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Berechnung nach „Kölner Modell“

Urnengräber sollen teurer werden

BAD PYRMONT. Die Stadt Bad Pyrmont will mehr Gebührengerechtigkeit auf Friedhöfen erreichen und Urnengräber deutlich teurer machen als bisher. Die Gebühren für die Wahlgräber sollen dagegen nur geringfügig angehoben werden. Über diesen Vorschlag, der auf dem „Kölner Modell“ beruht, muss die Politik entscheiden.

veröffentlicht am 08.11.2017 um 12:23 Uhr
aktualisiert am 08.11.2017 um 17:45 Uhr

Urnengräber auf dem Oesdorfer Friedhof. Foto: yt
Hans-Ulrich Kilian

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Hans-Ulrich Kilian Redaktionsleiter Bad Pyrmont zur Autorenseite
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Die Kosten für das Friedhofswesen müssen für die nächsten drei Jahre ab 2018 neu berechnet werden. Das ist von Gesetzes wegen so vorgeschrieben. Die Entscheidungsträger im Stadtrat brauchen Fingerspitzengefühl. Bürger sehen sich in den schwersten Stunden ihres Lebens mit Gebühren konfrontiert. Gleichzeitig sind die Friedhöfe und die auf ihnen anfallende Arbeiten echte Kostenfaktoren. In den vergangenen drei Jahren hat die Stadt Bad Pyrmont laut Verwaltung jährlich rund 110 000 Euro Defizit im Bestattungswesen tragen müssen.

Dabei müssen die Pyrmonter ohnehin nicht zu 100 Prozent für die Kosten aufkommen, 30 Prozent wird bislang als öffentlicher Anteil eingerechnet. Grundsätzlich gilt, je mehr ein Friedhof einen parkähnlichen Charakter mit Grünflächen hat, umso größer kann dieser Anteil für die Stadt ausfallen. Am höchsten fällt der mit 40 Prozent auf dem Oesdorfer Friedhof, am niedrigsten mit 5 Prozent auf dem Baarser Friedhof aus. Unter dem Strich ergibt sich ein öffentlicher Kostenanteil von 26 Prozent, der bei der Kostenkalkulation zu berücksichtigen ist.

Seit Jahren steigt die Nachfrage nach Urnenbestattungen, die nach Erdbestattungen geht immer weiter zurück. Allein 2016 wurden gut dreimal mehr Urnen- als Erdgräber gewählt. Das führt dazu, dass sich der jährliche Flächenbedarf verringert, das Aufkommen an Kosten aber nicht. Folge: „Die Gebührentarife für die flächenintensiven Erdbestattungen steigen überproportional an“, erläuterte Sebastian Hagendorn vom städtischen Fachgebiet „Finanzen und Wirtschaft“, das die Gebührenkalkulation erstmals selber vorgenommen hat. „Aber die Infrastruktur eines Friedhofes wird von allen Nutzern in gleicher Weise in Anspruch genommen“, betonte er das Ungleichgewicht im Hinblick auf die Kosten für Erd- und Feuerbestattungen.

Das „Kölner Modell“ berücksichtigt genau diesen Aspekt und geht nicht davon aus, dass sich die Kosten proportional zur Grabfläche entwickeln. Will heißen: Die Gebühren sind nicht ausschließlich vom Flächenbedarf eines Grabes abhängig. Nach diesem Modell würden Urnengräber künftig rund 698 Euro statt wie bisher 480 Euro kosten. Die Gebühren für ein Wahlgrab würden nur von 1830 auf 1878 Euro ansteigen. „Jeder Nutzer beteiligt sich dabei gleichmäßig an den Kosten“, so Hagedorn. Bei der klassischen Kalkulation, die Hagendorn ebenfalls vorgenommen hat, wäre das nicht der Fall. Hier würde ein Urnengrab 555 Euro und ein Wahlgrab 2495 Euro kosten. In beiden Fällen sind prognostizierte Kostensteigerungen in Höhe von 16 Prozent berücksichtigt.

Unrealistisch niedrig sind bislang laut Hagedorn die 90 Euro Gebühren, die die Stadt für die Nutzung von Friedhofskappellen berechnet. Gehe man rein nach den Kosten, wären hier 346 Euro fällig. Doch das würde wohl kaum ein Angehöriger akzeptieren, die ohnehin bestehende Tendenz, die Trauerfeier in den Räumen eines Bestattungsunternehmens stattfinden zu lassen, würde weiter zunehmen. Das ist auch Hagedorn bewusst. Es könne hier wie auch in anderen Fällen sinnvoll sein, einen Gebührentarif festzulegen, der unter dem kalkulierten Wert liege, auch wenn das zu Lasten der Stadt Bad Pyrmont gehe aber von den Angehörigen akzeptiert werde, stellte er fest.

Bevor am 14. Dezember der Rat darüber entscheidet, wollen sich alle Fraktionen darüber noch einmal Gedanken machen. Aber Hans-Herbert Webel, Sprecher der SPD im Bauausschuss, begrüßte das „Kölner Modell“ und nannte es gerechter. Gruppenpartnerin Ute Michel (Grüne) fragte sich und die Runde, ob es an der Zeit sei, sich einmal über die Leistungen der Stadt für das Bestattungswesen Gedanken zu machen, denn die Bestattungen seien in den vergangenen Jahren mit jährlich 110000 Euro „subventioniert“ worden. „Ich sage nicht, dass es so sein muss, aber es ist die einzige Alternative, um gegen die Kosten etwas zu unternehmen.“

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