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Sinfoniekonzert entführt in die Zeit der Romantik – Orchester und Solist ernten stürmischen Applaus

Und am Anfang leise, ganz leise

Bad Pyrmont. Ein rauschendes Sinfoniekonzert mit einem hervorragend aufgelegten Orchester und einem brillanten Pianisten machte den Samstagabend für das begeisterte Pyrmonter Publikum zu einem echten Erlebnis. Die Staatliche Slowakische Philharmonie Kosice unter ihrem jungen Dirigenten Maros Potokar schwelgte in Romantik vom Feinsten und eröffnete mit dem Inbegriff der deutschen romantischen Oper, der Ouvertüre zur Oper „Der Freischütz“ op. 77 J. 277 von Carl Maria von Weber, obwohl dieses Prädikat wohl eher der zehn Jahre früher aufgeführten „Undine“ von E.T.A. Hoffmann gebührt. „Gleich am Anfang schön ruhig sein,“ hatte Musikschuldirektor Arndt Jubal Mehring in seiner Einführung dem Publikum mit auf den Weg gegeben, denn der Beginn dieser Ouvertüre zeichnet sich durch eine besonders zarte und leise Interpretation aus, je leiser desto besser. Und die mehr als 50 Musikerinnen und Musiker des Orchesters zauberten mit der wegweisenden Form einer Operneröffnung, in der quasi im Zeitraffer die Idee und das musikalische Material des gesamten Werkes enthalten sind, einen Hauch von Klang in das Auditorium, steigerten sich fulminant und brachten feuchten Glanz in die Augen der Zuhörer. Dabei äußerst bemerkenswert: So voll besetzt, sogar mit jungen Leuten, hatte sich das Konzerthaus schon lange nicht mehr gezeigt, nicht einmal zum traditionell gut besuchten Neujahrskonzert. Da sprang der Funke von der Bühne sofort über, vor allem, als der 24-jährige Pianist Chi Ho Han das „Konzert für Klavier und Orchester a-moll op. 16“ von Edvard Grieg intonierte. Tonkaskaden mit intensiver Leidenschaft, außergewöhnliche technische Perfektion und charismatische Interpretation begeisterten die Zuhörer im Saal und forderten geradezu eine Zugabe heraus. Diese gewährte der Solist offensichtlich gerne mit der Liszt-Bearbeitung eines Schumann-Stückes und nahm anschließend zu recht Jubel, Beifall und Bravo-Rufe entgegen. Robert Schumann war denn auch der Komponist des zweiten Konzertteils, in dem die Staatliche Slowakische Philharmonie Kosice nochmals zu großer Form auflief. Die „Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 97“ wird auch die „Rheinische“ genannt, und Schumann wurde dazu nach eigener Aussage durch den Anblick des Kölner Doms inspiriert. Das mögen die Düsseldorfer gar nicht, war er doch eigentlich „ihr“ Komponist und städtischer Musikdirektor. Den ersten Satz, überschrieben mit „lebhaft“, kennt man als inoffizielle rheinländische Hymne, die jahrelang die WDR-Fernsehsendung „Hier und Heute“ einleitete Ebenso bekannt ist der zweite Satz. Und dass der vierte Satz mit der Ernennung Johannes von Geissels zum Kardinal – ausgerechnet im Kölner Dom – in Verbindung gebracht wird, veranlasste Arndt Jubal Mehring zu der bedauernden Bemerkung: „Arme Düsseldorfer!“ Mit diesem großartigen Konzert zeigte sich eindrucksvoll, welche Kraft und Bedeutung die Synergie aus vollem Haus und exzellentem Klangkörper für das Staatsbad und das Pyrmonter Publikum hat.

veröffentlicht am 29.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:50 Uhr

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Autor:

Rudi Rudolph
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