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Pyrmonter Theater Companie zeigt Hotel-Revue mit hintergründigen Szenen und Songs

Tragikomisch: Leben auf der Durchreise

Bad Pyrmont. Das Hotel als ein Schmelztiegel erfolgreicher und kaputter, glücklicher und depressiver, alltäglicher und verrückter Typen: Das ist ein praxiserprobtes Thema für Bad Pyrmont und musste einfach irgendwann mal auf die Bühne. Und wer, so wie die Pyrmonter Theater Companie, offen ist für Nostalgisches und Aktuelles, dem tut sich da ein weites spielerisches Feld auf.

veröffentlicht am 17.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 23:41 Uhr

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Autor:

Karin Heininger.
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So war die Erwartungshaltung beim Publikum vermutlich groß, auch wenn manches ein bisschen anders läuft als vorausgesetzt. Das Genre „Revue“ impliziert per Definition ein Mix aus Sprech-, Gesang- und Tanznummern. Das ist die Hotelrevue „Ich brauch ein Zimmer für heute Nacht“ nicht ganz, weil die Choreografie fehlt. Auch wer vor allem einen Wirbel heiterer Szenen erwartet, liegt mit Sicherheit falsch. Und es dauert durchaus eine Weile, bis das Spiel so richtig in Gang kommt und die drei Darsteller Arja Sharma, Judith Guntermann und Jörg Schade die gewohnte Resonanz beim Publikum im Theater im Casino finden.

Doch bald lassen sich die Zuschauer zunehmend ein auf diese hintergründige, nachdenkliche Art einer Revue, und sie erleben einen anspruchsvollen Theaterabend, der das Thema mit vielen Facetten beleuchtet und den Schauspielern zahlreiche darstellerische Möglichkeiten bietet, sorgfältig und ideenreich inszeniert von Carl-Herbert Braun. Auch das Komödiantische kommt nicht zu kurz, und so hat jeder seinen besonders effektvollen Auftritt.

Herrlich verrückt sind Schade und Sharma als esoterisch angehauchtes Pärchen auf Zimmersuche in einer Szene von Carl-Herbert Braun. Judith Guntermann als Tucholskys „Lottchen“ ist einfach hinreißend in ihrer quasseligen Naivität, Jörg Schade bietet als betrunkener Gast eine fast schon artistische Auseinandersetzung mit hinderlichen Hosenträgern, und Arja Sharma liefert ihr Meisterstück als einsame junge Frau, die im Hotelzimmer mit Gottes Hilfe auf einen Anruf ihres Geliebten hofft. Diese Szene, glaubwürdig und grandios gespielt, ist ein Beispiel dafür, wie wirkungsvoll diese Revue Tragik und Komik miteinander verbindet und in dieser Balance die Hotel-Atmosphäre mit gut dargestellten Typen von Gästen und Personal wiedergibt. Dabei wird das Thema Flüchtlinge nicht ausgespart: „Das bisschen Vaterland“ tragen die Emigranten (Guntermann und Schade) mit sich in das kleine Hotel, es könnten Heutige sein oder Heimatlose aus der Geschichte.

Für die musikalischen Arrangements, die Einstudierung und Klavier-Begleitung der Lieder, unter anderem von Friedrich Holländer, zeichnet Stefan Hiller verantwortlich. Bühnenbildner Ulbo hat auf kleinster Ebene Hotelfoyer und Gästezimmer gezaubert. Mit dem von Jörg Schade getexteten und von Andres Reukorf komponierten Song „Im Hotel“ endet die Revue. Das Leben auf der Durchreise, tragikomisch in 28 Szenen interpretiert, bekam viel verdienten Applaus.



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