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Kantorei der Stadtkirche führt den „Kreuzweg“ von Franz Liszt auf

Tragisch, doch nicht ohne Trost

Bad Pyrmont. Jesus von Nazareth trägt schwer an seinem Kreuz. Auf dem Weg zum Berg Golgatha stürzt er einige Male, er tröstet seine Mutter und die weinenden Frauen von Jerusalem, denen er begegnet. Er wird ans Kreuz genagelt und später dann ins Grab gelegt. Die Leidensgeschichte des Gottessohnes, als Passionszeit im Kirchenjahr verankert, hat die Kantorei der Stadtkirche mit Musik, Gesang und Bildern eindringlich dargestellt.

veröffentlicht am 06.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 12:21 Uhr

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Autor:

Karin Heininger
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Zugrunde lag der musikalischen Andacht die Komposition „Via crucis“ (Kreuzweg) von Franz Liszt. Sein zum Teil karges und sprödes Werk galt in der Spätromantik durchaus als avantgardistisch und wurde von seinen Zeitgenossen so wenig verstanden, dass es erst 50 Jahre nach der Vollendung am Karfreitag 1929 in Budapest zur Uraufführung kam.

Liszt selbst, so hat es das Collegium Cantorum Köln festgehalten, hatte sich ausdrücklich Albrecht Dürers Holzschnitte der Passion als bildliche Ergänzung dazu gewünscht, und die Stadtkirche hat diese Vorstellung auf ihre Art verwirklicht: Die zeitgenössischen Bilder des Niederländers Wim Johannesmar, die während des Konzerts auf eine Leinwand im Altarraum projiziert wurden, wirken holzschnittartig und sind in ihrer schlichten und ausdrucksvollen Darstellung eine stimmige Begleitung zu der Musik.

Der Entwurf zu dem selten aufgeführten Werk, das der Komponist 1873 in Rom begann, sah Chor, Klavier und Solo-Bariton als Besetzung vor. Doch wurde später auch die Orgel als begleitendes und teilweise solistisch interpretierendes Instrument eingesetzt, und Dirk Brödling, der Kantor und Organist der Gemeinde, verwirklichte ebenfalls diese Version. Er selbst spielte zunächst einige Orgelwerke der Romantik, unter anderem von Johannes Brahms, und von Josef Rheinberger ein Vorspiel zu dem wohl bekanntesten Choral der Passion „O Haupt voll Blut und Wunden“.

Dieses ursprünglich aus Bachs Matthäus-Passion stammende Lied war neben dem Sterbegesang „O Traurigkeit, o Herzeleid“ das Einzige, was an diesem Abend in deutscher Sprache erklang. Alle anderen Beiträge der Kantorei und des Solo-Tenors Johann Penner aus Detmold wurden auf Latein gesungen. Während Dirk Brödling den durch Krankheit etwas dezimierten Chor dirigierte, übernahm Tobias Lehmenkühler aus Lippstadt die Begleitung an der Orgel.

Die 14 Kreuzwegstationen wurden in den Chorsequenzen und Orgelsoli beeindruckend vorgetragen, mal leise, dann wieder kraftvoll, mit tragischem Grundton und doch nicht ohne Trost: „Heil dir, Kreuz, unsre Hoffnung“ heißt es in der Übersetzung des Gesanges zur Grablegung. In seiner dichten und stimmlich gelungenen Wiedergabe hätte dieses Werk mehr Zuhörer verdient.



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