeiten zur Verfügung gestellt, die als Kurgäste vor 228 Jahren in Pyrmont verweilten. Für 33 der Bilder ist die beim Neujahrsempfang des Vereins in der Wandelhalle von der Vorsitzenden Heidi Bretz und ihrem Vertreter Rainer Timpe eröffnete Ausstellung sogar eine Premiere, denn lange Zeit galt die Sammlung als verschollen. Die Originale aus dem 18 Jahrhundert sind im Schaufenster des Fürstentreffs in der Wandelhalle bis Dienstag, 24. Januar, zu sehen.

Wagner bekam 1973 vom damaligen Lebensgefährten ihrer Schwiegermutter, dem Göttinger Hans Epstein, ein äußerlich unscheinbares Album mit 41 Porträts geschenkt. Die hatte der Göttinger Student Gregorius Franz von Berzeviczy zwischen 1784 und ‘86 gesammelt. Sie zeigten auch damals bekannte Göttinger Persönlichkeiten, die sich während ihrer Kuren in Pyrmont porträtieren ließen. Wagner habe „damals nicht kapiert, was für ein Geschenk er mir damit gemacht hat“, freut sie sich heute über diesen historischen Schatz, dessen Wert ihr später aber sehr wohl klar wurde. . Denn gemeinsam mit dem Göttinger Literaturprofessor Dr. Ulrich Joost veröffentlichte sie 2011 das Buch: „Göttinger Profile – zwischen Aufklärung und Romantik“. Darin können nicht nur die gemalten Porträts angesehen, sondern auch kurze Biografien der 39 identifizierten Personen nachgelesen werden.

Doch nicht nur heitere Anekdoten aus der geschichtsträchtigen Vergangenheit der damaligen Universitäts- und der Kurstadt recherchierte die im letzten Jahr aus Herzberg am Harz zugezogene Wagner, die seit 30 Jahren selbst dem Ort der Geschehnisse verbunden ist. Auch dramatische Ereignisse eröffneten sich ihr – wie das der Göttinger Brüder Henrik und Jacob Fagel, deren Mutter Anna Maria während eines gemeinsamen Kuraufenthaltes nach dem Genuss von Wasser und Erdbeeren verstarb. Im Gedenken an seine Frau und als Warnung, so heißt es, ließ der Witwer in der Folge den Erdbeertempel im Kurpark erbauen.

3 Bilder

Auf ein Jahr voller gelungener Ereignisse, blickte Heidi Bretz zurück und dankte allen daran Beteiligten. „Der Zar und sein Gefolge locken Massen in die Stadt“, berichtete Bretz begeistert. Besonders dankte sie Kathrin Goretzki-Rach für die Choreografie der Tänze. „Ihr Einsatz ist einfach bewundernswert“. Außerdem Detlef Richter für die Theaterszenen, Brigitte Rach für die Kostümentwürfe und Karlo Krüger, dem Mann für alle Fälle. Er habe bereits viele ihrer Ideen praktisch umgesetzt, so auch den nachgebauten „Silhouettierstuhl“.

„Da ich diesen alten Stuhl hatte, sagte ich, es ist kein großes Problem, so einen Stuhl zu machen“, sagt Krüger. Während die ausgestellten Porträts mithilfe eines „Storchenschnabels“ verkleinert wurden und so ihr Miniaturformat erhielten, zeichnete Krüger die Porträts interessierter Besucher in Originalgröße aufs Papier. Unter anderen ließen die Autorin Wagner und die Landtagsabgeordnete Ursula Körtner ihre Konturen nachzeichnen. Doch dabei still zu sitzen und den Mund zu halten, „das fällt mir schwer“, gestand Körtner.

Bürgermeisterin Elke Christina Roeder und Körtner würdigten das Engagement des Fürstentreffs, der jährlich unzählige Besucher durch das Nachspielen lokaler historischer Ereignisse in die Kur-stadt lockt. Bretz ist schon gespannt auf 2012, denn sie plant einen erneuten Sammeltassen-Versuch fürs Guinness-Buch der Rekorde.

Erika Wagner vor den ausgestellten Originalen aus dem 18. Jahrhundert im Schaufenster des Fürstentreffs in der Wandelhalle.

Fotos: cg

Ursula Körtner lässt sich von Karlo Krüger auf dessen selbst gebautem Silhouettierstuhl porträtieren.



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