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Mit Sammler Rainer Schönbach auf Zeitreise durch die faszinierende Geschichte Bad Pyrmonts

Und als Souvenir gab’s Heilmoor in der Dose

Bad Pyrmont (ar). Herzliche Grüße aus der Pyrmonter Kur auf einer Postkarte von der „Giftbude“ in der Hauptallee, eine „Pyrmonter Heilmoor-Hauskur ursprungsfrisch – aus alpinem Hochmoor“ oder eine Speisekarte, auf der der Pyrmonter Säuerling als „Tafel-Getränk ihrer Majestät, der Königinmutter der Niederlande“ empfohlen wird – das sind nur einige der Schätze, die Rainer Schönbach hütet.

veröffentlicht am 06.02.2011 um 19:30 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 19:41 Uhr

Ein unschlagbares Sammlerteam: Rainer Schönbach und sein Sohn Volker zwischen einem winzigen Teil ihrer Schätze.  Fotos: ar
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Der Pyrmonter hat sich seit fast 50 Jahren dem Sammeln von Pyrmonter Memorabilien verschrieben und betreibt diese Passion mit einem fast unglaublichen Hintergrundwissen, Akribie und auch einem glücklichen Händchen.

Mit seinem Verlag Rainer Schönbach ist er in der Region kein Unbekannter, denn seit 20 Jahren bringt er in kleiner aber feiner Aufmachung Postkartenkalender mit historischen Pyrmonter Ansichten heraus und verlegt ebenfalls historische Postkarten oder solche mit Scherenschnittmotiven.

„Angefangen habe ich im Alter von 20 Jahren mit Grafiken und Stichen“, erzählt er, „aber besonders interessiert hat mich dann auch die Pyrmonter Industriegeschichte. So gab es in der Stadt früher 18 oder 19 Zigarrenfabriken. Die von Oskar Zetzsche in der Schillerstraße war wohl die bekannteste.“ In der Bahnhofstraße existierten vom Kaiserplatz stadtauswärts ganze Tabakplantagen, und die Blätter wurden auf den Balkonen getrocknet und anschließend verarbeitet.

Die gläserne „Stahlbrunnen“-Flasche (li.) ist über 250 Jahre alt, die Steingut-Behälter stammen aus der Mitte des 19
  • Die gläserne „Stahlbrunnen“-Flasche (li.) ist über 250 Jahre alt, die Steingut-Behälter stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Jedem seiner Sammelgebiete widmet sich Rainer Schönbach mit enormer Energie und Akribie.
  • Jedem seiner Sammelgebiete widmet sich Rainer Schönbach mit enormer Energie und Akribie.
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Die gläserne „Stahlbrunnen“-Flasche (li.) ist über 250 Jahre alt, die Steingut-Behälter stammen aus der Mitte des 19
Jedem seiner Sammelgebiete widmet sich Rainer Schönbach mit enormer Energie und Akribie.
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Kaum hat Schönbach davon erzählt, läuft er aus dem Zimmer um gleich darauf voller Besitzerstolz mit einer Kiste in der Hand zurückzukehren: Die edle „Herzbad Pyrmont“ (wohlbekömmlich und blumig!) präsentiert der 67-Jährige in ihrer Originalverpackung, und von der „Graf zu Waldeck“ kann er das wohl noch einzige Exemplar einer Blechdose vorweisen. Auch eine Verpackung von „Pyrmonter Backpulver“ aus dem örtlichen Ferment-Werk hat der umtriebige Sammler in seinem Bestand.

Wenn Rainer Schönbach in die unerschöpflichen Tiefen seiner Schränke, Regale und Karteikästen eintaucht, kommen die skurrilsten Exponate zum Vorschein, mit denen er sogar manchmal dem Pyrmonter Museum aushilft, wenn dessen Leiter Dr. Dieter Alfter Bedarf anmeldet.

Pyrmonter Postkartenmotive, die mit ihrer Vermarktung auch ein wirtschaftliches Standbein bedeuten, sind da nur ein Thema. Mit mehreren Tausend Originalkarten haben sich verschiedene Schwerpunkte herausgebildet, die jeweils für sich eine komplette Ausstellung beschicken könnten. Da gibt es das Thema „Weihnachtsmänner“, das auf fast 500 Karten ein ganzes Album füllt, oder das Thema „Bekleidete Tiere“, wozu einem gleich der gestiefelte Kater einfällt. Natürlich ist auch der vorhanden. Doch was da an Hasen, Hunden, Katzen, Vögeln und anderem Getier auf Postkarten in Menschrollen dargestellt ist, übersteigt das Vorstellungsvermögen. So wurden auf humorvolle und nicht beleidigende Weise Lebensweisheiten unters Volk gebracht, zarte Bande geknüpft oder der Tritt gegen das Schienbein relativiert.

Weiterhin findet man den Maler Spitzweg auf Karten, den Alten Fritz oder Königin Luise sowie ein ausgesuchtes ¼uvre des Hamelner Künstlers und Grafikers Rudolf Riege. Der im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts besonders als Holzschnitt-Illustrator bekannt gewordene Hamelner setzte sich detailliert und filigran unter anderem mit der Rattenfängersage auseinander. Sechs handkolorierte Originalgrafiken befinden sich in Schönbachs Besitz. Ebenso zwei originalgroße Riege-Entwürfe für die Fenster des alten Hamelner Kreishauses, mit Wappen sämtlicher Landkreis-Gemeinden darauf.

„Wollte ich meine Karten thematisch verarbeiten, dann hätte ich für die nächsten 100 Jahre zu tun,“ stellt Sammler Schönbach fest – und plant künftige Kalender- und Kartenveröffentlichungen.

Seine Entdeckungen macht er wie ein Spürhund: Ständig ist er auf Trödelmärkten und Auktionen unterwegs, kontaktiert andere Sammler, oder – da er auch bekannt ist wie ein bunter Hund – erhält Stücke sogar aus Afrika oder Australien zugesandt. Manchmal aber muss er nicht weit gehen. „Als ich dem Staatsbad vor Jahren zwei Grundstücke abkaufte, fanden sich darauf im Abraum Flaschensiegel des Stahlbrunnens. Sie ergänzen meine Flasche von 1750 und andere aus den Jahren 1850 bis 1880 hervorragend.“

Seine Liebe zu außergewöhnlichen Pyrmonter Erinnerungsstücken hat Rainer Schönbach idealerweise gleich vererbt. Sohn Volker tritt schon mit eigenen Sammlungen in Vaters Fußstapfen und wird dessen Fundus irgendwann einmal mit demselben Enthusiasmus fortführen.

Was Bad Pyrmont und Holzhausen früher so alles hervorbrachten: Diverse Kisten zeugen von der einst florierenden Zigarrenproduktion der Firma Oskar Zetzsche, und auch Backpulver wurde in der Kurstadt hergestellt.

Heilmoor für zu Hause: Früher wurde der gesunde Badezusatz in Dosen an die Kurgäste verkauft.



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