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Wie der Ausflug des Zuchtbullen „Samedi“ zu den Kühen am anderen Ufer im Schlamm endete

Und ewig lockt das Weib – auch in die Emmer

Bad Pyrmont. Dass er bis in den frühen Abend hinein fast eine Stunde lang nur in Unterhose und T-Shirt durch den Emmer-Schlamm waten würde, hätte sich Dirk Steinhage ein paar Stunden zuvor nicht träumen lassen. Aber ein guter Bauer lässt eben kaum etwas unversucht, um sein teures Vieh zu retten. Auch Anfang November nicht.

veröffentlicht am 04.11.2010 um 20:05 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:26 Uhr

Dirk Steinhage und zwei Feuerwehrmänner wollen den Bullen befrei
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Was den Holzhäuser Landwirt am frühen Mittwochabend in den Fluss trieb, war sein Zuchtbulle „Samedi“. Der war am Nachmittag dort baden gegangen, wohl weil es ihn zu den Kühen am anderen Ufer zog. Pech für das tonnenschwere Tier: Der Schlamm dort war so tief, dass er bis zum Bauch darin versank und aus eigener Kraft nicht mehr vom Fleck kam.

Dirk Steinhage hatte sein Tier schon entdeckt, als es – noch auf der anderen Emmerseite – in Richtung Ufer stapfte. Doch das knapp zehn Jahre alte Charolais-Rind war von seinem Vorhaben nicht abzubringen. Und als der Bulle dann erst einmal am Rand des Flusses festsaß, merkte sein Besitzer bald, dass er das Tier nicht ohne fremde Hilfe würde befreien können.

Vergeblich versuchte Steinhage dann mit Unterstützung einiger Feuerwehrleute, den Bullen unterwärts freizuschaufeln und große Plastikplanen als Laufhilfe auszulegen. Doch der dicke Brei gab das schwere Tier nicht frei. Und weder Kraulen am Kopf noch Klapse auf den Rücken halfen dem Rind auf die Füße.

Klaus Vogt versucht sich als Bullenflüsterer – vergeblich.
  • Klaus Vogt versucht sich als Bullenflüsterer – vergeblich. Aus eigener Kraft kommt Samedi nicht aus dem tiefen Schlamm.
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Auch dass sich Bad Pyrmonts stellvertretender Stadtbrandmeister Klaus Vogt zeitweilig als Bullenflüsterer versuchte, blieb ohne Folgen. Denn Samedi hatte sich, nach diversen erfolglosen Selbstbefreiungsversuchen, inzwischen anscheinend gelassen in sein Schicksal gefügt. „Menschenmengen ist er ja gewohnt“, sagte Dirk Steinhage hinterher. „Denn wir hatten ihn schon oft bei Schauen dabei.“

Die Rettung nahte fast eineinhalb Stunden nach Beginn des Feuerwehreinsatzes: Bei mittlerweile völliger Dunkelheit rückte ein von den Freiwilligen organisierter Bagger der Baufirma Opitz von der relativ nahen Aldi-Baustelle auf der Schanze an. Denn den Helfern stellte sich ein logistisches Problem: Um den 1300 Kilo schweren Bullen aus dem Wasser zu heben, musste ein Fahrzeug her, das dem Gewicht gewachsen war, ohne von der leicht abschüssigen Wiese vielleicht selbst in die Emmer zu kippen.

Doch dann ging alles ganz schnell: Samedi bekam Rückengurte angelegt und wurde an einer Stahlkette senkrecht aus dem Schlamm gezogen. Erfreulich: Der Zuchtbulle überstand die Strapaze unbeschadet. Nachdem er ans Ufer geschwebt und auf der Wiese abgesetzt worden war, trabte Samedi an der Seite von Dirk Steinhage gemächlich davon.

Für die fast 20 Freiwilligen der Holzhäuser Feuerwehr war es indes nicht der letzte Einsatz des Tages: Nach kurzem Zwischenstopp im Feuerwehrhaus ging’s gleich weiter zur Kursana-Residenz. Dort hatte sich eine Frau Essen gekocht und dabei alle Herdplatten eingeschaltet. Auf einer der Platten abgelegte Küchenutensilien waren geschmolzen. Die Feuerwehrleute entfernten die Sachen, brachten sie ins Freie und warfen ihren Hochleistungslüfter an, um den Qualm zu vertreiben. „Die alte Dame nahm die Sache gelassen und aß in aller Ruhe zu Ende“, berichtete Maik Gödeke hinterher.

Die Rettung: Mit einer am Bagger angebrachten Kette wird „Samedi“ aus dem Emmerschlamm gehievt. Sein Besitzer Dirk Steinhage (30) gibt mit dem Strick die Richtung vor. Mehr als zwei Stunden lang hatte der tonnenschwere Zuchtbulle im Uferbereich festgesteckt.

Fotos: jl



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